Mein
Reisebericht vom 5.1. - 19.1. St.
Lucia/Florida
Donnerstag,
4.1. 21.15 Uhr. Mein Zug fährt in Bad Malente ab, der 6.
Kuba-Urlaub beginnt. In Lübeck treffe ich auf Joachim, mein
Reispartner, für ihn der 1. Kuba-Urlaub. Gegen 04.30 Uhr
treffen wir in Düsseldorf ein, Abflug mit LTU gegen Holguin
gegen 11.15 Uhr. Im Flugzeug leeren Joachim und ich eine
Flasche ron, unterhalten uns lang und breit über Kuba, St.
Lucia, Gott und die Welt. Gebucht hatte ich den Flug und 2
Wochen Hotel Tararaco in St. Lucia (mit HP), Joachim das
Mayanabo (all-inclusive) in St. Lucia.
Holguin
airport, Freitag nachmittag. Auschecken kein Problem.
Joachim nimmt den Touribus nach St. Lucia, ich steige in ein
offizielles Taxi, nach zähen Verhandlungen will mich der
Fahrer für US $ 100,-- nach Florida (ca. 50 km westlich von
Camagüey) bringen. Dort wohnt „meine“ Familie. Ich bin
Patenonkel vom kleinen Sohn meines besten Freundes Roberto.
Im Taxi schlafe ich ein, benebelt vom ron aus dem Flieger.
In Camagüey, es ist längst stockdunkel, wache ich auf.
Hinter mir sitzt eine bildhübsche chica. Der Fahrer grinst,
meint, es wäre seine Freundin, er hätte sie in Camagüey
abgeholt. Mir egal. Nach ca. 4 Std. Fahrt kommen wir in
Florida an. Riesenbegrüßung, für die Familie (alle haben
frei, keiner muß arbeiten) wie Weihnachten. Geschenke
ausgepackt, Medizin, Klamotten, wer es kennt, weiß, wovon
ich spreche. Roberto, die Kinder (3), Mutter, Vater, Bruder,
Schwester mit Ehemann, Robertos neue Freundin Josefa, alle
freuen sich riesig, Umarmungen nehmen kein Ende.
Gegen 22.00
Uhr wollen Roberto und ich noch in Ruhe ein Bier trinken.
Chica für mich wäre noch keine da. Macht ja nichts, eh schon
spät, ich bin benebelt, habe eine mittelschwere Grippe ,
Husten, die Nase läuft pausenlos, es ist kalt, windig,
regnerisch. An der gasolina-station trinken wir ein paar
Biere, nun bin ich fast voll. Auf dem Weg nach Hause
stolpere ich in der Finsterniß, falle in ein Matschloch.
Roberto grinst, zieht mich raus, Mama kriegt das wieder hin.
(Roberto spricht englisch mit mir, alle anderen sprechen
kein englisch, meine Spanischkenntnisse beschränken sich auf
das Notwendige). Ausschlafen.
Samstag,
Frühstück. Mama brät Eier, es gibt das typische cubanische
Weißbrot und starken Kaffee. Meine Grippe wird immer
schlimmer. Alles habe ich dabei, nur keine Antibiotika,
Mist. Gegen Mittag wird es voll auf dem kleinen Balkon. Drei
chicas sind gekommen, gucken mich neugierig an. Dabei ist
Rosi, 32 Jahre, Traumfigur, jünger aussehend, ca. 1,74 (so
meine Größe), tiefer Blick in die Augen, mir war klar, das
ist sie, keine andere. Eine Stunde später kommen wir uns
näher. Sie ist die beste Freundin von Robertos neuer
Freundin Josefa, beide arbeiten in Florida im gleichen
Krankenhaus. Aus dem cd-player (1997 von mir mitgebracht)
plärrt pausenlos Bob Marley, Reggea-Musik, volle Pulle, den
ganzen Tag, wie jeden Tag. Volle Pullen auch auf dem Tisch,
Jürgen (man nennt mich dort Pieter, weil Jürgen kaum einer
aussprechen kann, abgeleitet vom Nachnamen Peters) hat
ordentlich eingekauft. Während die Frauen das Abendessen
bereiten, hauen Roberto und ich rein (ron). Später bleibt
Rosi wie selbstverständlich bei mir. Ich habe wie immer mein
Zimmer, meine offizielle Aufenthaltsgenehmigung (weiß der
Kuckuck, wie Roberto das immer anstellt, aber der, der mir
die Genehmigung ausstellt (mit Dienstsiegel) ist ein
Halbbruder von Roberto, war früher in Florida ein ranghoher
Polizist, jetzt verantwortlich für den ganzen Distrikt. Mir
kann nichts passieren, ich bin offizielles Familienmitglied.
