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Reisebericht von (c) Amigo3
März 2006 – Cuba die 8te
Eine Reise mit gutem Vorsatz: Menos ron mas amor
CUC = Peso convertible, 1
CUC = 1 $
MN = peso nacional, 1 CUC = ca. 24 MN
* wird am Ende des Berichts übersetzt
Ich treffe meinen Spezi
Herbert aus München schon in Düsseldorf. (Wir haben uns über
Internet verabredet – Forum – zwecks Kostenteilung Taxi von
Holguin nach Santiago). Wieder diese strapaziöse Anreise. Es
kommt mir jedes Jahr vor, als wenn der Flieger länger
unterwegs ist als beim letzten Flug. Wir haben ca. 1 ½
Stunden Verspätung als wir in Holguin landen. Zuerst fallen
mir die Hunde auf, die das Handgepäck von den Passagieren
vor der Passkontrolle beschnuppern. Ich hoffe nur, dass sie
nicht scharf auf meine Fleischwurst sind, die sich im
Rucksack befindet. Aber die interessiert sie gar nicht. Sind
nur auf Drogen abgerichtet.
Nach der Kontrolle ist es dann aber doch um meine liebste
Reisebegleitung geschehen: Die Röntgengeräte am
Check-out-Schalter finden meine Fleischwurst mit Brötchen.
Einfuhr (dieses Jahr) verboten. (Bisher nie Probleme
gehabt). Vielleicht ist
aber auch schon der Begriff Vogelgrippe auf Cuba bekannt und
die hombres halten meine Notverpflegung für eine
Geflügelwurst…………
Herbert ist längst durch die Kontrollen, hat auch schon sein
Gepäck vom Rollband geholt und kümmert sich um eine
Mitfahrgelegenheit während ich noch einige Euros in CUC
tausche.
Wir fahren mit einem Großraumtaxi nach Santiago. Außer uns
noch ein dritter Fahrgast, der zum Hotel Melia Santiago
möchte und ebenfalls 25 CUC bezahlt hat.
Um Mitternacht kommen wir in der Stadt an. Zuerst wird der
3. Mann am Hotel abgesetzt. Herbert wohnt in der Nähe, auch
kein Problem. (Wir verabreden uns für den nächsten Freitag
im Casa Grande). Bei mir ist es etwas komplizierter. Ich
muss erst zu calle Los Maceos 631. Dort wird mich
hoffentlich die Mutter von Teo (auch Forumsmitglied)
erwarten und mich zu meiner casa bringen. Nach einigem
Suchen
(taxista und sein Begleiter kennen sich nicht aus in
Santiago) finden wir die Adresse.
Ich lieferte zuerst das Päckchen ab (alegria*), dann fahren
wir mit der Dame Richtung Stadtmitte. Ich lande in der Pio
Rosado, nur einige Minuten zu Fuß vom Plaza Cespedes. Der
Vermieter ist Juan Carlos, genannt Papa. Ein junger
drahtiger hombre, um die dreißig, sehr geschäftstüchtig und
hilfsbereit.
Mit meiner casa habe ich wirklich Glück gehabt, 1. Etage,
ein Apartment, ca. 20 qm groß inklusive Bad und Terrasse.
Einen Safe, Kühlschrank, TV und CD-Spieler, der
wahrscheinlich auf Dauerbetrieb stehen wird, gibt es auch.
Die Einrichtung komplettiert ein Standventilator und ein
großer Turboprop unter der Decke. Wichtig ist für mich auch
der separate Eingang. (Eisengitter und schwere Holztür mit
zwei Schlüsseln).
Duschen und raus. Ich muss
unbedingt noch einen Spaziergang machen und etwas essen.
