Hier ein
kleiner Reisebericht über einen Cubaurlaub vom 16.05. bis 31.05 von
Guajira
Teil 1:
Flug ab FRA mit Condor, Ankunft in HAV pünktlich. Den im Handgepäck
mitgeführten DVD-Player hab’ ich natürlich nicht rein gekriegt. Zöllner
waren nett, hat aber alles nix genutzt. Papierkram dauerte 30 min.,
Abholung des DVD-Players bei Rückreise. Koffer und Tauchrucksack sind
nicht mehr kontrolliert worden (hihi, zum Glück; Geschenke und
Kinderklamotten im geschätzten Gesamtwert von 350 EUR).
Bin dann zum Cubacar/Transtur-Schalter, um meinen Wagen (Economico-Klasse)
abzuholen. Es war Hochbetrieb am Schalter und so hab ich erst mal meinen
Voucher und Koffer dagelassen und bin Getränke und Telefonkarte
einkaufen gegangen. Nach einer Dreiviertelstunde hatte ich endlich meine
Karre (Hyundai). Beim Benzin haben die Jungs natürlich wieder leicht
beschissen, denn es fehlten schätzungsweise zwischen 2 bis 4 Liter zur
Vollfüllung, aber das kennen wir ja schon. Kaution habe ich über KK
hinterlassen, seguro und gasolina habe ich wegen der KK-Berechnung über
USD direkt in CUC bar bezahlt (Tauschkurs 1: 1,13 an der Cadeca).
Dann ab zur CP in Playa/Miramar. Herzliche Begrüssung, man kennt sich
vom letzten Jahr, Kofferauspacken. Die zwei habitationes befinden sind
übereinander in einem separat vom Haupthaus errichteten Gebäude hinten
im Garten. Die untere ist meine (wird später noch wichtig!).
Ums Eck wohnen Freunde, die habe ich gleich abends noch besucht und die
4,5 Kilo Kinderklamotten für den Sohn eines deutschen Freundes
abgegeben. Grosses Hallo, und erst mal ein paar Schlückchen Caney zur
Begrüssung. Im Haus war eine ganze Menge deutscher/in Deutschland
lebender Familienanteil anwesend. Nach 1,5 Stunden leicht angesäuselt
zum Duschen zurück ins CP um die Ecke, duschen, umziehen und zu Fuss ab
ins Casa de la Musica Miramar (7,5 cuadras entfernt).
Mit einem in Deutschland/Schweiz ansässigen Cubaner der o.g. Familie,
dessen schweizerischen Novia und zwei Cubanerinnen in die C.d.l.M.
eingefallen (Chispa y sus complices). Leichte Diskussionen am Eingang,
weil jetzt ein Cubi mit vier Frauen vor der Tür steht (entrada solamente
para parejas). Die Cubanerinnen waren aber Freundinnen von Mitgliedern
der Vorgruppe. Nach einigem Hin und Her werden die beiden Cubanerinnen
auf die lista de los invitados gesetzt und wir waren dann drin. War mal
wieder Spitze. Um 3:30 Uhr tot und abgefüllt ins Bett gefallen.
Am nächsten Tag (17.05.) um 10:00 Uhr muss dann wohl mein novio
angerufen haben. Die ama de llaves will jedenfalls bei mir geklingelt
haben; ich hab’ nix gehört. LOL. Gegen 11:30 Uhr schlage ich zum
Frühstück auf und kriege die Mitteilung über den Anruf. Statt dann aber
zu hinterlassen, wann er wieder anruft (er wollte am gleichen Tag noch
von der I.d.l.J. ankommen und ich sollte ihn – wo auch immer – abholen),
hat er natürlich wieder nix gesagt. So bin ich natürlich im Haus
festgenagelt. Schliesslich kann’s ja sein, dass er gegen 14:30 Uhr mit
der Fähre ankommt! Schei...benkleister. Endlich um 18:00 Uhr ruft er
wieder an: Ich komm erst morgen, habe keinen Flug bekommen!! Toll !! Ein
Urlaubstag fast völlig vertütelt und die Demo zur Festnahme von Posada
Carriles nur noch am Rande mitbekommen.
Kurz nach 18:00 Uhr schmeiss’ ich mich ins Auto und klappere in Centro
noch zwei Leute ab. Der Eine kriegt ein Paket von 4 Kilo (ein
Luftmatrazen-Doppelbett mit E-Anschluss), die andere ein süsses kleines
Päckchen von ihrem novio. Um 19:30 Uhr schlage ich noch in Vedado im 7.