Auch die Urkunde von der Kirche (nach einem Jahr) für die
Patenschaft liegt jetzt vor mir. Ich bin froh, stolz. Rosi
ist eine phantastische Frau, wir beide erleben eine
wundervolle erste Nacht, wobei ich auf all die Kosten komme,
von der man hier in Allemania immer nur träumt. Das bleibt
auch die nächsten 3 Tage so. Ich bin begeistert, Daniela,
meine Freundin aus Amancio vom Vorjahr (davon wird noch die
Rede sein) ist völlig vergessen. Nach Rosi kommt nicht mehr
viel. Die Tage vergehen wie im Fluge, das Wetter bleibt
bescheiden, an Strandbesuche (ca. 40 km an die Playa de
Florida) nicht zu denken. Ich bin weiter grippegeschwächt.
Zu Mittwoch, 10.1. bestelle ich mir ein taxi particulare
nach St. Lucia. Schließlich habe ich für den blöden Schuppen
Tararaco 2 Wochen HP bezahlt. Tamara, die Chefin, ist per
e-mail informiert, daß ich erst am 10.1. einchecken will.
Taxista kommt pünktlich, wir einigen uns auf US $ 35,--.
Roberto kommt mit, Rosi will mit, aber ich sage ihr, in St.
Lucia wäre es zu gefährlich für sie, Verhaftung droht. Sie
ist traurig, versteht mich aber, die ganze Situation wegen
des bezahlten Hotels. Gegen Mittag treffen wir im Tararaco
ein. Nach dem Einchecken (ich bekomme mein Wunschzimmer mit
der No. 305) fahren Taxista und Roberto zurück nach Florida.
Nachmittag Besuch beim Rapido, erster Eindruck: schlimmes
Gesocks, wie immer, Nutten (neu aus Argentinien), Zuhälter,
die übliche Anmacherei, Bettelei um US $, für Taxi, Bier,
Zigaretten, was weiß ich. Mir geht das auf den Keks.
Immer noch
Mittwoch. Ich besuche eine befreundete Familie, werde
eingeladen zum Essen. 2 riesige Puter drehen sich über dem
Feuer. Aber wegen meiner Grippe haue ich bald wieder ab.
Abends im Rapido treffe ich auf Joachim, wir trinken ein
Bier, gegen 20.00 Uhr gehe ich rüber auf mein Zimmer. Vorrat
an Taschentüchern schmilzt. Gegen 04.00 Uhr wache ich auf,
kann nicht mehr schlafen. Scheiß-Zeitumstellung, immer noch
nicht verkraftet. Gucke Fernsehen, saufe ron mit Cola, alles
piwarm, egal. Es wird hell, ich gehe kilometerweit am Strand
laufen, kein Mensch so früh unterwegs. Zurück im Hotel wird
mir mitgeteilt, Frühstück erst ab 08.00 Uhr, Abendessen
bringt der Koch aufs Zimmer, weil so wenig Gäste anwesend
seien, würde sich das Öffnen des Restaurants nicht lohnen.
Frühstück schwach: Kaffe, etwas Obst, zwei Scheiben Toast
mit Käse und Schinken. Tararaco eben. Gegen 10.00 Uhr zum
Rapido, Warten auf Joachim, aber der läßt sich nicht
blicken. Gegen 11.00 Uhr kommt mein Freund Leonel, wir
trinken ein paar Biere, ich werde wieder eingeladen, aufs
Land, Spanferkel am Spieß. Ich sage zu, habe eh nichts
besseres vor. So um 13.00 Uhr kommt sein Bruder, riesiger
Kerl, spricht gut deutsch, ist mit einer Amerikanerin
verheiratet. Zusammen mit ihm fahren wir aufs Land, ca. 15
km von St. Lucia entfernt. Ein Haus in einem derartigen
Zustand mitsamt Grundstück, total verdreckt, es sieht aus
wie nach einem Bombentreffer der Alliierten, hatte ich so
selbst in Kuba noch nie erlebt. Hunde, total verdreckt und
verlaust, angebunden an einer kurzen Leine, überall Dreck,
Müll und Schrott. Ein großes Schwein wird fleißig über dem
Feuer gedreht. Ca. 25 Leute, eine cubanische Großfamilie.
