Hallo,
nachdem ich nun schon einige male auf Eurer Seite war und bisher nur konsumiert hatte, möchte auch ich meinen Beitrag leisten und von meiner ersten Kuba Reise berichten. Ich hoffe der Bericht macht einige neugierig, die noch nicht in Kuba waren und sich hier einmal informieren wollen.
 
Also wie ging es los?
Ich hatte vor meiner Reise eigentlich nur sehr wenig über Kuba gewusst. Klar, hin und wieder hört man etwas in den Medien, oder Bekannte erwähnen nebenbei, dass sie in Kuba waren. Ich hatte im September und Oktober eine sehr anstregende Zeit in meiner Arbeit und musste einfach wieder einmal Urlaub machen. Also nahm ich mir drei Wochen frei und am letzten Arbeitstag begann ich zu überlegen was ich wohl mit meiner Zeit nun anfangen könnte. Ich stöberte im Internet nach Last-Minute-Reisen, überlagte DomRep, spanische Insel, Südamerika, Nordamerika und da entdeckte ich eine Seite über Kuba. Ping, na klar, ich fahre nach Kuba. Gleich am nächsten Tag hatte ich meine Reise gebucht (über last-minute.de) und zwei Tage später ging es los. Vor meiner Abreise kaufte ich mir noch einen Reiseführer und durchwühlte das Internet nach Reiseberichten und Foren. Danach war ich bestens gerüstet, ich wusste wieviel ein Mietwagen kosten würde, was mich bzgl. Chicas und Abzocke erwarten würde.
 
Neben dem Flug hatte ich mir ein Hotelzimmer in Varadero gebucht. Ich plante mir zwar einen Mietwagen zu nehmen um das Land bereisen zu könnnen, wollte aber einen festen Stützpunkt haben, falls ich einfach mal faul sein wollte oder sonst etwas passiert (für das erste Mal in Kuba ist diese Idee vielleicht gar nicht so schlecht, ich muss aber auch dazu sagen, dass ich ein eher vorsichtiger Mensch bin).
 
Ein Problem mit dem ich fest gerechnet hatte, war mein Spanisch. Ich wusste aus Empfehlungen in diversen Foren, dass es auf jeden Fall angebracht sein würde zumindest ein bisschen Spanisch zu können. Nun, ich hatte schon einmal versucht Spanisch zu lernen, viel mehr als die Zahlen und "Wieviel kostet das?" war nicht übriggeblieben. Also bewaffnete ich mich mit einem Wörterbuch und einem Spanisch-Lern-Buch. Das war dann auch mein Zeitvertreib während des langen Fluges (10 Stunden).
 
Nachdem ich in Varadero angekommen war, mietete ich mir am Flughafen gleich ein Auto. Ich wollte auch nicht mit den Touristenhorden gemeinsam im Bus fahren. Ich hasse nichts mehr als Pauschaltouristen, obwohl ich ja jetzt selbst auch einer war, wenn auch mit etwas anderen Plänen als die fettgefressenen Familienväter und frustrierten Hausfrauen mit ihren verzogenen Bengeln. Der Typ in der Autovermietung konnte zum Glück Englisch, ich wurde aber sofort abgezockt. Wir vereinbarten den Preis, dann kurz vor Abschluss des Vertrages schaute der Autovermieter nocheinmal in irgendwelchen Tabellen nach und sagte mir, er könne mir auch einen günstigeren Preis machen. Dann wäre halt ein kleines Trinkgeld von ich weiss nicht mehr wiviel Dollar für ihn fällig. Ich willigte ein, gab ihm das Trinkgeld und so hatte er ein Auto zum normalen Preis vermietet und war um ein paar Dollar reicher geworden. Mir kam es erst nachdem ich im Auto saß.
 