(Die Fleischwurst fehlt). Zuerst zum Plaza Cespedes, meinen
taxista und amigo Oscar suchen, den ich letztes Jahr kennen
gelernt habe. Leider ist der an keinem Taxistand
aufzutreiben. Auch mit Essen und Trinken sieht es schlecht
aus. - Mitten in der Woche und es ist schon fast 2.00 Uhr. -
In einer Seitenstrasse finde ich einen Laden, der 24 Stunden
geöffnet hat. Hier wird alles mit MN bezahlt, aber natürlich
werden auch CUC gerne genommen. Pollo*, nein danke, das ist
nichts für meinen empfindlichen Magen. Cerveza si. Sofort
leisten mir einige Damen Gesellschaft. Alle Tänzerinnen im
Tropicana, wie sie sagen. Diese muchachas habe ich aber
hübscher in Erinnerung…. Aber wenigstens Phantasie haben
sie.
Die Flaschen ganz hinten im Regal sind viel interessanter.
Ich frage die mamasita, wie viel die Flasche ron mit dem
Namen caribe kostet. 20 MN. Da ich nicht von dem Preis auf
den Inhalt schließen möchte, muss ich erst mal eine Probe
nehmen. Einige Rastafari, die zugehört haben, bieten sich
an, meinen 10 CUC Schein, den ich in der Hand habe, irgendwo
zu wechseln. Meine mamasita, die hinter dem Rücken dieser
hombres steht, winkt nur ab und schüttelt den Kopf. Habe mir
schon gedacht, dass die bandidos mit dem Schein auf
Nimmerwiedersehen verschwinden wollen. Ich kratze noch 2 CUC
monedas* zusammen und kaufe die Flasche. Der Fusel brennt
kräftig im Hals, ist aber trinkbar. Natürlich auch einige
Gläser für mamasita, die Tänzerinnen und die bandidos. Diese
bieten mir eine puro an. - Passend zu dem ron, ein ganz
mieses Kraut. - Das ist ein bescheidener Einstand in
Santiago.
Zeit für mein Bett. Ich verschwinde mit einem Rest der
Flasche nicht ohne meiner negra cantinera* einen grande beso*
geben.
Donnerstag, 16. März
Schon um 8.00 Uhr auf. Ich hatte vergessen, die Tür zur
Terrasse zu schließen. Also Lärm von der Straße. Sind das
tatsächlich cubanos, die zur Arbeit fahren?
Der Hals ist trocken. Ich muss raus aus der Karre. Letzte
Nacht habe ich mich für 9.00 Uhr zum Frühstück angemeldet.
Nach einem ausgiebigen Bad gehe ich auf die Straße. Der
Krach kommt von den ambulantes*, die auf Holzwagen mit
kleinen Eisenrädern besonders Obst und Gemüse verkaufen.
Papa wartet schon und bringt mich zwei Häuser weiter. Die
Dame des Hauses heißt Pilar. Ich sage natürlich senora dona
Pilar. Aber sie meint, das soll ich ganz schnell vergessen.
Also nur Pilar. Sie ist eine von den Damen, die die
kubanische Wirtschaft noch am Leben (Röcheln) hält. Bester
Service (Saft, Früchte, Eier, Wurst, Käse, Kaffee) mit viel
Fürsorge und Konversation im kleinen patio des Hauses. Auch
hier gibt es noch einige Übernachtungsmöglichkeiten mit
Familienanschluss. Das morgige Frühstück bestelle ich für
zwei Personen, weil ich heute meine linda cubana abholen
werde, die bei mir wohnen wird.
Also wieder zum Plaza Cespedes, denn ich möchte mit dem Taxi
nach Las Guasimas und Yarisleikis besuchen. Wieder frage ich
nach Oscar. Aber das ist die Tagesschicht, die hier auf
Kundschaft wartet. Anscheinend kennen sie ihre Kollegen von
der Nachtschicht nicht. Vergiss es. Ich sehne mich nach
meiner linda cubana.