Obwohl alles so vergammelt und verrottet ist, alle gut
drauf. Fleißig wird ron ausgeschenkt, Mittags gibt es einen
Riesenteller mit Reis, Leber und Gemüse. Im Laufe des
Nachmittags geht das Grippeproblem wieder los, Leonel meint,
ich solle lieber ins Hotel zurück, Medizin einnehmen. Er
rennt zur Straße, hält einen Touribus an, der zufällig
vorbeikommt. Kurze Frage, für 1 $ nimmt der Fahrer mich mit
bis zum Hotel Mayanabo. Ab aufs Zimmer, Medikamente
eingenommen, Ruhe bis 01.00 Uhr nachts. Kurzer Blick aus dem
Badezimmer, im Rapido tobt das Leben. Also noch mal raus.
Disco zwischen Tararaco und Mayanabo dicht, im Rapido ca. 10
billige Nutten, die üblichen Typen, die eben immer da
herumlungern. Von Joachim nichts zu sehen. Im Rumbos zwei
Typen, langweilige Musik, nichts los. Weiter runter zur
Disco. Drei Personen kommen mir entgegen, ich gucke gar
nicht genau hin. Plötzlich ein lauter Schrei: Piiiieeeter
!!! Das steht sie vor mir, Daniela, meine große Liebe der
letzten zwei Jahre. Sieht toll aus, langer, weißer Rock,
dezent geschminkt, mir klappt der Unterkiefer herunter.
Irgendwie wußte ich es, irgendwie. Sie würde kommen, aus
Amancio, mich suchen, nicht anrufen. Wie ein Film läuft es
ab. Erstes Kennenlernen 1997, eine kurze schnelle Nummer am
Strand, danach Abschied. Nach mehreren Monaten erhalte ich
Briefe von ihr. 1999 komme ich zurück, verbringe die letzte
Urlaubswoche in Amancio im Hause ihrer Eltern. Die kleine
Tochter Taile betrachtet mich als Vater, die Familie nimmt
mich auf. Ich richte ein Sparbuch für die Kleine ein,
schicke zweimal Geld. Geld traf angeblich nie ein. Letzter
telefonischer Kontakt mit ihr dann Juni 2000, danach
Funkstille, für mich war die Beziehung beendet. Sie hatte
die Info aus meinem letzten Brief, daß ich vom 5.1. – 19.1.
in St. Lucia sein würde. Nun schaut sie mir tief in die
Augen, lächelt mich an. Ihre Begleitung, ein cubanisches
Pärchen, spricht mich an. Der cubano kann gut deutsch. Ich
sage gar nichts, bin schockiert, gehe langsam Richtung
Rapido, die drei im Schlepptau. Im Rapido setzen wir uns,
ich hole etwas zu trinken. Der cubano klärt mich auf.
Daniela sucht mich seit 4 Tagen und Nächten, ihr Vater hätte
ihren Bruder mitgeschickt um mich nach Hause zu holen. Alle
würden auf mich warten, die ganze Familie. Geld aus
Deutschland sei nie angekommen, Daniela sei hungrig, seit 2
Tagen nichts mehr gegessen. Daniela würde nur mich lieben,
ernsthaft. Die weint inzwischen still vor sich hin. Ich
renne zum Hotel rüber, hole die Reste von meinem Abendessen,
die chicas hauen rein. Ich bin immer noch schockiert. Nach
über einer Stunde Gespräch, der cubano übersetzt immer
fleißig, vertrage ich mich mit Daniela. Sie hört auf zu
weinen, kuschelt sich an mich, es ist kühl, ich lege ihr
meinen Pullover um die Schultern. Immer wieder sagt sei,
komm nach Haus, nach Amancio. Papa, Mama, Taile, alle warten
auf Dich. Tja, nun habe ich ein Problem. Rosi in Florida,
Daniela jetzt hier in St. Lucia. Ich soll mit nach Amancio.