Ich war extrem guter Launer - "Kuba ich komme" - und hatte auch recht schnell das Hotel gefunden. Dort gab man mir gleich einmal ein Zimmer das schon belegt war. Danach ein Zimmer dessen Fenster direkt zum dem sehr romantischen und sehr lauten Stromgenerator des Gebäudes blickte. Naja, zum Glück bekam ich am nächsten Tag ein Zimmer mit Blick auf das Meer.
 
Das erste was ich machte, war schwimmen zu gehen. Herrlich endlich wieder das Meer. Ich liebe das Meer. Am nächsten Morgen musste ich gleich feststellen das sich in meinem Hotel wirklich das miseste Pack von Touristen versammelt hatte. Um 7 Uhr standen sie auf um sich gleich einen Liegestuhl zu reservieren, wenn man den Leuten am Nebentisch zuhörte, dann nörgelten sie nur über irgendwelche Kleinigkeiten, lästerten über die Hängetitten der anderen Gäste, prahlten wie es ihnen gelingen würde den Taxifahrern und Händlern möglichst wenig für ihre Leistungen zahlen zu müssen. Nun stand es für mich fest: ich musste so schnell wie möglich weg von hier und mit der Bevölkerung in Kontakt treten.
 
OK, ich beschloss also zuerst einmal nach Havanna zu fahren. Am Vortag erkundete ich noch ein bisschen die Nachbarstädte von Varadero und bekam bestätigt, was ich schhon aus dem Internet erfahren hatte, dass es nämlich extrem viele Autoanhalter in Kuba gibt. Ich nahm immer jemanden mit (man neigt natürlich dazu hübsche Mädchen mitzunehmen von denen es in Kuba wirklich so viele gibt, dass man es sich gar nicht vorstellen kann). Es ist wie im Paradies.
Also am zweiten Tag packte ich ein paar Sachen zusammen und machte mich auf dem Weg nach Havanna. Nach ein paar Kilometern hielt ich noch an einer Tankstelle. Plötzlich kamen drei Chicas auf mich zu und fragten mich (ich verstand es gerade mal so), ob ich sie nach Mantanzas mitnehmen könnte. Es war eine Mulattin und zwei mittel dunkle Mädchen (bei uns würden sie auf jeden Fall noch als Schwarze gelten). Claro. Eine von den dreien konnte Englisch, sie fragten mich, wo ich hin wollte, seit wann ich schon in Kuba war, wollten einfach alles von mir wissen. So etwas schmeichelt natürlich. Ich erzählte Ihnen ,dass ich nach Havanna fahren wolle und zwei Tage später dann in Richtung Osten. Die drei waren begeistert, sie erzählten mir, dass sie aus Santiago de Cuba seien, dort eine Touristikschule besucht hatten und nun in Varadero nach Arbeit suchten. Sie fragten mich ob ich sie nach Santiago de Cuba mitnehmen könnte. "Das wird eine lustige Reise" dachte ich mir und willigte ein. Die drei waren von meiner Entschlussfreude sehr überrascht. Eine fragte mich gleich, ob ich auch mit ihr ins Bett gehen würde. Ich sagte einfach zu allem ja. Naja, ich konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, dass ich mit Mariah, Carmen und Ines meinen ganzen restlichen Urlaub verbringen würde.
 
Ich fuhr die drei zu Ihrer Wohnung in Mantanzas, wo sie mit dem Großvater des einen Mädchens lebten. Es war in einer grossen Wohnsiedlung, die ich gerne beschreiben würde, es aber nicht kann. Wer von euch schon in Kuba war, weiss wie die Menschen dort leben, man muss das einfach gesehen haben. Die Mädchen gaben mir ihre Adresse und wir machten aus, dass ich sie zwei Tage später abholen würde, wenn ich von Havanna zurückkommen würde. Sie waren jetzt sehr misstrauisch, fragten zehn mal nach, ob ich wirklich kommen würde, und mahnten mich, dass sie mir vertrauen würden. Ich sagte ihnen, sie können mir ruhig vertrauen, da auch ich ihnen vertrauen würde. Sie wollten dann gleich, dass ich mit in die Wohnung komme, ich verneinte aber da ich nun wirklich nach Havanna wollte.
 
