Kuba für Anfänger
(Nov/Dez 2001)
Eigentlich begann
alles ganz harmlos: Eine gute Freundin, die schon seit
längerer Zeit gerne lateinamerikanisch tanzen ging, hängte
ihre 13 jährige Ehe mit drei Kiddies zugunsten eines
Kubaners, den Sie beim Tanzen kennengelernt hatte, an den
Nagel. Sie flog auch mal nach Kuba und erzählte mir davon.
Nicht viel, aber es war genug, um mich neugierig zu machen.
Seither (einige Monate vor meiner eigenen Reise) stöberte
ich im Internet und bekam so – nicht zuletzt durch die
vielen Reiseberichte – ein doch recht komplettes Bild
dessen, was mich erwarten sollte.
Da ich zwar
sprachlich recht fix bin, jedoch keinerlei
Spanischkenntnisse hatte, nahm ich von einer Reise ins
Blaue, also rein individuell, zunächst Abstand. Meine erste
Idee war ein Arrangement mit einer Woche Club, sozusagen zum
Eingewöhnen, um dann die restlichen 14 Tage all exclusive zu
reisen. Schnell stellte sich heraus, daß ich mit ein bißchen
Sucherei mit einem Super-Last-Minute-Angebot besser fahren
würde. Schließlich blieb es ja dann mir überlassen, wieviel
der Zeit ich tatsächlich im Club verbringe. Gesagt, getan.
Gebucht wurde via Internet bei Neckermann eine Reise all
inclusive über 3 Wochen, Überraschungshotel mit 3,5* bei
Santa Lucia, Flug mit Condor zu 2.500 DM. Ein Reiseführer (Lonely
Planet ISBN0-86442-750-6), eine gute Karte mit
Koordinatenangaben (World Mapping Project ISBN
3-8317-7002-6), sowie ein Sprachführer (Kauderwelsch Band
123, Spanisch für Cuba (ISBN 3-89416-323-2) wurde
angeschafft, dazu noch das dicke Langenscheidt (ISBN
3-468-11344-7). Adressen von Casas recherchierte ich aus dem
Internet. Nachdem die Beschilderung in Kuba mangelhaft sein
sollte, komplettierte ich meine Ausrüstung durch ein kleines
GPS-Gerät, das mir noch wertvolle Diente leisten sollte.
Meine Impfungen ließ
ich auffrischen und durch eine Hepatitis-A ergänzen, um mich
auf die Sonne vorzubereiten gönnte ich mir ein paarmal ein
Sonnenstudio. Als Reiseapotheke diente ein ausrangierter
Autoverbandskasten, vollgepackt mit Paracetamol, einem
Antibiotikum, Immodium, einer Einwegspritze, Binden,
Dreieckstuch, Pflaster, Dolomo TN, Micropur und noch ein
paar andere Sachen. Von meiner Freundin hatte ich gehört,
daß Kleidung rar ist, also wollte ich so viel wie möglich
Klamotten mitnehmen, um sie unterwegs an den Mann oder die
Frau zu bringen. Es waren auch ein paar italienische Schuhe
mit Ledersohlen dabei, richtig elegante hellbraune mit
Leineneinsätzen und Ledersohlen. Um es vorwegzunehmen: Diese
Schuhe sollten mir später ganz unbeabsichtigt eine 25er
Kiste Cohiba Esplendidos bescheren. Dazu alles, was ich an
Kulis, Hotelseife und Feuerzeugen finden konnte, genügend
Duschzeug und Shampoo, sowie Rei-in-der-Tube. Es kostete
mich fast den letzten Nerv: Niemand konnte mir verbindlich
sagen, wieviele Koffer mit welchem Gewicht ich eigentlich
mitnehmen konnte. Es hätte mich gewurmt, nur mit 20 kg
einzuchecken wenn mehr erlaubt wären, aber es wäre ein
Desaster, mit mehr dazustehen als erlaubt. Die Frage war
also wichtig für mich und die richtige Antwort lautet
folgendermaßen: Es gibt Linienflüge und Charterflüge. Bei
Linienflügen gilt für Gepäck das Pice Concept, im Ticket
abgekürzt "PC". Bei Charterflügen gibt es das Konzept 20k,
das im Ticket unter "allow" genau so erscheint. Was anderes
als PC oder 20k kann im Ticket nicht gedruckt werden. Bei
internationalen Flügen kann mit PC ein Koffer mit 32kg
mitgenommen werden, mit Konzept 20k eben ein Koffer mit 20
kg. Bei Flügen nach Mexico, den Vereinigten Staaten oder
Karibik gilt für PC: 2 Koffer á 40kg, bei 20k gilt: 2 Koffer
mit 23kg, also insgesamt 46kg! Die Angaben gelten für Condor,
möglicherweise aber auch für andere Gesellschaften.