Ich muß eine Entscheidung treffen, jetzt und sofort. Ich
denke, das alles ist kein chica-Gequatsche, die liebt mich
wirklich. Der cubano bestätigt mir das immer wieder. Er will
die Fahrt organisieren. Ich sage zu, dann könne ich auch die
Ungereimtheiten mit dem verschwundenen Geld (immerhin 300 $)
klären, eine Menge Holz. Wir vereinbaren, gegen Mittag mit
dem Taxi nach Amancio zu fahren. Es ist inzwischen 05.00 Uhr
morgens, Daniela will mit einem Taxi zu ihrem Zimmer, sie
hätte den Schlüssel, der Bruder käme nicht hinein. Ich gebe
ihr Geld für Taxi, gegen 10.00 Uhr sei sie zurück. Ich zahle
die Zeche für alle und wir verabschieden uns für einige
Stunden. Mit einem tiefen Kloß im Hals gehe ich auf mein
Zimmer. Arme und Beine von Mückenstichen verwüstet, ich
hatte es gar nicht bemerkt. Jetzt jucken die Stiche
fürchterlich. Ich stelle mich unter die Dusche, hast Du nun
die richtige Entscheidung getroffen, oder nicht ?? Irgendwie
habe ich ein schlechtes Gewissen. Mein zweites Ich (ich bin
Zwilling) beruhigt mich. Bleib ruhig und warte ab. Du hast
eine Entscheidung getroffen. O.k. ich packe komplett meine
Sachen (ein großer Fehler) gehe um 08.00 zum Frühstück, (wie
gehabt). Danach zum Rapido, warten auf Daniela, den cubano,
der mitkommen will, auf die Abreise.
Die zwei Stunden Warterei
kommen mir ewig lange vor. Aber nichts tut sich. Gegen 10.30
Uhr kommt der cubano, völlig außer sich. Was ist los, wo ist
Daniela, Mensch, klär mich auf. Dann die Nachricht, die mich
umhaut: Daniela sei verhaftet worden, von der Polizei aus
Camagüey. Er wüßte nichts genaue, wolle sich schlau machen,
man sagte ihm keinen Grund. Ich werde blaß im Gesicht, drehe
fast durch. Immer wieder hatte ich ihr eingetrichtert,
bleibe in Amancio, komme nicht nach St. Lucia zurück. Nun
traf genau das ein, wovor ich immer panische Angst hatte.
Der cubano versucht mich zu beruhigen, ich könne gar nichts
machen, außer Warten, vielleicht kommt sie in einigen Tagen
wieder frei. Ich verstehe gar nichts mehr, sie ist doch
keine Professionelle, keine puta, nie aufgefallen, was soll
das alles ?? Die Geschichten aus dem Forum gehen mir durch
den Kopf, ich habe keine Chance, irgend etwas auszurichten,
das wird mir schnell klar.
Fuck the
policemen, shit und noch mal shit.
Der cubano haut ab, will
nähere Infos besorgen. Ich verfluche Kuba, St. Lucia, die
Polizei, aber was nützt es ? Nichts.
Was jetzt kommt, ist der
Absturz für mich, Exzeß. Aus Frust beginne ich zu trinken,
erst Bier, dann ron, reichlich. Sitze stumm herum, fange an
zu grübeln. Früher Nachmittag inzwischen, kein cubano, keine
Infos, keine Daniela, nichts. Um mich herum das normale
nuttige Treiben. Kein Bekannter kommt, nichts. Gegen 16.00
Uhr bin ich ziemlich angetrunken, mich quatschen alle paar
Minuten die chicas an. Die eine will unbedingt mit mir los.
Mir ist jetzt alles egal. Scheiße, ich brauche Ablenkung.