Ich fuhr los und machte mir Gedanken über die drei. So in Gedanken versunken, durch die engen, überfüllten, von riesigen Schlaglöchern zersetzten Straßen von Mantanzas kreuzend, übersah ich gleich einmal ein Stoppschild, hörte einen lauten Aufschrei, einen festen Knall und wrumms flog ein Fahrradfahrer über mein Auto hinweg. Ich war total geschockt, "auch dass noch" dachte ich mir, hielt das Auto am Strassenrand an und stieg aus. Sofort waren dutzende Leute um uns versammelt gaben Ihre Kommentare ab, riefen mir zu. Ich rannte zu dem Fahhradfahrer um nachzusehen ob ihm etwas passiert sei. Er stand total benommen da, alle Leute redeten auf ihn ein. Da fagt mich ein Mann "du deutsch?". Uff, jemand der ein bisschen Deutsch konnte. Ich bat ihn sofort, den Fahrradfahrer zu fragen, ob er sich verletzt hatte. Er redete auf den Fahrradfahrer ein, alle Leute rundherum gaben ihren Senf dazu. Schließlich schien alles ok zu sein. Ich meine in Deutschland hätte das Unfallopfer sofort die Polizei und Rettung angerufen und Dir eine Klage an den Hals gehängt. Der Kubaner stieg einfach wieder auf sein Rad und fuhr - sichtlich angeschlagen - wieder weg.
 
Ok, das war überstanden. Der "du deutsch?", er hiess Enrice, bat mich noch ein Stückchen mitzunehmen. Mir war bewusst, dass er sich an mich anhängen wollte. Ich erzählte ihm, dass ich nach Havanna fahren wolle und dachte dabei schon daran ihn als Fremdenführer anzuheuern. So kam es dann auch. In Havanna hängten sich dann noch zwei Typen an uns. Sie waren unverschämt, wollten sich dauernd einladen lassen, drehten mir überteuerte Zigarren an. Immerhin war der Abend ganz nett, da wir in der Casa de la Musica ein Life-Konzert besuchten. Unglaublich - diese Salsa tanzenden Chicas. Wow.
 
Spät am Abend war ich dann echt sauer auf die Typen mit denen ich unterwegs war und wurde sie los. Ich mietete mir ein Zimmer in einer Casa (sehr nette Frau) und ging in der Nacht noch ein bisschen spazieren. Alle vier Meter redete mich ein anderer Typ an. Nun da ich ja schon meine erste Lektion gelernt hatte wimmelte ich alle ab. Alle bis auf eine unglaublich schöne Chica, die mir anbot mit ihr in ihre Casa zu kommen. Ich sagte ihr mit meinen drei Spanischvokabeln, dass sie in meine Casa kommen solle. Wer einmal so eine Chica in den Armen gehabt hat, für den ist jede deutsche Frau nur noch ein weiches, schwammiges und unförmiges Etwas. Ich habe noch nie in meinem Leben einen so festen, muskulösen, schönen und gut riechenden Körper in meinen Armen gehabt. Die Nacht war angesichts dessen, dass wir uns kaum verständigen konnten sehr schön.
 
Ein Hinweis zu Chicas und Casas: Die Chica muss einen Ausweis haben und mindestens 18 Jahre alt sein. In den meisten Casas kann man nur eine Chica pro Nacht mitnehmen. Das gilt aber nur für offensichtliche One-Night-Stands. Wie ihr später erfahren werdet, ist alles kein Problem, wenn es offensichtlich ist, dass man ein anderes Verhältnis zu einer Frau hat als das eines Sextouristen zu einer Chica die es für Geld macht. Hier auch eine Bitte an Euch: Begegnet den Menschen dort mit Offenheit und Respekt. Kubaner sind die nettesten Menschen, die man sich vorstellen kann. Sie sind aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation einfach gezwungen ein bisschen zu flunkern, wenn sie an Geld kommen wollen. Ich habe es aber nie, wirklich nie erlebt, dass jemand ungut oder brutal gewesen wäre. Viva Cuba!
 