Also Koffer randvoll
gepackt, dazu ein Rucksack, der gerade noch so maßlich als
Handgepäck durchging und los gings. Einchecken in Frankfurt,
ziemlich pünktlich sogar, und meine 46,5kg Gepäck gingen
anstandslos durch. Nach 40 min in der Maschine erzählte der
Pilot irgendwas von "nächster Slot", dann rollten wir,
hielten an, Info: "Probleme mit Triebwerk",
Reparaturversuch, nach 2 Stunden wieder zurück in die
Lounge, mit 6 Stunden Verzögerung dann endlich mit
repariertem Triebwerk ab ín Richtung Ciego de Avila. Ankunft
dort mitten in der Nacht, Transfer mit dem Bus nach Santa
Lucia. Dort angekommen gleich aufs Zimmer (sauber,
großzügig, klimatisiert) und pennen. Am nächsten Tag erstmal
den Club in Augenschein nehmen: Anlage ist sehr gepflegt und
geschmackvoll gestaltet. Es gibt ein Swimmingpool, Flamingos
im Teich, ein paar Bars, eine Disco, Whirlpool, traumhafter
Strand, es ist angenehm wenig los. Relativ schnell bilden
sich Gruppen von Gleichgesinnten: Da gibt es die beiden
recht Beleibten mit sehr kurzen Haaren und Fußballkluft, die
ihren eigenen Maßkrug mitgebracht haben, die rotten sich
zusammen mit anderen Herumschwadronierern (...ist doch
uninteressant, wie der Reiseleiter heißt, der heißt so, wie
ich ihn nenne..."). Diese Jungs und Mädels trifft man schon
in aller Herrgottsfrühe an der Bar, müssen ihren Pegel ja
wieder auf Stand bringen, damit sie nicht merken, wie
peinlich sie eigentlich sind. Ein Typ und ein Mädel hatten
nach drei Tagen folgerichtig einen ziemlich schlimmen
Autounfall, jede Menge Alkohol im Spiel, noch dazu fuhr
nicht die versicherte Person. Becken- und Schulterbrüche,
vorzeitige Abreise, wahrscheinlich jede Menge
Schwierigkeiten mit Polizei und Versicherung. Abends trifft
man die Truppe im 10 Gehminuten entfernten Rumbos –
eigentlich waren alle da, die noch keine Lust hatten, nach
11 Uhr in die recht laue Hoteldisco zu gehen. Um ins Rumbos
zu kommen, mußte man sich erstmal durch ein Spalier von
Mädels und Typen hangeln, die lauter interessante Sachen
anzubieten hatten: Die einen sich selbst, die anderen
vielleicht eine Casa für ein paar Stunden, Zigarren oder
sonstwas. Dort machte ich auch die erste Bekanntschaft mit
den Verführungskünsten einer Mulatica: Nachdem ich doch
recht neugierig bin, wollte ich wissen wie das abläuft. Sie
machte eine private Casa für uns klar (15$), rein ins Taxi
(2* 3$ für hin und zurück), für sie sollten es 20$ sein plus
weiteren 5$ fürs Taxi. Das Mädel war wirklich hübsch und
lieb, jedoch hab ich so meine Probleme mit bezahltem Sex,
hier in Deutschland und auch in Kuba. Einen Moment lang
dachte ich darüber nach, sie auf meiner geplanten Tour
mitzunehmen um sie besser kennenzulernen, ließ es dann aber.