Rüber zum Tararaco, kurzes Gespräch mit den custodios, ein
Schein wechselt den Besitzer, 10 Minuten später bin ich mit
der chica auf meinem Zimmer. An den Sex kann ich mich nicht
mehr genau erinnern, ich glaube, wir beide gaben unser
Bestes, aber das war es dann auch schon. Nach 2 Stunden haut
die chica ab, no problemo, adios. Gegen 19.00 Uhr wieder
rüber zum Rapido, immer noch kein cubano, immer noch keine
Infos von Daniela. Also weiter volle Pulle, so muß sich ein
Junkie auf dem Trip fühlen. Ich fühle mich schlecht, aber
saufe weiter. Irgendwann gegen 21.00 Uhr komme ich mit einem
cubano ins Gespräch, auch er kann ein wenig deutsch. Lädt
mich ein, seine Familie kennen zu lernen. Claro, gegen gute
$ irgend eine chica vögeln, was wohl sonst ? Also ab mit
ihm, es ist nicht weit vom Rapido, einige Blocks weiter auf
der linken Seite. Dort die ganze Familie wach, irgendeine
chica wird wachgerüttelt, kurze Vorstellung, ja, ja, geht
schon in Ordnung, ja ich gehe mit ihr ins Bett. 15 $ für die
Familie, na und, macht mich auch nicht ärmer und
glücklicher, also was solls. Viel kann ich nicht mehr
zustande gebracht haben, gegen 03.00 Uhr bringt mich der
cubano zurück zum Tararaco. Ich bin leer, ausgepumpt und
müde. Die custodios kenne ich, sind beide nett, noch ein
bißchen Herumgelaber, danach ab aufs Zimmer. Gepäck checken.
Erster Blick, alles o.k. Genaues Durchsuchen. Ach, sieh mal
an. Ich Idiot, alles komplett fertig zu packen. Und das mir,
im 6.
Urlaub, na bravo.
Es fehlt ein größerer Betrag in DM als auch in US $,
geschickt geklaut, zudem einige persönliche Sachen. Toll,
denke ich, Du Rindviech, werde schlagartig um Einiges
nüchterner. Raus, zu den custodios. Beide kommen mit auf
mein Zimmer, ich erkläre ihnen den Diebstahl. Sie sind tief
betroffen (muß ja während ihrer Wache passiert sein). Ob ich
die Polizei holen wolle ? Was bringt mir das ? Die Kohle
bekomme ich nicht wieder, ich habe die Schnauze voll von St.
Lucia, dem ganzen Gesocks, bin stinksauer. Die custodios
(einer spricht deutsch) erklären mir, sie würden sofort
entlassen, wenn ich die Polizei einschalten würde. So wie es
aussieht, wäre es jemand vom Personal gewesen (die chica vom
Nachmittag konnte es nicht gewesen sein, ich schlief nicht
ein). Plötzlich sieht der eine custodio das Bild von Rosi
und ihren Kindern auf dem Nachttisch. „Das ist doch Rosa,
aus Florida, oder ?Meine Schulfreundin, bist Du mir ihr
zusammen , ist das Deine chica ?“ Klar, das ist sie, sage
ich. Er meint, eine phantastische Frau, die solle ich mal
behalten. Ich weiß es und ich weiß auch, ich will jetzt so
schnell wie möglich hier weg. Ruft meinen Taxifahrer in
Florida an, er soll mich sofort abholen. Mitten in der Nacht
? Ich sage, mir ist das Scheißegal, er soll losfahren, er
ist mein Freund, ich könne ihn Tag und Nacht anrufen. Der
eine custodio rennt los, telefonieren. Der andere, der
Schulfreund von Rosa, bittet darum, ihr einige Zeilen
schreiben zu dürfen. (Fast eine Seite schreibt er, auch vom
Diebstahl). Nach 15 Minuten kommt der andere wieder, taxista
sei unterwegs. Na also, wenigstens etwas klappt in dieser
Scheißnacht.
Bis um 08.00 Uhr
zermartere ich mir das Gehirn, warum und wie ich so beklaut
werden konnte, vor allem so clever (will ich hier gar nicht
näher erläutern, habe meine Gründe). Im Bett finde ich noch
einen 20$-Schein, o.k. reicht für das Taxi zur Bank. Also
rüber zum Rapido, dort treffe ich einige Bekannte. Ab mit
dem Taxi zur Bank, neue Kohle getankt, zurück zum Hotel, um
08.30 Uhr nimmt mich mein taxista aus Florida in den Arm.
Weiß schon über das Gröbste bescheid (von den custodios).
Auschecken, no comentario, no problema, adios, no hasta
luego, adios forever St. Lucia und Tararaco.