Am nächsten Tag schlenderte ich noch ein bisschen durch Havanna und machte mich dann auf den Rückweg nach Varadero. Ich übernachtete in der Touristenburg (Varadero ist tot!) und fuhr am nächsten Tag zu Mariah, Carmen und Ines. Als ich zum Haus ging, stand Mariah gerade am Balkon und als sie mich erblickte stand in ihrem zuvor ernsten Gesicht plötzlich eine so große Freude geschrieben. "Ay" rief sie aus (schon allein um dieses "ay" einmal im Leben gehört zu haben, lohnt sich eine Reise nach Kuba). Ich stieg das Treppenhaus hoch, die Mädchen fielen mir um den Hals und sagten mir, dass sie nicht damit gerechnet hatten, mich wiederzusehen. "Vamos a Santiago?" fragte Mariah. "si", "AYYYYYYYY". Die drei waren so aufgeregt, packten schnell ihre Sachen und entschuldigten sich, dass sie nicht besassen. Ihre Wohnung war fast vollständig leer. Im "Wohnzimmer" stand ein einzelner Stuhl aus Draht. Der Großvater stand verloren im Zimmer und lachte mich vorsichtig an. Ich bot ihm eine Zigarrette an, wir rauchten am Balkon und sahen auf die Straße hinab, während die Mädchen packten. Wir verabschiedeten uns vom Großvater, alle drei Mädchen vielen ihm um den Hals und küssten ihn, Carmen steckte ihm Geld zu. Er wollte es ablehnen, aber Carmen sagte ihm, soweit ich aus Ihrer Gestik ablesen konnte, dass sie nun mich hätten und deswegen kein Geld bräuchten.
 
Jedes der Mädchen hatte dreimal so viel Gepäck wie ich dabei. Sie waren perfekt hergerichtet, hatten wunderschöne Kleider an. Wie ich später erfuhr, war fast alle Kleidung, die sie besassen (ausser Jeans), selbst genäht. Mariah stellte sofort ihre mitgebrachte Madonna auf das Amaturenbrett. Im Auto dann gute Stimmung. Wir hielten zwischendurch an, um zu essen. Ich lud sie in ein Restaurant ein. Ines und Carmen zögerten die Einladung anzunehmen, Mariah aber nahm sie sofort an. Auf die Reise nahmen wir noch Bier und Cola mit.
 
Spät in der Nacht kamen wir in Santiago de Cuba an. Wir brachten Carmen und Ines zu ihren Eltern. Die wussten noch nichts von deren Besuch und die Wiedersehensfreude war groß als plötzlich um drei in der Früh ihre Töchter an die Tür klopften. Mariah und ich fuhren in deren Casa, die auch wirklich ihr selbst gehörte, wie sie mir sagte. Ihre Eltern waren geschieden und so wohnte ihr Vater in ihrer Wohnung. Mariah hatte ihrem Vater telefonisch Bescheid gesagt, dass wir kommen würden (eine Nachbarin besass ein Telefon) und aus diesem Grund schlief er auf einer Matte am Boden, damit ich als Gast das einzige Bett des Hauses für mich hatte. Mariah schlief in einem Klappbett im selben Zimmer wie der Vater. Zwischen den Zimmern gab es keine Türen. Ich hatte das Bett für mich alleine. Vor dem Schlafengehen duschte ich noch. Man muss sich unter Dusche allerdings etwas anderes vorstellen als das was wir gewohnt sind oder was auch Touristen von casas particulares gewohnt sind. Das Bad war ein Raum mit einer Toilette und einem Abfluss. Es kam kein Wasser aus der Wasserleitung, die Klospülung war ein Eimer und das Wasser zum Duschen holte man sich aus einer großen Wassertonne, die in der Küche stand. Ich habe niemals verstanden wie das Wasser in die Tonne kam. An der Wand klebten Amphibien (so etwas ähnliches wie Eidechsen). Ab und zu huschte eine Kakerlake über den Boden. Durch das Fenster - es gibt so gut wie keine Fensterscheiben in Kuba - hörte man Hühner gackern und Schweine grunzen. Nebenbei, Schweine werden überall auch in Großstädten und Hochhäusern gehalten. Manchmal sieht man Leute mit ihrer Sau an der Leine spazieren gehen.
 