Ich hab zwar nichts gegen guten Sex, ich wollte mir aber die
Möglichkeit, ein ganz normales Mädel kennenzulernen nicht
versperren, indem ich eine Halbprofessionelle dabeihatte.
Ich für meinen Teil verstand mich ganz gut mit einem Pärchen
aus der Nähe von Münster, die beiden waren letztendlich auch
der Grund dafür, daß ich länger im Club aushielt als
eigentlich geplant. Noch ein Grund war, daß ich einen
Tauchkurs beim all-abendlichen Programm gewann – schon
interessant für mich, denn direkt vor der Haustüre liegt ja
das zweitgrößte Korallenriff der Welt. Edgar und Stefanie
(so hießen die beiden) hatten nur 2 Wochen, ich drei. Am
vorletzten Tag der beiden schlossen wir uns einer Bustour
nach Camagüey an, für mich die Generalprobe: Ich wollte
jetzt ganz schnell weg vom Club und raus ins Land. Die ganze
Busfahrt hatte ich das GPS mitlaufen lassen, so konnte ich
mich später mit dem Auto nicht mehr verfahren. Einer der
Animatoren aus dem Klub nannte mir noch die Adresse eines
Freundes mit Casa Particular in Camagüey. Die Autos, die im
Hotel angeboten wurden, waren mir allesamt zu teuer, etwas
abseits vom Hotel konnte ich einen Kleinwagen ohne Klima für
280$ für 7 Tage anmieten: Ein richtiges Schnäppchen.
Erst jetzt ging mein
eigentlicher Urlaub los. Ein Freund eines Animators fragte,
ob er mitfahren könne nach Camagüey. Klar, kein Problem für
mich. Nachdem der nur spanisch sprach, bekam ich auf der
Fahrt schon meinen ersten Kompaktkurs in spanisch. Er half
mir auch, den Weg zu Rolly zu finden, meiner ersten Casa
Particular (Camagüey, Calle Cuba%Sinfonte y Alonzo Fruto).
Rolly, ein smarter, etwa 25 jähriger Schwarzer, lebt dort
mit seinem Vater, beide recht nett und verbindlich. Das Haus
bietet 3 Casas, nicht besonders üppig ausgestattet, aber
vollständig mit Dusche und Klima. Außerdem gibts keine
Probleme mit Mädels. Gleich am ersten Abend zogen wir
zusammen durchs Nachtleben von Camagüey. Kaum daß ich mich
versah hatte ich schon wieder ein Mädel (eine Weiße,
Bailarina) auf der Hacke, die mir seither nicht mehr von der
Seite wich. Irgendwie bin ich es nicht gewohnt, Mädels
abzuwimmeln, also blieb sie mir während der zwei Nächte in
Camagüey erhalten. Durch sie und durch Rolly lernte ich ein
paar nette Leute kennen und sah vieles, was man als normaler
Touri wohl nicht zu sehen bekommt: Privatwohnungen,
beispielsweise die ihres schwulen Chefs (sie ist Mitglied
einer Tanztruppe). In dem großzügigen Zimmer bei der
Tanzprobe mit einigen hübsche Mädels dabei sein zu können,
das hatte schon was. Natürlich besuchten wir auch die Casa
de la Trova, das Colonial und die Bar des Grandhotels um
einen grandiosen Mojito (1,80$) zu trinken. Nach zwei
Nächten wollte ich weiter in Richtung Santiago, der
Vermieter meiner Casa (Rolly) fragte, ob er mitfahren
könnte. Klar, warum denn nicht, dachte ich mir. Irgendwie
war mir nicht klar, daß Übernachtungen, Mahlzeiten und alles
andere dann mein Ding sind. Hat zwar ein paar Mark gekostet,
auf der anderen Seite hat mir Rolly auch ganz ordentlich
weitergeholfen. Für mich war´s zwar eine unerwartete
Mehrausgabe, im Nachhinein aber ok. Wir fuhren also los,
jedoch nicht in Richtung Santiago, sondern nach Moron, denn
nach einem Tip sollte es dort landschaftlich sehr
interessant sein. Wir kamen abends an und checkten zunächst
mal eine Casa, was sich als gar nicht so einfach
herausstellte: Moron liegt relativ nah an Cayo Coco,
regelmäßige Kontrollen durch die Polizei, alle Vermieter
sind super-ängstlich und mit Mädels geht absolut nichts.