Taxista und ich rauschen
ab. Ich klemme mir eine Pulle ron zwischen die Beine,
taxista dreht volle Pulle den Kassettenplayer an. Ich werde
langsam ruhiger, finde wieder zu mir selbst. Abhaken, alles
abhaken, was dort in den letzten Stunden passiert ist. Auch
in Florida habe ich eine Familie. Bloß weg. Polizeikontrolle
beim checkpoint: taxista muß raus, Papiere vorzeigen, ich
solle nichts sagen. Er redet wie ein Wasserfall auf die
beiden Bullen ein, quatscht irgendwas von, das ist kein
normaler Touri, ich wäre sein Freund, ich dürfe offiziell in
Florida wohnen, ich wäre krank, bla, bla, bla. Die Bullen
fragen mich, ob ich spanisch spreche. Ich zucke mit den
Schultern, niese, huste, gripa, no comprende. Die Bullen
zucken mit den Schultern, winken uns weiter. Taxista lacht
sich halbtot, haut mir auf die Schenkel, Piiieeeeter, fuck
the policemen, er zeigt den Finger. Ich muß auch lachen, wir
beide sind mit einem male wieder gut drauf. Bis Camagüey
erzähle ich ihm die ganze Story von St. Lucia, von den
chicas, von Daniela, alles. Er nickt, dann will er wissen,
wie das so ist, mit den chicas in St. Lucia, er würde ja
auch gerne mal mit einer anderen, aber seine Frau sei
höllisch eifersüchtig. Ich grinse, sage ihm, ich schenke Dir
eine chica, aber die muß „marmar binga“ mit Dir machen. Er
bekommt glänzende Augen, wie, jetzt sofort, jetzt das
Geschenk, es ist 10.00 Uhr morgens, wir sind gleich in
Camagüey. Klar, sage ich, das Geschenk gilt ab sofort. Er
fährt wie ein Irrer durch Camagüey, der Lada ächzt und
quietscht. Nach ein paar Straßenzügen hält er an, befragt
ein paar chicas, die da rumhängen. Claro, da und da, taxista
gibt Gas und nach 10 Minuten sind wir am Ziel. Kurze
Verhandlung mit zwei chicas, beide steigen in den Lada. Die
für den taxista gedachte so um die 24, die für mich gedachte
wohl knapp 17. Nee, denke ich, zu jung, nicht am frühen
Morgen . Aber für den taxista o.k. Er haut mit ihr ab, die
andere Kleine wartet darauf, daß ich nach hinten komme. Ich
bleibe aber sitzen und versuche ihr zu erklären, sie sei zu
jung für mich, kein Interesse. Schniefen, kein US $. Mir
egal. Nach 20 Minuten kommt taxista zurück, langes Gesicht.
Hey Alter, was ist los ? Nur Bumsen, kein „marmar binga“.
Aber gerade das wollte ich Dir doch schenken, oder ? Also
los, zweiter Durchgang. Er nimmt die chica an die Hand, sie
verschwinden wieder. Zweiter Versuch der Kleinen von hinten,
aber zwecklos, nicht mein Fall. 15 Minuten später, taxista
kommt wieder mit der anderen chica, strahlt übers ganze
Gesicht.
Na, alles claro
? „Marmar binga“ phantastico !!
Na also, klappt doch. Die
chicas entschwinden mit 5 $. Wir weiter nach Florida. Gegen
Mittag sind wir da. Ganze Familie in heller Aufruhr, Peter
ist zurück. Die Nachricht verbreitet sich im Viertel in
Windeseile. Nachbarn kommen, Freunde, alle wollen wissen,
wie es in St. Lucia war. Als ich bis auf die story mit
Daniela alles erzähle, werden sie wütend. Scheiß-Landsleute,
die klauen, Mafioso, etc. pp. Na, für mich ist das abgehakt.
Robertos Bruder schwingt sich aufs Fahrrad, nach einer
halben Stunde kommt er mit Rosi zurück. Sie fällt mir in die
Arme, ist überglücklich.