Am nächsten Tag holten wir Ines und Carmen von ihren Familien ab. Carmen lebte mit eher entfernter Verwandtschaft zusammen. Im inneren des Hauses war es sehr dunkel, in der Küche hielten sich immer (ich war in der Folge noch des öfteren dort) zumindest 6-10 Personen auf. Auf dem Holzofen köchelte immer irgendein Essen. Alle vielen uns um den Hals, küssten uns. Es wurde viel gelacht, Geschichten wurden erzählt. Ich sass immer da und versuchte ein bisschen von dem zu verstehen, was geredet wurde. Alle freuten sich mich zu kennenzulernen. Sie musterten mich freundlich, sprachen mich an, betasteten mich. Am meisten habe ich mich in Carmens Oma verliebt (sie war nicht wirklich ihre Oma, wurde aber so genannt). Sie war sicherlich schon 80 Jahre alt, stand ständig vor dem Spiegel um ihre turbanartige Kopfbedeckung zurechtzurücken und lachte und redete die ganze Zeit.
Iness Mutter lebte mit Iness Schwester in einer Wohnung. Im Hinterhof (ca. 4 Qudratmeter groß) hielten sie einen bissigen Kampfhund und ein Schwein, das sie zu Weihnachten schlachten wollten. Es gab einen Kassettenrekorder, an der Wand hing ein Werbeplakat von BMW. Jede Casa hat so etwas wie einen Vorraum, der oft auch Wohnzimmer ist. Dort werden Gäste hingesetzt, dort wurde geschwatzt und Kaffee getrunken. Einmal hatte uns Iness 13 jährige Schwester demonstriert wie sie schon tanzen könne. Es war mir fast unangenehm zuzusehen, so aufreizend und sexy tanzte dieses dreizehnjährige Mädchen, die Mutter in Lockenwicklern lachte und klatschte dazu, mahnte sie aber auch, sich vor mir nicht so zu gebärden.
 
Wir verbrachten einige Tage in Santiago. Ich kaufte für uns Essen im Supermarkt ein, Mariah kochte, wusch meine Wäsche und versorgte ihren Vater über das von mir Eingekaufte mit Bier und Essen. Der Vater baute am Haus gerade ein neues Zimmer an. Mariah nutzte die Gelegenheit mit mir und meinem Mietauto allerlei Sachen zwischen verschiedenen Orten hin- und herzutransportieren. Einmal einen Sack Zement für den Vater, einmal einen Sack Kaffeebohnen, dann wieder Kleider oder Papier. Mir war vollkommen unklar woher die Sachen immer kamen, wer sie bezahlt hatte und wem sie eigentlich gehörten. Mariah war einfach oft damit beschäftigt ihr Leben zu organisieren und Güter von A nach B zu bringen. Durch meine Anwesenheit war das Leben der Mädchen plötzlich wie Weihnachten "todo dorado, todo dorado, todo durado". Sie hatte immer reichlich und gut zu essen. Für alle die es nicht wissen: Lebensmittel sind in Kuba rationiert. Es gibt Lebensmittelkarten mit denen man Lebensmittel einkaufen kann. Das Essen, dass man dafür bekommt reicht bei Weitem nicht um satt zu werden. Viele Dinge kann man nur für Dollar kaufen (Supermärkte nehmen nur Dollar). Diese Waren (Öl, Kekse, Nudeln, Fleisch, ...) sind für normale Leute unerschwinglich, sie können wenn, dann nur ganz selten gekauft werden. Unverarbeitete Agrarprodukte (Bananen, Kochbananen, Kartoffel, Reis, Bohnen) und Zucker scheinen irgendwo anders und billger gekauft zu werden. Ich habe aber nie entdeckt wo man diese Dinge bekommt. Arbeitslose - wie es Ines, Carmen und Mariah sind - bekommen Lebensmittelmarken, medizinische Versorgung und eine Wohnung vom Staat. Sie bekommen kein Geld. Die Straßen in Cuba sind immer voll mit Leuten aller Alterstufen und beiden Geschlechts. Daraus habe ich geschlossen, dass es sehr viele Arbeitslose gibt, die sich eben irgendwie durchs Leben schlagen. Die Klugen und geschickten versuchen eben an das Geld von Touristen heranzukommen. Dazu gehören natürlich Chicas, aber auch gut gebaute Cubaner, die von deutschen oder englischen Touristinnen ausgehalten werden.
 