Stock (Aufzüge natürlich kaputt) bei einem Yahoo-Messenger-Kontakt
(Mitte 50), seiner Frau (Anfang 30, Cubana) und dem gemeinsamen Sohn
auf. Er hatte mir im Vorfeld das Versprechen abgenommen, unbedingt
vorbeizuschauen, wenn ich in HAV bin. Es handelt sich um einen über die
Grenzen von CU hinaus sehr bekannten Gitarren-Virtuosen (habe sogar 'ne
CD von ihm gefunden LOL). War ein netter Abend bei einer privilegierten
Familie mit offiziell autorisierter Sat-Schüssel, DVD-Player, hausintern
vernetzten Computern mit Flaterate. Es gab leckere Pfannkuchen mit Honig
zum Abendessen. Man bleibt in Kontakt...
Gegen 23:00 Uhr zurück in meiner Casa. Noch ein bisschen häuslich
eingerichtet und dann in die Heia, schließlich soll ich um 07:30 Uhr am
Terminal 1 sein, um meinen novio abzuholen...
Teil 2:
Da ich ja die erste Nacht versackt war, bin ich gleich eingeschlafen,
aber die deutsche Zeit muss trotzdem noch in mir gesteckt haben. Auf
jeden Fall werde ich mitten in der Nacht wach und höre draußen Stimmen
bzw. Leute, die da rumlaufen und denke noch: aha, das (wohlgemerkt
rein-)italienische Pärchen von oben drüber kommt wohl nach Hause. Na ja,
ich dreh mich um und schlaf wieder ein.
Irgendwann drauf werde ich wieder wach, mache die Augen auf und sehe
jemand in der Tür zum Schlafzimmer stehen. Erste (allerdings aufgrund
der Uhrzeit völlig abwegige) Idee: Überraschung: mein Novio ist
überraschend früher angekommen.
Neben dem Schlafzimmer liegt die „Küche“ mit Eingangstür zur habitacion
mit Glastür; draussen im Garten ist noch Beleuchtung angeschaltet, so
dass ich eine Silhouette in der Schlafzimmertür stehen sehe.
Halbschlafend frage ich: Quien es? Der Person wird klar, dass ich wach
bin und während diese Person auf mich zukommt und mir langsam klar wird,
dass das nicht mein novio ist, sehe ich im Hintergrund eine zweite
Person, die sich in Küche rumtreibt.
Da hab ich wie eine Irre angefangen zu schreien in der Hoffnung, dass
das Paar obendrüber wach wird. Der erste Typ hält mir mit einer nach
gasolina stinkenden Hand den Mund zu; ich schreie weiter und fange an zu
treten. Keine Ahnung, wie lange es gedauert hat, aber die beiden haben
das Weite gesucht und gefunden. Ich bin bis Tür hinterher, habe die Tür
zugeknallt und von innen verriegelt. Da ich halbnackt schlafen gehe,
musste ich mir erst mal was anziehen. Nachdem ich noch dreimal tief
durchgeatmet hatte, habe ich rausgelauscht und dann vorsichtig die Tür
geöffnet; es war niemand zu sehen.
Also bin ich vor zum Haupthaus und habe die dueña rausgeklingelt. Die
war natürlich entsetzt und hat die policia especializada gerufen.
Ruckzuck kam auch einer. Wir haben versucht, das Ganze zu
rekonstruieren: Die beiden sind (trotzdem angeblich auf der anderen
Straßenseite direkt gegenüber einer für Geld auf mein Auto aufpasst -
alles stockenduster, keiner war zu sehen - und die Strasse gut
beleuchtet ist) über ein Gitter von der Strassenseite hereingeklettert
und so auf das Grundstück gekommen.
Mein Badezimmer verfügt über ein kleines Fenster in 1,80m Höhe über dem
Fußboden, dass durch einen Flachstahl hälftig gegen Einstieg gesichert
war. Ich hatte das Fenster leider nicht ganz geschlossen. Den Flachstahl
haben die Jungs offensichtlich aus dem Rahmen gerissen und weggebogen
(und das auch noch, ohne viel Krach zu veranstalten); einer ist dort
eingestiegen und hat eine Unmenge von Fingerabdrücken in der Dusche und
an der Tür zur „Küche“ hinterlassen, hat dem Anderen dann von innen die
Eingangstür (zweifach umgeschlossen, Schlüssel steckte) geöffnet. Just
in diesem Moment bin ich wohl wach geworden... Den Rest kennt ihr schon.