Trotzdem mußten wir ja irgendwo schlafen und landeten in
einer super Casa für 20$ (Carmen Barroso López, Calle Patria
#10 % Sordo y Lugareno, Moron/C.de Avila, Tel. 3668). Das
Nachtleben spielt sich in einer nahegelegenen Disco ab, eine
künstlich angelegte Höhle. Eine Buddel Ron, ein paar Dosen
Cola und es ging wirklich ab. Es kam, wie es kommen mußte –
ich verguckte mich in eine sehr zierliche Blanca mit einem
winzigen China-Touch. Ada sollte mich bis zum Schluß meines
Urlaubs begleiten. Nun gab es ja das Problem mit der Casa.
Zum Glück fanden sich Bekannte von Ada, die uns gemeinsame
Nächte ermöglichten. Auf die Art lernte ich auch mal die
ganz normale Behausung eines Durchschnittscubaners kennen:
Kein fließendes Wassen, nur ein Faß in der Ecke und ein
Gefäß zum Schöpfen. Zentraler Bestandteil des "Appartements"
ist das Bett und ein Schaukelstuhl, ein Tisch ist auch da
mit 4 Stühlen, allerdings sind nur zwei davon benutzbar, die
anderen beiden sind Atrappen, was ich beim Draufsetzen
schmerzlich mitbekommen habe. Natürlich gibt es auch eine
"Küchenzeile" mit Waschbecken und "Herd", ein einfacher
Petroleumbrenner, den ich schon öfters gesehen hatte. Das
Ganze war ein ziemlicher Kontrast zu den Casa Particulares,
die ich bisher gesehen hatte. Wer Casas vermieten kann,
gehört absolut schon zu der Schicht der wenigen Reichen in
Cuba. Und den Leuten geht es richtig gut, hat man den
Eindruck. Wie auch immer, der Aufenthalt in Moron war in
jeder Hinsicht interessant, meine Casa sah ich nur am Tag
zum Duschen, Gepäck aufbewahren und frühstücken.
Landschaftlich ist die Gegend wirklich schön, es gibt einen
großen Süßwassersee dort und es wird für 12$ (nicht pro
Nase, pro Boot) eine sehr heftige Fahrt über den See mit
anschließender Schleichfahrt durch absolut malerische, von
Mangroven gesäumten Kanälen angeboten. Nicht weit vom See
ist eine Krokodilfarm mit schätzungsweise 200 Krokodilen.
Für 3 Dollar kann man die lieben Tierchen mit Fischen
füttern – an einer Angel natürlich. Man glaubt nicht, wie
schnell die Teile sein können, besonders im Wasser. Nach
zwei Tagen wollte ich weg aus Moron, natürlich war noch ein
Besuch bei Ada´s Eltern angesagt, der Papa ist wohl ein
Aufseher bei den Campesinos. Ada mußte noch eine Freundin
bitten, für sie bei der Arbeit einzuspringen, dann konnte es
losgehen – Richtung Cienfuegos. Halt, vorher noch tanken,
Rolly meinte, das geht auch billiger. Er verschwand mit 20$
und kam mit vollem Tank wieder. Allerdings bescherte uns
dieser Sprit erstmal einen Motorstillstand – scheiß Stoff.