In der zweiten Nacht in Santiago wollte ich Mariah dazu bringen mit mir im Bett zu schlafen. Sie machte mir klar, dass das nicht möglich sei, da der Vater im Nachbarzimmer schlafe. Ich versuchte ihr zu verstehen zu geben, dass wir ja nicht miteinander schlafen müssten, sondern einander nur in den Armen halten könnten. Sie kam nur kurz an mein Bett und küsste mich und ging dann. Sie wollte anscheinend einfach nicht aus Anstand ihrem Vater gegenüber oder sie wollte dass ich den Eindruck bekäme, dass sie ein anständiges Mädchen sei. Ich weiss es bis heute nicht und die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen. In der dritten Nacht schließlich schliefen wir miteinander. Es war wunderschön. Um vier Uhr morgens ging sie dann aber wieder in ihr Klappbett, des Anstands halber. Ich beobachtete Mariah sehr gerne wenn sie kochte, ich wollte ihr bei der Hausarbeit helfen, sie ließ das aber nie zu.
 
Eines Tages schließlich fuhren wir weg, um Carmens Eltern zu besuchen. Wir fuhren von Santiago ca. zwei Stunden auf den schrecklichsten Straßen, die ich jemals in Kuba zu sehen bekommen hatte. Es gab dort kaum mehr Autos, nur einige LKWs, die als Busse fungierten. (Ein häufiges öffentliches Verkehrsmittel sind in ganz Kuba (Havanna ausgenommen) übrigens auch Pferdekutschen) Irgendwann war die Straße zu Ende, wir stellten das Auto bei einem Bauern in den Garten und gingen zu Fuß weiter. Wir stiegen einen Pfad durch einen dichten Wald auf einen Hügel hinauf und kamen schließlich auf eine kleine Lichtung. Es standen dort zwei ganz primitive Holzhütten. Carmen lief voran und fiel ihren Eltern um den Hals. Die Freude war groß. Mariah ging zuerst zum Hausaltar und bekreuzigte sich, erst dann begrüsste sie die Leute. Es kreuzte kurz ein Junge auf, offensichtlich Carmens Bruder. Der Vater zeigte mir seine Kaffeesträucher und seine größte Sau, die er im Stall hatte. Die vielen Hühner und die zwei Hunde liefen aufgeregt herum. Anscheinend fühlte das Hühnervieh, dass dies ein Festtag war an dem einer von Ihnen im Kochtopf landen würde und die Hunde freuten sich wohl jetzt schon auf die abgenagten Kochen und Knorpel, die dann für sie abfallen würden. Wir aßen das frisch geschlachtete Huhn mit Reis und Bohnen, tranken eine Falsche Wein, die ich eigentlich für Mariah gekauft hatte, die nun aber plötzlich wie aus dem Nichts als Geschenk für Carmens Eltern auftauchte. Der Vater brachte mir ein Würfelspiel bei, das wir dann gemeinsam mit selbst geschnitzten Würfeln spielten, wir tranken Wasser mit Eis und ich sah mich schon todkrank im Bett liegen.
 