Nur eins noch: Es fehlte anschliessend der Schlüssel für das
Riesen-Vorhängeschloss des Gitters am Haupteingang und (wie erst einen
ganzen Tag später festgestellt) ein Messer.
Offensichtlich hatte ich Glück im Unglück: Von meinen Sachen fehlte
nichts und laut policia waren es keine professionales, denn die hätten
mich u.U. geschlagen oder erstochen.
Juchhu!!!!
Laut policia suchen sie sich die armas erst innerhalb der Wohnung, damit
sie keine am Mann haben, falls sie vorher draussen von der policia
kontrolliert werden. Die Hände und evtl. weitere Körperteile werden mit
aceite de motor oder gasolina oder petrolio eingerieben, damit die Hunde
nicht anfangen zu bellen...
Mir wurde übrigens nichts geklaut....
Mittlerweile war es 5:30 Uhr und an Schlafen war nicht mehr zu denken.
Ich musste eh gut 90 Minuten später Richtung Flughafen
aufbrechen........
Der 18.05. , der ja schon so überaus
erquickend begann:
Abfahrt zum Flughafen, Terminal 1 (National) um 06:30 Uhr. Den Alten
gegenüber, der mein Auto die Nacht bewachen sollte, habe ich keines
Blickes gewürdigt...
Ich komme über 20 min. zu früh an, weil ich meine Orientierungskünste
zur Flughafenfindung maßlos unterschätzt habe. LOL. Außerdem hat der
Flieger zudem noch 20 min. Verspätung. Es befinden sich nur eine
Handvoll Leute im Ankunftsbereich.
Vor lauter Langweile sehe ich mir voller Interesse die mehrfache
„Reparatur“ der elektrischen Schiebe-Ausgangstür an, aus der die
ankommenden Fluggäste aus dem Gepäckbandbereich kommen sollen und die
derzeit nur mit Gewalt aufgeschoben werden kann: im Verlaufe von ca. 45
min. wird die Tür mehrfach „repariert“, indem man die beiden beweglichen
Türflügel „ausrichtet“. Aha, jetzt tut sie wieder; schnell von innen
abschließen, damit keiner unbefugt Zutritt zum Gepäckbandbereich
erlangt!! Ach, da kommt ja schon wieder einer von außen, der ‚rein muss!
Alle zwei Minuten klopft jemand von außen und verlangt, eingelassen zu
werden. Eine muchacha schließt die Schiebetür von innen auf und wieder
zu..., auf und wieder zu. Zwischenzeitlich muss diese wieder
ausgerichtet werden... Ja ist denn noch niemandem aufgefallen, dass sich
just daneben eine sticknormale Tür befindet, die man auch benutzen
könnte? Ich fass’ mich an den Kopf!
Langsam wird’s im Innenbereich lebendig. Jedes Mal, wenn die Schiebetür
aufgeht, verrenke ich mir den Hals und gucke, ob mein novio zu sehen
ist. Die Glaswand mit Schiebetür ist mit einer undurchsichtigen
Beschichtung versehen, die durch die neugierigen Cubis von innen bereits
an einigen Stellen weggekratzt wurde. Schließlich will man/frau ja
sofort wissen, ob die familiares auch alle da sind, um einen abzuholen!
Ach, da gucken ja zwei durch eine größere, freigekratzte Stelle! Das
eine Gesicht kenn’ ich!
Winken darf ich aber nach ausdrücklicher Anweisung meines novios nicht.
Nach Möglichkeit soll ja nicht ersichtlich sein, dass er einen
Auslandskontakt hat (halte Dich mal so ein bisschen an der Seite und
wenn Du mich rauskommen siehst, dann gehe bis zum Auto vor; ich komme
dann nach und wir begrüßen uns im Auto! Es könnte ja sein, dass jemand
im Flieger sitzt, der ihn kennt). Das hat man davon, dass er a) eine
Tochter im Olympiateam hat und er b) in einem Hotel arbeitet (med.
Personal). So geht das jetzt schon 2,5 Jahre lang.