Vamos. Mit dem Taxi zuerst zu meinem casa. Ich muss die
Tasche mit den regalos* holen. Dann unterwegs in einen
Supermarkt. Ron, cerveza, refrecos und Dosenfleisch, nach
dem die cubanos so verrückt sind. Anschließend Richtung
Siboney. Sie wohnt in der Nähe der Kreuzung zum Gran Piedra.
Aber von der Hauptstrasse aus geht es noch ca. einen km in
die Pampas. Der taxista muss warten und ich frage mich durch
bis zu ihrem casa, das hinter dem Hügel liegt. Dann bin ich
richtig. Die Liebste fällt mir in die Arme. - Es ist noch
alles da, was mich letztes Jahr so verrückt gemacht hat.
Leider sind wir nicht allein. Der kleine primo Julian, der
um uns rum läuft, stört das zärtliche Beisammensein. Meine
princesita kommt mit zur carretera*. Im Taxi sind ihre
Tasche und mein Rucksack, die wir uns holen. Ich sage ihr,
dass sie erst mal auspacken soll, denn es wird ein
besonderer Spaß für mich sein, sie dabei zu beobachten.
Blusen, Röcke, Hosen, Schuhe habe ich gekauft. Sie will
alles sofort anprobieren. Ich lag richtig. Für ihre bella
figura ist es einfach Kleidung zu kaufen. Nur mit den
Schuhen. - Das passt ja gar nicht. (Habe nicht gedacht, dass
die cubanas so große Füße haben. - Wird nachgekauft). Da
gibt es aber auch noch einiges zu erklären. Zum Beispiel
Tampons, die auf den ersten Blick nicht als solche zu
erkennen sind. Medizin, die ich gesammelt habe,
Vitamintabletten etc. Dann präsentiere ich die kleine
Stereoanlage mit CD-Spieler, Spannungswandler, Akkus und
Ladegerät. (Natürlich versagt in diesem Augenblick die
Technik). Ich habe auch wieder eine Menge CDs gebrannt, die
ausgebreitet auf dem Tisch liegen.
Zum Wiedersehen gehört auch die Flasche ron, die ich öffne,
und cerveza und der refreco. - Mi amor trinkt keinen Alkohol
und raucht nicht.
Ich frage, warum sie so selten geschrieben hat. Daraufhin
zeigt sie mir einen Brief, auf dem meine korrekte Anschrift
steht, der aber wieder zurückgekommen ist, weil er angeblich
nicht zugestellt werden konnte. Umgekehrt genau so. Meinen
letzten Brief hat sie nicht erhalten. Deswegen wusste Yari
auch nicht, dass ich heute eintreffe. Meine Piepen, die ich
geschickt habe, sind auch noch nicht angekommen. Es ist eine
Katastrophe mit der Verbindung nach Cuba, wenn die Dame kein
Telefon und kein Zugang zum Internet hat.
Die Geschenke von dem reichen Onkel aus alemania haben sich
mittlerweile in alle Räume und alle Ecken verteilt. Der
kleine Luis sorgt dafür, dass auch alles geöffnet und
ausprobiert wird. Wir verabschieden uns. Yari wird auf den
Kurzen aufpassen bis heute Abend um 19.00 Uhr die Mutter
kommt. Und ich werde versuchen, den grande amigo Oscar
aufzutreiben. Por favor, ein Taxi. Gar nicht so einfach.
Irgendwo in der Nachbarschaft gibt es ein Telefon. Fast eine
Stunde Wartezeit. (Gelegenheit für Musik, die endlich
spielt, und einige Schluck ron). Ich tausche ihre 20 Euro,
die ich in alemania in ihre neue Geldbörse gesteckt habe in
CUC. Hasta luego, bonita. Sie wird ihre Tasche packen und
spätestens um 20 Uhr mit demselben taxista zu meinem casa
kommen.
Ich habe die Visitenkarte
von Oscar und wir fahren direkt zu dieser Adresse. Der
hombre ist tatsächlich zu Hause. Großes Hallo. Mercedes
(Mutter) und Barbara (Frau) sind auch da. Die Damen möchten
natürlich ihr casa particular* vermieten.
