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Reisebericht von Mariposa Teil 2 2004 - Teil 1 ist leider verschollen (Achtung nichts für zarte Gemüter) Nach so langer Zeit
glaube ich mal wieder einen kleinen Zwischenbericht aus Havanna
schreiben zu koennen. Es ist nicht einfach seinen Lebensmittelpunkt von
heute auf morgen in ein fuer mich unbekanntes und solch kompliziertes
Land zu versetzen. Das Wichtigste bei solchen Veraenderungen scheint,
dass man sich ein kleines Zuhause schafft, so dass man eine Basis und
eine Rueckzugsmoeglichkeit hat. Uns ist es nach fast sechsmonatiger
Suche gelungen einen solchen Punkt zu finden, unsere eigene kleine
Wohnung. Die Suche wurde nicht nur durch zaehe Preisverhandlungen, die
Cubis glauben scheinbar wirklich wir drucken uns das Geld morgens zum
Fruehstueck, sondern auch durch die genaue Betrachtung der Umgebung des
Zufluchtsortes erschwert. Denn schliesslich sollte ein Umzug vom Chaos
nicht wieder im Chaos enden. Schlussendlich haben wir eine schoene,
helle, bezahlbare Wohnung in zivilisierter Umgebung, mit taeglicher
Wasser-, Strom-, und Gasversorgung, gefunden, trotzdem im Herzen von
Havanna. Hier wird in angenehmer Lautstaerke Musik gehoert, sich
unterhalten und gelebt. Komischerweise leben hier fast ausschliesslich
Weisse. So dass sich mir die Frage stellt, ob die Hautfarbe wirklich den
Anstand des Menschen bedingt. Auch hat man die meisten Probleme auf der
Strasse mit den „Negern“, bzw. der schwarzen Bevoelkerung. Ob es dafuer
eine genetisch oder evolutionaer bedingte Antwort gibt….ich weiss es
nicht und werde es wohl nie erfahren. Das Haus bildet eine wirkliche
Gemeinschaft und so wurde beispielsweise zum Jahresende zusammen der
Hausflur und das Treppenhaus neu gestrichen- mit drei Pinseln(!!!!)-
oder Geld zur Reinigung des Hausabflusses gesammelt. Hier wird scheinbar
die so geruehmte cubanische Solidaritaet wirklich gelebt. Sobald ein
Hausbewohner eine gute und guenstige Quelle fuer Dinge die manchmal in
Havanna gar nicht so einfach zu finden sind, wie diverse Lebensmittel (z.b.
Eier, Fisch, Huehnchen, oder auch einfach nur guenstiges Pesooel), auf
der Strasse entdeckt, geht die Information im Haus wie ein Lauffeuer
umher und kann bis hin zur Sammelbestellung fuehren. Selbst wir als „Auslaender“
werden in diesem Falle nicht ausser Acht gelassen. Danke an dieser
Stelle fuer den Respekt. Mit unseren direkten Nachbarn betreiben einen
fleissigen Austausch von Essen, so dass mir die Art und Weise der
Zubereitung cubanischer Kueche naeher gebracht wird und die Nachbarn
sich mittlerweile die Finger nach unserer deutschen Kueche lecken. … a lo cubano und immer
fuer eine kleine Lach- und Sachgeschichte glaenzt so mancher Cubaner
immer wieder mit seiner Intelligenz. Gestern wollten wir zwei Paeckchen
Popular kaufen, Kostenfaktor 2 x 60 cent = 1,20 CUC. Da der Kassierin
kein Taschenrechner zur Verfuegung stand, musste zuerst ein selbiger aus
dem angrenzenden Kiosk im Zeitlupentempo organisiert werden. Als dieser
sich als funktionsuntuechtig herausstellte, war sie vollkommenst
ueberfordert. Doch das wuerden sie ja nie zugeben und finden immer ihre
eigene Loesung. Sie rechnete uns auch nicht jedes Paeckchen einzeln ab,
sondern akzeptierte nach einer Viertelstunde den von uns genannten
richtigen Preis von 1,20 CUC durch die Mimik und Gestik, dass sie es
selbst im Kopf ausgerechnet haette. Ein anderer Mitarbeiter, es war
nicht (!) sein erster Tag, dieses Kiosks brauchte sage und schreibe acht
(in Ziffern Anlaeufe um mit dem Taschenrechner die Summe von zwei
Artikeln (Spagetti und Tomatensosse) auszurechnen. Aber so sind sie
halt. Das Bildungssystem von Cuba ist vorbildlich! Der cubanische Winter erscheint fuer uns nicht so streng, wir sind solch fast herbstliches Wetter ja gewoehnt und besitzen in der Regel die entsprechende Kleidung. Fuer die Cubaner sieht das dann schon ganz anders aus. Speziell die Chicas leiden sehr darunter. Ist schon doof, wenn man sein Geld sofort in Pintura und ein Hauch von Nichts zum Anziehen umsetzt. Man bekommt schon Mitleid, wenn sie so frierend und zitternd in ihren knappen Tops und Miniroecken auf der Suche nach neuen zahlungskraeftigen Freunden sind. Da bin ich doch froh in meinem Pulli, langer Hose und geschlossenen Schuhen zwar definitiv