Toll, jetzt winkt er auch noch wie wild durch die geöffnete Schiebetür,
neben ihm steht aber ein Kumpel, der auch winkt und neben mir sitzt eine
muchacha, die zurückwinkt. Artig, wie ich nun mal bin, befolge ich die
Anweisungen und winke ich natürlich nicht! Vielleicht meint er ja die
muchacha, die er offensichtlich kennt?! Jetzt haben wir uns seit 3.
Oktober letzten Jahres nicht mehr gesehen und dann so ein
Schei...benkleister.
45 Minuten nach Ankunft des Fliegers und damit 1,5 Stunden nach meiner
Ankunft kommt er endlich raus, kommt auf mich zu und begrüßt mich wie
eine Bekannte. Na toll. Wir gehen also zum Auto. Die Begrüßung fällt
beiderseits nüchtern aus; seinerseits, weil er nun mal so ist,
meinerseits, weil ich erstens noch sauer bin, dass er mich den ersten
Tag hat hängen lassen, zweitens ich dieses Versteckspiel hasse und er
sich nicht einmal an seine Anweisungen hält und außerdem bin ich
drittens immer noch gedanklich mit dem Überfall beschäftigt. Dann werde
ich auch noch gefragt, warum ich nicht zurück gewunken habe. „Ach ja,
stimmt ja, dass hatte ich Dir ja gesagt. Du hättest aber ruhig zurück
winken können, das war ein Kumpel von mir“. Ja logisch, das sehe ich
auch sofort, denn es ist ja auf seine Stirn geschrieben! Oh Mann, haben
wir den Kopf heute zu Hause gelassen?
Während wir uns mit dem Wagen auf den Weg zum Terminal 3 machen (die
Karre hat, obwohl nur 19.000 km auf dem Zähler, vorne völlig defekte
Stossdämpfer und es stimmt was mit der Spur nicht – lebensgefährlich;
ich will unbedingt den Wagen umtauschen) erzähle ich also ausführlich,
was mir ein paar Stunden zuvor passiert ist. Seine Reaktion/sein Spruch:
Ja, das kann in HAV vorkommen (oder so ähnlich). Ich konnt’s nicht
glauben! Das war alles? Gut, ich habe gleich gesagt, dass ich
(körperlich) nicht verletzt und nichts geklaut wurde. Aber das kann doch
nicht die Reaktion eines novios sein?! Bin geladen, sag’ aber nichts.
Wenn das so weiter geht, ist der Urlaub schon jetzt für mich abgehakt.
Am Flughafenterminal 3, am Cubacar/Transtur-Schalter angekommen, erkläre
ich mein Problem mit dem Wagen und man ist anstandslos bereit, mir einen
anderen Wagen zu geben. Wenigstens etwas Positives. Mein novio hat es
vorgezogen, im Wagen sitzen zu bleiben. Während ich auf den
Austauschwagen warte, nutze ich die Gelegenheit, Muttern zu Hause
anzurufen und ein paar refrescos zu kaufen. Nach 10/15 min. kommt der
Wagen. Ich denk’ noch: na, das ging aber jetzt schnell, der Typ hatte
schon das neue Papierchen ausgefüllt, wir haben den Wagen auf Vorschäden
untersucht, das Gepäck meines novios ist umgeladen, ich unterschreibe
und muss noch eine Differenz für die bereits verfahrenen km bezahlen, da
stelle ich draußen fest, das drinnen der Zigarettenanzünder fehlt und
gehe deshalb noch mal rein, um das nachtragen zu lassen, da stellt der
Fachmann fest: huch, das ist ja die falsche Wagenklasse (Mittelklasse
statt Economie). Schiet, wäre ich bloß losgefahren! Telefonier’,
besprech’, ja, wir haben noch einen nagelneuen Wagen. Wir müssen ihn nur
mal eben vom Terminal 2 herholen. Ich wusste doch, dass ganze wird noch
einen Riesenhaken haben! Kurz und gut, nach sage und schreibe 1,5
Stunden bin ich dann mit dem Austauschwagen (einem Peugeot) von dannen
gedampft, nicht ohne vorher noch einmal Geld abdrückt zu haben, denn der
neue hat ja eine Tankkapazität von 65 l, der andere nur von ca. 50 l.
Natürlich hat man es sich nicht nehmen lassen, mich auch hier wieder zu
behumpsen: Der Tank war wieder nicht ganz voll! Egal, nur weg hier!
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mit ein.