Es ist
Samstag, ich verbringe ein ruhiges Wochenende mit der
Familie. Ich genieße Rosi, die Erlebnisse von St. Lucia
verdränge ich, denke nicht daran. Zusammen mit Mama koche
ich für alle, Roberto und ich kaufen immer für Pesos auf dem
Markt ein. Das Wetter bleibt bescheiden, nachts regnet es,
tagsüber mal windig, wolkig, aber kein Karibik-Wetter. Die
Grippe hält sich hartnäckig, die halbe Familie ist schon
angesteckt. Sonntags trinken wir Grog, das kennen die
natürlich nicht. Roberto und sein Bruder sind nach 3 Grogs
völlig grocki, legen sich ab. Für mich eine willkommene
Gelegenheit, zusammen mit Rosi den ganzen Nachmittag auf
meinem Zimmer zu verbringen. Keiner stört uns. Sonntags das
gleiche ruhige Familienleben.
Am Montag
wollen Roberto, Rosi und ich zum Tierarzt, Robertos Hund muß
operiert werden. Der lange Weg wird immer länger, morgens
hatte ich nur einen Schluck Kaffee getrunken. Beim Tierarzt
bekomme ich Kreislaufprobleme und Angstzustände. Rosi ruft
einen Krankenwagen, der karrt mich mit Blaulicht ins
Krankenhaus. Rosi ist bei mir, beruhigt mich, küßt mich
andauernd, sie kennt alle Ärzte dort persönlich. Damit das
Zittern aufhört, spritzt mir der Arzt Diazepan, der
Blutdruck ist mit 220 nicht nur leicht überhöht (erzählt sie
mir später). Auch dagegen bekomme ich ein Mittelchen. Nach
ca. 1 Stunde kann ich raus, Roberto ist auch da, hat eine
Pferdekutsche organisiert. Zurück zu Hause werde ich
gepflegt von der ganzen Familie, besonders von Rosi, die
sich aufopferungsvoll um mich kümmert, aber nicht
aufdringlich. Sie mißt meinen Blutdruck, deckt mich zu, alle
Stunde sieht sie nach mir. Ich weiß aus Erfahrung, es ist
kein organisches Problem, eher im Vegetativen Bereich zu
finden. Tja, der Exzeß in St. Lucia, die Aufregung, alles
hat eben seinen Preis. Irgendwann macht der stärkste Körper
nicht mehr mit und rebelliert. Eso es.
Ich verordne
mir 3 Tage kompletten Alkoholentzug, Liebe mit Rosi ohne
Ende und am Donnerstag bin ich wieder fit. Taxista kommt,
bleibt es bei Freitag früh 08.00 Uhr mit der Fahrt nach
Holguin zum Flughafen ? Claro, er hätte seinen Lada komplett
durchgecheckt, mit einer Panne sei nicht zu rechnen. Wann
geht Dein Flieger ? 16.50 Uhr, sage ich. Taxista grinst,
genügend Zeit.
Die letzte
Nacht mit Rosi, super, wie all die anderen davor, dennoch
etwas besonderes. Ich denke an ihre Familie, die wir besucht
haben, alle in Ordnung, auch ihre Kinder. Ich denke an meine
Familie hier in Florida, wann werde ich sie wiedersehen ?
Ich denke auch an Daniela, hätte ich bleiben sollen, habe
ich einen Fehler gemacht ? Ach, was solls, das alles ist
Kuba, that´s life. Freitag früh, 08.00 Uhr. Wir haben
gefrühstückt, taxista kommt pünktlich. Roberto und Rosi
fahren mit, die ganze Familie weint dicke Krokodilstränen,
Abschied ist schrecklich.
Bis Camagüey
fährt auch die Ehefrau des taxista mit, wird bei Oma
abgesetzt. Bis dahin keine Probleme. Hinter Camagüey 1.
Panne, taxista baut den Vergaser auseinander, kippt einen
guten Schluck ron hinein, den Roberto, Rosi und ich auf der
Fahrt so Stück für Stück wegarbeiten. Anschieben, Karre
springt an. 2. und 3. Panne, es wird langsam Zeit für mich.
4. Panne, es sind noch 77 km bis zum Airport, es ist bereits
13.00 Uhr. Ich gerate ins Schwitzen, was ist nun wieder los
? Benzinleitung kaputt. Taxista kümmert das wenig.