Einmal Vergaser komplett reinigen und "schon" konnte es
losgehen.Wie fast alle anderen Fahrten war auch diese Fahrt
wieder bei Nacht. Kurz vor Cienfuegos erwischte es mich:
Zwischen zwei Fahrspuren war ein Begrenzungsstreifen,
bestehend aus einer Reihe von "Markierungen", jede fast so
groß wie ein halber Fußball und – aus Beton! Irgendwie hab
ichs nicht rechtzeitig gemerkt und war plötzlich mit dem
Auto mitten über dieser Reihe von "Häufchen". Instinktiv zog
ich das Auto nach rechts...das hätte ich besser nicht tun
sollen: Vorne links platt, die Felge total ruiniert. Ich
dachte, das Auto sei auseinandergefallen. Das Ganze war
nicht etwa mitten in der Stadt, sondern an einer der
Ausfallstraßen – geregnet hats auch noch. Also gut – erstmal
das Reserverad und den Wagenheber rausgeholt, Auto
aufgebockt. Radmuttern lösen, jedenfalls 3 davon. Die 4. war
durch so einen Sicherheitsbolzen gesichert, den man nur mit
der passenden Spezialnuss öffnen konnte. Na toll. Ok,
Spezialnuss ausfindig gemacht, war im Handschuhfach.
Allerdings passte der normale Radmutternschlüssel nicht auf
diese Nuss, da sie größer war. So-und jetzt? Ein Radfahrer
kam vorbei, fragte, was los ist. Rolly erklärte ihm was los
ist und setzte sich hinten aufs Fahrrad, um schon nach 20min
mit einem Auto im Schlepptau wiederzukommen: Halleluja, der
ersehnte Schlüssel. Das Rad gewechselt, 3 $ abgedrückt, rein
nach Cienfuegos und Casa gesucht. Super Casa gefunden für
20$ (Nilda y Pedro, Ave. 56 No. 5707e/57 y 59, Cienfuegos,
Tel. 053432 7854) Pedro ist ein wirklich Netter, arbeitet
für ein Fremdenverkehrsunternehmen in Portugal. Die Casa
gehört einer Senora, die derzeit auf ihrer Finca in Ibiza
weilt. Auch gut. Jedenfalls gab es keine Probleme mit Ada,
auch das Restliche ist absolut ok. Cienfuegos ist wirklich
anders als die anderen Städte, die ich bisher gesehen hatte.
Absolut sauber, es gibt sogar Papierkörbe in der großzügig
angelegten Innenstadt. Und dann die Gebäude! Leider konnten
wir uns nur den Palacio del Valle näher ansehen.
Fantastisch, märchenhaft. Ganz sicher werde ich bei meinen
nächsten Urlaub in Kuba Cienfuegos einige Tage widmen. Am
Tag zwei in Cienfuegos stand ein Tagesausflug nach Trinidad
auf dem Programm – es hätte sich nicht gelohnt, die Casa zu
wechseln, also lieber hin und zurück – natürlich wieder in
der Nacht. Hatte ich schon erwähnt, daß die Tankanzeige bei
meinem Autochen kaputt war? Naja, nach dem
Tageskilometerzähler läßt sich ja auch fahren.. dachte ich
zumindest. 10 km vor Trinidad geht uns der Sprit aus, die
bergige Strecke hatte einen höheren Spritverbrauch zur
Folge. Wieder mal mutterseelenallein nachts auf der Piste.
Wir hatten Glück, ein Pkw hielt. Rolly unterhielt sich mit
dem Fahrer, der stieg auch aus und kramte im Kofferraum.
Rolly machte mir klar, daß der Beifahrer der Chef
irgendeiner Empresa ist und daß die 3 vereinbarten Dollars
für den Fahrer versteckt den Besitzer wechseln mußten.