Ich sage ihnen, dass ich erst mal meine jetzige Unterkunft
für eine Woche gebucht habe. Alles andere soll meine Liebste
entscheiden.
Dann fährt Oscar mich zu meinem casa. Unterwegs muss ich
noch einkaufen, damit der Kühlschrank gefüllt wird. Ich lade
den amigo ein, meine Räumlichkeiten zu besichtigen. Er ist
angenehm überrascht. Wir verabreden uns für Samstag. Ich
werde mich telefonisch melden.
Ich habe mit seiner Frau über das Thema Verhütung
gesprochen. Es gibt angeblich die Möglichkeit, dass meine
Dame in der clinico international für 20 CUC eine Spritze
bekommt und damit für einen Monat unfruchtbar ist. (Für mich
optimal - nur keine Kondome). Aber das muss natürlich erst
mal diskutiert werden mit Yari.
Um ungefähr 20 Uhr ist sie
da und zieht in mein casa ein und mit ihr das große Chaos.
(Erwähnenswert ist auch, das sie mit einem moto* kam und der
hombre 10 Pesos haben wollte. Ich habe ihn für einen bandido
gehalten, beschimpft, und ihm „nur“ 5 CUC gegeben - aber es
waren doch MN gemeint! - noch nicht ganz angekommen auf
Cuba…..)
Yari nutzt jede Ecke des Apartments aus, um irgendwelche
Klamotten oder sonstige Sachen abzulegen. Ich bin laufend am
Aufräumen, weil ich nichts wieder finde. (Jedes Teil muss
seinen Platz haben. - Typisch deutsch). Aber da gibt es ja
auch noch ihr Temperament, ihre Zärtlichkeit und das gute
Gefühl mit ihr zusammen zu leben. Und das ist viel wichtiger
als alles andere.
Essen gehen wir heute Abend im Casa Don Antonio. (Gutes
Restaurant am Plaza Dolores). Der Laden ist voll bis zum
letzten Platz. (Touristengruppe) Und wir müssen warten ohne
Ende. Nach ca. 30 Minuten kommen unsere Getränke. Nochmals
30 Minuten und zwei Reklamationen, dann gibt es Essen. Das
können wir vergessen. Wie kann man die Gambas nur so
versauen? Teilweise angebrannt und versalzen. (Anscheinend
sind die cubanos in der Küche total überfordert wegen dem
Andrang. Ich hatte das Lokal in guter Erinnerung). Nur mein
Fisch mit Reis ist ok. Kaffee gibt es auch nicht. Dafür
einen großen ron für mich, um den Ärger runterzuspülen. Ich
habe keinen Bock, mich aufzuregen. Also verschwinden wir.
(Rechnung 23 CUC inkl. Getränke).
Freitag, 17. März
Das Frühstück ist wieder vom Feinsten. Diesmal mit viel
Obst. Bananen, Guayabe, Sapote und Ananas. Der Kaffee weckt
sogar Tote wieder auf. Und für Yari gibt es sogar eine große
Tasse Schokolade. Die sie zwar bestellt hat, aber nicht
trinkt. Meine Dame genießt die besondere Fürsorge von Pilar.
Auf jeden Fall scheinen die beiden zu einem sehr guten
Verhältnis zu finden.
Nach dieser Stärkung hat die linda cubana einen besonderen
Wunsch: Neue zapatas*. Das kann ich ihr nicht abschlagen,
weil versprochen. Ich ahne noch nichts Böses, als wir
losstiefeln zum ersten Schuhladen. (Öfter Auskunft
eingeholt). Es muss ein besonderes Geschäft sein, meint sie.
Nachdem wir dieses gefunden haben, geht mir das erste Licht
auf: Ich werde heute richtig bluten. Nike, Reebok, Adidas
etc. versammeln sich im Schaufenster. Die Statussymbole, die
die cubanas haben müssen. (Steigert das Selbstwertgefühl und
ist chic zum Angeben). Von 60 CUC aufwärts gehen die Preise.
