Eine kurze Abhandlung über Kubas wichtigste synkretische Religion
von Pascal Dreckmann

 

Der Weg der Santeria

 

Die meisten Sklaven, die nach Kuba verschleppt wurden, waren Yoruba, ein Volksstamm Westafrikas (heutiges Nigeria). In der Neuen Welt stellten die Kolonialherren die Ausübung ihrer animistischen Kulte unter Strafe. Um ihre Traditionen zu wahren, mußten die Yoruba einen Trick anwenden: Sie ordneten den Römisch-Katholischen Schutzheiligen, die ihnen nun aufgezwungen wurden, jeweils einen ihrer Götter (Orischas) zu. So konnten sie in der Kirche zum christlichen Gott beten, sich so vor Strafen retten und gleichzeitig weiter ihre Orischas verehren.
Aus diesem Prozeß ging der synkretische (Elemente verschiedener Religionen vereinende) Kult Santeria hervor. In der Santeria dominieren die afrikanisch-religiösen Elemente. Zentraler Bestandteil dieses Glaubens ist der Götter-Pantheon der Orischas, die über die Naturkräfte regieren und von ihren Adepten angerufen und um Rat gefragt werden.

Die wichtigsten Orischas:
 
  Elegba
Auch Elegguá. Er ist der Pförtner an der Kreuzung zwischen der irdischen und der Götterwelt. Elegba wird auf Zeremonien immer als erster angerufen, um den Weg für die anderen Orischas frei zu machen. Hüter aller Wege und Türen. Er kann auch in Versuchung führen, vom rechten Weg abzukommen. Seine Farben sind Schwarz und Rot. Seine Zahlen 3 und 21. Elegba wird dem Heiligen Antonius zugeordnet.
  Ogún
Ogún ist der Gott des Eisens. Ein Krieger, der den von Elegba geöffneten Weg mit seiner Machete freimacht. Patron der Metallarbeiter, Autofahrer und Soldaten. Er trinkt gerne viel Rum, was man den Ritualen nie vergessen darf! Seine Farben sind Grün und Schwarz, seine Zahl ist 7.
  Ochún
Die „Venus“ der Orishas. Göttin der Koketterie, Liebe und Fruchtbarkeit. Sie ist Herrscherin über das Süßwasser, über Flüsse ( auch über das Blut in unseren Adern), den Honig und alles Schöne in der Welt. Hilft bei Geldsorgen.
Einmal rettete sie die Welt, als sie Ogún mit ihren weiblichen Reizen aus dem Wald lockte. Sie wird mit der Schutzheiligen Kubas, der Virgen de la Caridad, derin El Cobre eine Wallfahrtskirche gewidmet ist, assoziiert. Ochún identifiziert sich mit den Farben Gelb und Gold und ihre Zahl ist 5.
  Yemayá
Sie ist die ältere Schwester von Ochún und die Hüterin der Meere. Göttin der Mütterlichkeit. Ihr Name ist eine Abkürzung für Yeyé omo Eja. Das bedeutet Mutter deren Kinder die Fische sind, Symbol für die Unzählbarkeit ihrer Kinder. Sie kleidet sich in sieben weißblauen Röcken und wie die See birgt sie Tiefen und Geheimnisse.
  Changó
Orischas des Krieges, der Männlichkeit und des Trommelns. Herr über Blitz und Donner. Changó ist sehr ungeduldig und wiederholt seine Reden nicht Er verstärkt die Intensität von Erfahrungen. Sein Symbol ist eine Doppelaxt. Er ist vergleichbar mit Thor und Apollo. Seine Farben sind weiß und rot und er wird mit der Heiligen Barbara assoziiert.
  Babalu Aje
Er bestraft die Exzesse der Menschheit mit Seuchen und Krankheiten. Er ist auch der Gott der psychosomatischen Erkrankungen. Gleichzeitig barmherziger Gott der Bedürftigen und Kranken. In Darstellungen geht er auf Krücken und es umgeben ihn streunende Hunde. Babalu Aje ist eine Symbiose mit dem Heiligen Lazarus eingegangen.
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Santería-Zeremonien
Bei einer Santería-Zeremonie werden die Orischas durch bestimmte Gesänge und Trommelrhythmen angerufen. Die für den westlichen Hörer höchst komplexen Rhythmen werden auf den Batás (sanduhrförmige Doppelfelltrommeln, immer drei in unterschiedlichen Größen) geschlagen. Den die Orischas symbolisierenden Fetischen werden Opfer dargebracht. Hat Elegba den Weg frei gemacht, kann ein Orischa von einem Teilnehmer Besitz ergreifen und seine Botschaften übermitteln. Eine solche Besessenheits-Trance bildet den Höhepunkt einer Zeremonie.


Santeria Heute
Seit der Revolution besinnen sich immer mehr Kubaner auf ihre Traditionen und so ist Santeria mit der Zeit immer populärer geworden. Seit einigen Jahren erlebt Santeria, neben den beiden anderen synkretischen Kulten Abakuá und Régla de Palo, einen regelrechten Boom. Auch weiße Christen wenden sich zunehmend dieser Religion zu. Inzwischen gibt es kaum einen Kubaner, der nicht an die Kraft der alten Mythen und Rituale glaubt, und sei es nur, daß er eine Glasperlenkette mit den Farben seines Orishas trägt, in der Hoffnung diese werde ihn beschützen.


 

 

 

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