Während er aus einem abgerissenen Bowdenzug ein
Abschleppseil bastelte, steckte ich ihm die Kohle zu. Aha,
wieder was gelernt. Der Zug war ein bissel kurz,
Schleppabstand ein knapper Meter. Trotzdem fuhren wir
zunächst 50, dann 60-70 km/h. Der Junge hatte absolut keine
Angst um das Heck seines Autos, aber ich schwitzte Blut und
Wasser. Nach einer großen Bodenwelle machte das Seil
schlapp. Kein Problem, einfach wieder zusammentüdeln, dann
gehts wieder weiter, allerdings mit noch geringerem Abstand.
Was soll ich sagen- wider Erwarten erreichten wir ohne
weiteren Zwischenfall die Tanke in Trinidad, Tank wieder
voll, ich mit den Nerven etwas runter. Auto geparkt (1$),
dann Besichtigung Trinidad bei Nacht. Na gut, die Straßen
sind gepflastert und es stehen lauter Kanonen herum, aber
allzu bemerkenswert fand ich´s nicht. Lag wahrscheinlich
daran, daß es Nacht war. Bei Trinidad gibt es eine
Diskothek, die in einer natürlichen Höhle ist. Da wollten
wir eigentlich rein, aber der Andrang war brutal. Etwa 100
Leute vor dem Eingang und nichts ging weiter. Nach einer
Stunde haben wir dann aufgegeben und sind wieder nach
Cienfuegos unterwegs. Plötzlich ein Schrei vom Rücksitz:
Eine nachtgraue Kuh stand mit dem Kopf in unsere Richtung
unbeweglich auf der Straße und ich fahre mit 80 km/h auf sie
zu. Im letzten Moment kann ich noch ausweichen, aber es
fehlten nur Zentimeter, zum Glück gab es keinen
Straßengraben sondern einen ordentlichen Seitenstreifen mit
Kies. In Cienfuegos erstmal am Kai eine Buddel Ron
verhaftet, dann zurück in die Casa. Nach einem opulenten
Frühstück (Pedro hat der Henne im Garten das Frühstücksei
unterm Hintern weggeklaut) ging´s wieder nach Camagüey. Ada
wollte auch mit dorthin und nicht nach Moron. Rollys Casa
(das er uns eigentlich kostenfrei zur Verfüfügung stellen
wollte) war leider besetzt, also mußten wir ausweichen.
Diese Nacht hab ich nicht besonders viel geschlafen, hab Ada
noch meine Reiseapotheke erklärt (sie ist Krankenschwester
und kann mit dem Zeugs hoffentlich umgehen). Ada hat mir
einiges zu der Arzneimittelsituation in Kuba erzählt:
Ziemlich schlimm, das Ganze. In den internationalen Kliniken
gibt es fast alles – für die Touristen. Der Kubaner kriegt
nichtmal gegen harte Dollars ein Antibiotikum oder ein
Schmerzmittel. Für sie war die Kiste ein Schatz. Aufstehen
um 6:00Uhr, ein kleiner Kaffee, Abschied von Ada, um 7:00Uhr
auf die Piste nach Santa Lucia, der Transferbus sollte
pünktlich um 11:30Uhr nach Ciego abfahren. Die Fahrt ging
glatt, den kaputten Reifen hatte ich zwischenzeitlich an
einer Tanke reparieren lassen (unglaublich, was die Jungs
nur mit einem Hammer alles hinbekommen). In St. Lucia dann
noch schnell die Reifen gewechselt, damit der Typ von der
Autovermietung nicht auf die Idee kommt, ich hätte unterwegs
ein Problem gehabt... Es ging auch alles glatt, keine
Nachzahlung bei der Rückgabe des Autos. Rein in den Club,
packen, noch einen schnellen Schwatz mit Renaldo. Irgendwie
kann ich nicht glauben, daß ich volle 14 Tage in diesem Zoo
verplempert habe. Naja, das nächste mal wird alles ganz
anders...