Carmens Mutter brachte zwei Modemagazine, die mit Klebestreifen geflickt waren. Die Mädchen erfreuten sich an Brad Pitt und anderen schönen Männern, studierten die Mode und Kosmetika, die in den Zeitschriften beworben wurden. Ines sagte mir, dass sich Carmens Mutter vor mir schämte, da sie so arm seien. Ich küsste die Mutter als wir uns verabschiedeten und sie bedankte sich bei mir. Wofür? Dafür, dass ich ihnen zu verstehen gab, dass ich sie mochte und nicht angewidert war von ihrer Armut.
 
Langsam aber sicher fühlte ich mich bei den Mädchen so geborgen, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Ja, das ist Cuba, das ist die Liebe, das Leben. Ich hatte mich verliebt, in das Land, in die Menschen, in die Mädchen und vor allem in Mariah.
 
In den folgenden Tagen fuhren wir noch nach Cienfuegos, wo ich die Mädchen neu einkleidete. Wir kauften Schuhe, Jeans, neue Unterwäsche, BH-Träger und eine Uhr für Mariah. Die Mädchen schenkten mir einen Aschenbecher, auf dessen Unterseite sie schrieben "als Erinnerung an Kuba, Carmen, Ines, Mariah". Abends saßen wir an der Hafenmauer und die Mädchen träumten davon einmal nach Deutschland zu fahren. Carmen, die oft von den anderen beiden gehänselt wurde, weil sie ganz dunkle Hautfarbe hat, fragte mich, ob sie Angst haben müsste in Deutschland, ihrer Hautfarbe wegen. Ich sagte ihr, dass sie in München, wo ich woohne, keine Angst haben müsse, erklärte ihnen aber auch, dass Deutsche nicht unterschieden, wie dunkel Schwarze seien. Die Deutschen würden Ines und Mariah genauso als Schwarze ansehen wie Carmen. Ich sagte ihnen, dass die deutschen Männer an Ihnen großes Interesse zeigen würden. Ihre Augen leucheteten. Mariah und ich untersuchten einander oft, was unterschiedlich an uns war. Welche Farbe die Handflächen haben, ob sich unsere Haut unterschiedlich anfühlte und wie wir rochen. Mariah bewunderte meine Haare weil sie so glatt sind. Einmal als wir bei einem Maler waren um ein Bild zu kaufen, lief dort ein kleines Mädchen herum das ganz glatte Haare hatte. Mariah lief ihr die ganz Zeit nach, drückte, streichelte und küsste sie und sagte, sie wolle ein Kind mit solchen Haaren haben.
Die Mädchen wollten dass ich Ihnen erzählte wie es in Deutschland sei und ich sang ihnen Lieder vor. Wir lachten, waren melancholisch und träumtem von einer anderen Welt. Einmal fragte ich die drei, ob sie sich vorstellen könnten nach Deutschland auszuwandern. "Niemals, Kuba ist das schönste Land auf Erden".
 
In Cienfuegos übernachteten wir in einer Casa Particular in der wir zwei Zimmer mieteten. Es war überhaupt kein Problem für mich mit drei Cubanerinnen dort zu übernachten. Für die Vermieterin war offensichtlich, dass wir Freunde waren. Sie beklagte sich aber über die Italiener, die immer zwei Chicas mit aufs Zimmer nehmen wollten. Sie sagte zu den Mädchen, dass ich ein Guter sei.
 
Wenn man mit chicas unterwegs ist, wird man oft von der Polizei angehalten, die dann die Ausweise der Chicas kontrollieren (niemals wurde mein Ausweis kontrolliert). Nach ein paar Minuten ist das jeweils überstanden, man kann dann unbehelligt weiter, so weit nichts vorliegt. Inwiefern die Mädchen in der Folge mit Nachteilen oder Repressalien rechnen müssen weiß ich nicht.
 