Zum Glück ist die Größe 41 nicht dabei. Aber meine Liebste
gibt so schnell nicht auf. Noch ein Schuhladen. Wieder kein
Glück mit der Größe. Um die Ecke ist ein Kaufhaus. (Von
draußen kann man nie erkennen, was es drinnen zu kaufen
gibt). Schon vor dem Eingang ist ein Riesenandrang. Ich darf
nicht rein, weil ich einen Rucksack habe und gebe ihr meine
Geldbörse. Eine geschlagene Stunde warte ich vor dem Laden.
Dann kommt sie endlich raus mit den Tretern: Ein Paar
Reebock für 58 CUC. Ich bin schon verärgert. Aber dann sehe
ich ihr glückliches Lächeln und mache nur eine ironische
Bemerkung: Reebok - estados unidos -la marca de gusanos*).
Am Nachmittag sind wir
durch Zufall die Zuhörer eines Konzertes vor dem Bacardi
Museum. Verschiedene Bands spielen Salsa und auch musica
cubana tradicional.
Dort treffe ich auch Herbert wieder, der wie ich auf dem Weg
zu unserem Treff im Casa Grande ist. Erfahrungsaustausch.
Am Abend geben wir dem Restaurant Don Antonio eine zweite
Chance, weil diesmal nur halb voll. (Ich möchte das paladar*
La Cosinita besuchen. Das ist aber leider geschlossen). Der
Service ist diesmal perfekt. Ich bestelle das Fischfilet
„Don Antonio“. (Empfehlung aus dem Internet). Das ist sehr
gut, kann ich nur empfehlen. (8 CUC). Für Yari ist der Fall
klar. Sie ist verrückt nach Gambas. Auch diesmal sind sie
nicht so, wie sie sein sollten. Auch diesmal bemerke ich,
dass beim Essen ihr Messer unbenutzt bleibt. Wenn sie mit
der Gabel allein nicht zurecht kommt, nimmt sie den
Zeigefinger der rechten Hand. Ich scherze mit der Liebsten
und sage ihr, dass es dafür in alemania eine multa* gibt.
Sie schaut mich aus ihren großen Augen ganz entsetzt an. Ich
muss lachen, sage ihr aber dann, dass sie mal versuchen
soll, auch das Messer beim Essen zu benutzen. Vale, das
klappt doch.
Ich habe mir eine Erkältung
gefangen. Ursache ist der Turboprop unter der Decke. Aber
ohne den geht nichts bei der Bullenhitze.
Samstag, 18. März
Heute rufe ich Oscar gegen Mittag an. Es wird langsam Zeit
etwas zu unternehmen. Wir möchten zur Playa Verde, ca. 20 km
von Santiago entfernt Richtung Westen. Aber das ist nicht
das Wahre. Kein schöner Strand. Viele Steine und grober
schwarzer Sand. Trotzdem gehe ich schwimmen. Wenigstens das
Wasser ist klar. Meine linda cubana zeigt ihren neuen
Bikini, den ich in alemania für sie gekauft habe. Dann geht
es weiter. Oscar hat noch einen Tipp. Nur zwei km weiter
gibt es die playa Buey Cabon. Die ist wirklich schön. Heller
Sandstrand, aber auch viele Leute. In der cantina Sese kennt
Oscar einige amigos. Ich kaufe eine Flasche ron und lasse
meine CDs spielen. (Hoffe, dass mit der Flasche vitaminas
endlich meine Erkältung verschwindet). Das alte Cuba-Feeling
stellt sich ein.
Die cubanos sind alle gut drauf, weil die Flasche ihre
Kreise zieht und Reggaeton gespielt wird.
