Die meisten
Sklaven, die nach Kuba verschleppt wurden, waren Yoruba, ein
Volksstamm Westafrikas (heutiges Nigeria). In der Neuen Welt
stellten die Kolonialherren die Ausübung ihrer animistischen
Kulte unter Strafe. Um ihre Traditionen zu wahren, mußten
die Yoruba einen Trick anwenden: Sie ordneten den
Römisch-Katholischen Schutzheiligen, die ihnen nun
aufgezwungen wurden, jeweils einen ihrer Götter (Orischas)
zu. So konnten sie in der Kirche zum christlichen Gott
beten, sich so vor Strafen retten und gleichzeitig weiter
ihre Orischas verehren.
Aus diesem Prozeß ging der synkretische (Elemente
verschiedener Religionen vereinende) Kult Santeria hervor.
In der Santeria dominieren die afrikanisch-religiösen
Elemente. Zentraler Bestandteil dieses Glaubens ist der
Götter-Pantheon der Orischas, die über die Naturkräfte
regieren und von ihren Adepten angerufen und um Rat gefragt
werden.
Die wichtigsten Orischas:
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Elegba
Auch Elegguá. Er ist der Pförtner an der Kreuzung
zwischen der irdischen und der Götterwelt. Elegba
wird auf Zeremonien immer als erster angerufen, um
den Weg für die anderen Orischas frei zu machen.
Hüter aller Wege und Türen. Er kann auch in
Versuchung führen, vom rechten Weg abzukommen. Seine
Farben sind Schwarz und Rot. Seine Zahlen 3 und 21.
Elegba wird dem Heiligen Antonius zugeordnet. |
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Ogún
Ogún ist der Gott des Eisens. Ein Krieger, der den
von Elegba geöffneten Weg mit seiner Machete
freimacht. Patron der Metallarbeiter, Autofahrer und
Soldaten. Er trinkt gerne viel Rum, was man den
Ritualen nie vergessen darf! Seine Farben sind Grün
und Schwarz, seine Zahl ist 7. |
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Ochún
Die „Venus“ der Orishas. Göttin der Koketterie,
Liebe und Fruchtbarkeit. Sie ist Herrscherin über
das Süßwasser, über Flüsse ( auch über das Blut in
unseren Adern), den Honig und alles Schöne in der
Welt. Hilft bei Geldsorgen.
Einmal rettete sie die Welt, als sie Ogún mit ihren
weiblichen Reizen aus dem Wald lockte. Sie wird mit
der Schutzheiligen Kubas, der Virgen de la Caridad,
derin El Cobre eine Wallfahrtskirche gewidmet ist,
assoziiert. Ochún identifiziert sich mit den Farben
Gelb und Gold und ihre Zahl ist 5. |
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Yemayá
Sie ist die ältere Schwester von Ochún und die
Hüterin der Meere. Göttin der Mütterlichkeit. Ihr
Name ist eine Abkürzung für Yeyé omo Eja. Das
bedeutet Mutter deren Kinder die Fische sind, Symbol
für die Unzählbarkeit ihrer Kinder. Sie kleidet sich
in sieben weißblauen Röcken und wie die See birgt
sie Tiefen und Geheimnisse. |
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Changó
Orischas des Krieges, der Männlichkeit und des
Trommelns. Herr über Blitz und Donner. Changó ist
sehr ungeduldig und wiederholt seine Reden nicht Er
verstärkt die Intensität von Erfahrungen. Sein
Symbol ist eine Doppelaxt. Er ist vergleichbar mit
Thor und Apollo. Seine Farben sind weiß und rot und
er wird mit der Heiligen Barbara assoziiert. |
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Babalu Aje
Er bestraft die Exzesse der Menschheit mit Seuchen
und Krankheiten. Er ist auch der Gott der
psychosomatischen Erkrankungen. Gleichzeitig
barmherziger Gott der Bedürftigen und Kranken. In
Darstellungen geht er auf Krücken und es umgeben ihn
streunende Hunde. Babalu Aje ist eine Symbiose mit
dem Heiligen Lazarus eingegangen.
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Santería-Zeremonien
Bei einer Santería-Zeremonie werden die Orischas durch
bestimmte Gesänge und Trommelrhythmen angerufen. Die für den
westlichen Hörer höchst komplexen Rhythmen werden auf den
Batás (sanduhrförmige Doppelfelltrommeln, immer drei in
unterschiedlichen Größen) geschlagen. Den die Orischas
symbolisierenden Fetischen werden Opfer dargebracht. Hat
Elegba den Weg frei gemacht, kann ein Orischa von einem
Teilnehmer Besitz ergreifen und seine Botschaften
übermitteln. Eine solche Besessenheits-Trance bildet den
Höhepunkt einer Zeremonie.
Santeria Heute
Seit der Revolution besinnen sich immer mehr Kubaner auf
ihre Traditionen und so ist Santeria mit der Zeit immer
populärer geworden. Seit einigen Jahren erlebt Santeria,
neben den beiden anderen synkretischen Kulten Abakuá und
Régla de Palo, einen regelrechten Boom. Auch weiße Christen
wenden sich zunehmend dieser Religion zu. Inzwischen gibt es
kaum einen Kubaner, der nicht an die Kraft der alten Mythen
und Rituale glaubt, und sei es nur, daß er eine
Glasperlenkette mit den Farben seines Orishas trägt, in der
Hoffnung diese werde ihn beschützen.
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