optisch aus dem Rahmen zu fallen, jedoch nicht zu frieren. Die neidischen Blicke auf meine warme Kleidung der Maedchen macht ihre Situation nur umso deutlicher….Dennoch sind sie nicht verfroren genug die Unverfrorenheit zu besitzen sich an unseren Tisch zu setzen und „amollamoll“ und „fucki fucki“ meinem Mann entgegen zu traellern, waehrend er offensichtlich mir gerade die Sterne vom Himmel holen will. Aber das gehoert zu diesem Land einfach dazu. Ich stelle mir oft die Frage, ob ich in ihrer Situation wirklich den starken Charakter besitzen wuerde und standhaft gegenueber dem vermeintlich schnell verdienten Geld oder auch nur den Annehmlichkeiten der Relation zu Auslaendern, wie Geschenke und das Ausgehalten werden in Bars und Restaurants, waere. Auch hier wieder das Beispiel unserer Nachbarn. Sie haben beide aus erster Ehe zwei Kinder in dem Alter von 14 Jahren, ein Maedchen und einen Jungen. Es ist wirklich schwer den Kindern Werte, besonders den Selbstwert, beizubringen, wenn sie es tagtaeglich offensichtlich auf der Strasse sehen, wie einfach ein Stueck temporaere Lebensqualitaet durch Beziehungen zu Auslaendern „ergaunert“ werden kann. Dass sie ihre Seele sicherlich in einen inneren Konflikt bringen, sieht man aeusserlich an der prima Kleidung und Schminke, die man sich durch die Dollars kaufen kann, ja nicht. Cubaner legen sehr viel Wert auf diese aeusserlichen Statussymbole, es ist wie ueberall auf dieser Welt ein gesellschaftliches Muss. So sehen wir hier den tagtaeglichen Kampf einer cubanischen Familie ihre Kinder auf den rechten Weg zu bringen. In dieser Situation moechte ich nicht sein. Ich denke, nicht nur ein Zuhause ist zum Aufbau eines neuen Lebens wichtig, sondern auch die Akzeptanz der Menschen in deren Gesellschaft man leben will. Ist man hier einmal akzeptiert, so werden einem neue Tueren geoeffnet und das Leben wieder mit neuen Facetten bereichert und vereinfacht. Um sich diesen Respekt jedoch zu verdienen, gibt es keine Regel. Ich denke, es ist ein Zusammenspiel aus Respekt gegenueber denen, von denen man ihn erhalten will, Haerte, um Grenzen aufzuzeigen, und selbstverstaendlich Sympathiepunkte….es ist ein schleichender Prozess. Ich habe hier einige Langzeittouristen kennengelernt, die es in all ihren Jahren auf Cuba nicht geschafft haben und ihre cubanischen „frennggs“ lachen sie hinter ihrem Ruecken immer noch aus und hintergehen sie. Ich bin mir bei uns nicht 100%ig sicher, dennoch habe ich ein sehr gutes Gefuehl, denn uns helfen sehr oft unsere cubanischen Freunde mit wichtigen Informationen, man respektiert, wenn wir unsere Ruhe haben wollen und vor allen Dingen werden wir sehr oft von den Cubanern (unter anderem von den chulos) eingeladen, sei es zum Essen, sei es zum Trinken, ohne das sie es im Gegenzug von uns erwarten ….ich denke alles in allem sind das gute Zeichen. Seit Oktober warnen uns die Cubaner selbst vor der Zunahme der Kriminalitaet, wir sollen keine Handtaschen mit uns tragen, besser ein Bici oder Coco abends nehmen und so wenig Geld wie moeglich bei uns tragen. Das Jahresende, bzw, den Jahresanfang moechte jeder Cubaner gerne mit einem grossen Tamtam feiern und dafuer wird Geld benoetigt. So hat die Kriminaltitaet in dieser Zeit Hochkonjunktur. Und es stimmt. Ich habe in diesem Jahr noch nie von so vielen Ueberfaellen gehoert wie in den letzen drei Monaten. Klar gestohlen wird das ganze Jahr, aber jetzt sind es wirklich Ueberfaelle. Vielleicht habt ihr einen anderen Bericht erwartet, aber ich denke, diese andere, etwas nachdenklichere und ernstere Seite kann durchaus auch mal berichtet werden…..wir machen ja schliesslich keinen Urlaub hier! Doch an dieser Stelle
moechte ich mich mal fuer die wunderbare Unterstuetzung aus dem Forum in
Form von Carepaketen mit Haribos, Schokolade, Schwarzbrot und anderen
leckeren und wichtigen Dingen bedanken und bin ueber so manche neue
Bekanntschaft sehr erfreut! Bilder zu diesem Bericht sind ca. 1500 Bilder aus der Bildergalerie Sie haben ebenfalls einen Reisebericht über Kuba geschrieben und möchten, dass dieser hier veröffentlich wird ? Dann posten Sie Ihren Reisebericht im Kubaforum dieser Seite und ich bringe Ihn dann direkt in die Sammlung mit ein. Link: www.kubaforum.info
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