Seelenruhig kramt er einen Benzinkanister aus dem
Kofferraum, befestigt das Ding vorne am Rahmen der
Beifahrertür, wo Roberto sitzt. Bringt einen Schlauch an,
saugt, spuckt, legt eine Leitung zum Vergaser. Lada läuft,
eine fahrende Bombe, bloß jetzt nicht rauchen.
Bis zum
Airport darf er eigentlich nicht, aber die Zeit drängt, was
solls, gib Gas, fahr einfach hin. Am Airport werden wir
gestoppt. Taxista, Roberto und Rosi festgehalten, ich muß
meinen Paß vorzeigen, der eine Bulle greift zum Telefon. Ich
habe kaum Zeit, mich von den dreien zu verabschieden. Rosi
weint, Scheiße, ich muß doch los. Renne die letzten 700
Meter bis zur Abfertigung mit meinem Gepäck, drehe mich
nicht mehr um. Ich weiß nicht, was mit den dreien passieren
wird, hoffentlich keine Verhaftung. Scheiß-Kuba mal wieder,
natürlich nur die Behördenscheiße, nicht die Menschen. Ich
werde ordentlich abgefertigt, Gepäck ohne Probleme durch. Im
Gepäck nur eine Kiste Zigarren (Geschenk von Roberto,
Jubiläumskiste Cohibas vom Feinsten). Ich denke, puh, Alter,
das wars jetzt, Dein 6. Kuba-Urlaub. Jetzt mal in Ruhe was
Essen, Mama gab Hähnchenschenkel und Brot mit, dazu ein
kühles Bier. Scheiße was. Plötzlich nehmen mich zwei Bullen
unter die Arme, mitkommen. Was soll das, was ist los, was
habe ich gemacht ? Check, lautet die knappe Antwort. Ich
werde in ein Verhörzimmer geführt, dort wird mein Gepäck
akribisch durchsucht. Paß gecheckt. Die Bullen finden
nichts, gar nichts. Schmeißen alles wieder unordentlich in
die Taschen. (Dabei war alles sauber gewaschen und gebügelt,
ich könnte schon wieder ausrasten, bleib ruhig, Alter, Kuba,
o.k. ??!!).
Nächste Frage: haben Sie
Alkohol getrunken ? Aha, der Bulle von vorne rief an, sah ja
die leere Buddel im Lada, Nachtigall ich hör dir trapsen.
Klar, sage ich, gestern Abschied gefeiert, was solls, ist
doch normal, oder ? Ich bin doch nicht voll. Die Bullen
grinsen. Augenblicke später kommt ein baumlanger Arzt,
spricht gut englisch.
Do you have
problem ? Ich bin
kurz vor dem Ausrasten, ich brülle ihn an, nein, ich habe
überhaupt kein Problem, nach 260 km Fahrt von Florida nach
Holguin, 4 x Autopanne, meine Freunde wahrscheinlich
verhaftet, ich werde durchgecheckt wie ein Verbrecher, nein,
ich habe überhaupt kein Problem. Der Arzt grinst, versteht
mich. Vor seinem Zimmer liegt ein total besoffener
Deutscher, kann nur noch lallen. Der fliegt bestimmt nicht
mehr, denke ich. Der Arzt mißt meinen Blutdruck, 145, alles
o.k. kein Problem mit dem Rückflug, gute Reise und
Entschuldigung. Ich frage, was soll die ganze Scheiße ? Er
zuckt mit den Schultern, er bekäme auch nur Anweisungen. Ich
wäre o.k. Danke, adios.
In der
Wartehalle treffe ich Joachim. Viel zu erzählen haben wir
nicht, war nicht unser Fall, wir beide. Im Flugzeug sitzt er
acht Reihen hinter mir, der mittlere Platz ist frei neben
mir, aber er möchte lieber am Fenster sitzen. Feiner Kumpel,
wußte ich doch.
Erst in Lübeck
auf dem Hauptbahnhof schütteln wir uns kurz die Hände. Wir
telefonieren mal, ja ? Adios, tschüs. Mit dem nicht mehr.
So, das war er
nun, der Bericht. Kuba, wie es leibt und lebt.
P.S. Einige
Tage später rief ich Daniela an, 4 Tage saß sie im Knast,
machte mir bittere Vorwürfe, heulte wie ein Schloßhund.
Damit muß ich
fertig werden. |