Die letzten zwei Tage meines Urlaubs verbrachten wir in Mantanzas. Ich wollte, dass Mariah einen Tag in meinem Hotel übernachten kann. Ich hatte einige Gespräche mit den Angestellten des Hotels bis hiauf zur Hotelmanagerin, um sie zu überreden, dass Mariah eine Nacht dort verbringen könnte. Nach langen Verhandlungen wäre es dann auch möglich gewesen. Ich fragte Mariah, ob sie das wolle, sagte ihr aber auch, dass das 60 Dollar für eine Nacht kosten würde und ich glaubte man könne das Geld wohl sinnvoller ausgeben. Mariah gab mir Recht und wir schliefen dann in der Wohnung der Mädchen. Ich schenkte Mariah meine Kondome, sie sagte wenn ich wiederkommen würde, würden noch alle da sein.
 
An meinem Abreisetag fuhren wir noch zu meinem Hotel um meine Sachen zu holen. Ich versuchte meine Tränen zu unterdrücken, konnte aber nicht. Mariah und ich weinten die ganze Fahrt über. Am Hotel angekommen sagte ich den Mädchen sie sollten mit ins Hotel kommen, während ich meine Sache holte. Sie zögerten, kamen dann mit, wagten es aber schließlich doch nicht in das Hotel hineinzugehen. Wir alle hatten Angst davor, dass der Aufpasser sie einfach nicht hineinlassen würde. Sie warteten im Auto, zuvor kaufte ich ihnen noch Zigarretten und Bier. Ich packte meine Sachen, genoss es endlich wieder in aller Ruhe auf die Toilette gehen zu können (nehmt Klopapier nach Kuba mit!!!!), duschte mich und fuhr dann mit den Mädchen auf den Flughafen. Ich hob noch Dollar ab, gab sie den Mädchen, damit sie die nächste Zeit essen kaufen konnten und Sprachkurse besuchen konnten. Wofür sie das Geld letzendlich ausgegeben haben weiss ich nicht. Wir aßen am Flughafen noch ein Sandwich, diesmal kauften die Mädchen kein extra Sandwich um es der Mutter, Schwester oder dem Vater mitzubringen.
 
Dann ging ich zur Passkontrolle. Ich machte den Abschied kurz, küsste alle drei und verschwand hinter der eletrischen Tür.
 
So jetzt saß ich wieder da mit den deutschen und österreichischen, sonnenverbrannten Touristen. Am Gate stand eine Kapelle aufgetackelt, lächelnd um den Urlaubern Kultur zu suggerieren. Im Flugzeug dann gleich wieder Hektik weil sich die Leute um die Sitzplätze stritten, herumwühlten, voneinander genervt waren.
 
Viva Cuba
 
Ich war insgesamt zehn Tage in Kuba. Es war die schönste Zeit meines Lebens. In ein paar Tagen fliege ich wieder hin. Mariah wird auf mich warten. Ich hatte ihr einen Brief geschrieben, sie solle mich anrufen, wenn sie wolle, dass ich zurückkomme. Sie rief mich an und sagte, dass sie mich liebe.
 
Ihr Leser werdet Euch jetzt sicher fragen, ob ich einfach auf eine Chica hereingefallen bin. Ja, das habe ich mich auch gefragt, aber Liebe bedeutet eben Hoffnung und Vertrauen. Ich bin schon oft von deutschen Frauen enttäuscht worden, schlimmer kann es auch in Kuba nicht sein. Die Zeit vor der Enttäuschung ist aber jedenfalls unvergleichlich schöner. Und vielleicht ist es ja doch Liebe.


 


Sie haben ebenfalls einen Reisebericht über Kuba geschrieben und möchten, dass dieser hier veröffentlich wird ? Dann posten Sie Ihren Reisebericht im Kubaforum dieser Seite und ich bringe Ihn dann direkt in die Sammlung mit ein.

Link: www.kubaforum.info


 

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