Ich habe meine cubana im Arm und erzähle ihr von meinem
Urlaub im letzten Jahr bevor wir uns kannten. Die richtige
Zeit mal meine „Sünden“ zu beichten. Zum Beispiel als ich
versucht habe, eine zweifelhafte Dame für eine Nacht mit ins
Hotel zu nehmen.
Nach 3 Stunden geht es zurück nach Santiago. Ich brauche
erst mal einen Imbiss. Da gibt es ein gemütliches Cafe nur
einige hundert Meter von unserem casa entfernt. 24 Stunden
geöffnet. Nur fünf oder sechs Tische in einem patio. Hier
werde ich in nächster Zeit öfter anzutreffen sein.
Die Dame verschwindet ins casa, weil sie müde ist. Oscar
wird heute Abend wieder erscheinen, weil wir El Cayo
besuchen wollen. Das ist ein Restaurant auf der kleinen
Insel Cayo Granma in der Hafenbucht von Santiago.
Als ich vom Essen
zurückkomme, ist Besuch im Haus. Junita, die Schwester von
Yari ist da. Die muchachas sind gut drauf. Lachen und
tanzen. Dann geht die Schwester los und möchte was zu essen
kaufen. Womit kommt sie wieder? Viel Eis und einer Tüte mit
Süßigkeiten. Dann verabschiedet Junita sich. Wir müssen uns
fertig machen für unseren Ausflug.
Oscar ist pünktlich und um
20.30 Uhr setzen wir die paar Meter mit dem Schiff über.
Ganz plötzlich setzt ein fürchterlicher Regen ein. Und als
wir wieder an Land sind, werden wir erst mal richtig nass.
Und dann noch falsch ausgestiegen. Warum hat uns keiner
gesagt, dass es hier verschiedene Anlegestellen gibt? Wir
sind im Nirwana. Nur einige verlassene Häuser und es ist
fast stockdunkel. Yari überfällt eine große Panik und sie
fängt an zu heulen. Ich nehme es locker - der ron - und das
Zeug wirkt immer noch. „Das ist doch ein romantischer Platz
für einige zärtliche besitos*“ sage ich zu ihr, nachdem wir
wegen der Nässe in eine Ruine geflüchtet sind. Natürlich
versuche ich sie zu trösten, nehme sie in den Arm und halte
sie ganz fest, weil es mit dem Regen auch kalt geworden ist.
Und immer wieder muss ich lachen, weil sie mir letztes Jahr
gesagt hat, dass sie Abenteuer liebt. Und ich erinnere sie
daran. Aber davon will sie in diesen Minuten nichts mehr
wissen. Endlich schleichen ein paar Schatten vorbei, die wir
fragen können. Die kennen sich aus, weil sie auf der Insel
wohnen. Mit einem winzigen Boot werden wir zu einer anderen
Anlegestelle gebracht. Meine Liebste ist wieder in heller
Aufregung, weil diese Nussschale kräftig am Schaukeln ist
(und sie kann nicht schwimmen). Natürlich treibe ich wieder
meine Scherze und sage ihr, dass ich ein ausgebildeter
Rettungsschwimmer bin.
Dann erfahren wir auch noch zu allem Glück, dass das
Restaurant El Cayo geschlossen ist. Wir werden zu einem
paladar* geführt. Dort gibt es erst mal Getränke. Wir
bestellen Fisch und Gambas. Dazu gibt es Brot und Salat.
Aber die Rechnung erstaunt mich doch etwas: 27 CUC. Das ist
zu teuer. Also haben die Leutchen unsere Notlage ausgenutzt.
(Vielleicht ist dieses Restaurant auch gar nicht
geschlossen). Danach mit dem Sohn in eine Disco, in der der
Bär tanzt. Angeblich soll um 23.30 Uhr ein Schiff zurück
fahren. Das war wohl nichts. Yari wird unruhig. Möchte
runter von dieser seltsamen Insel. Eine Stunde später kommt
endlich ein Boot. (Also jetzt nicht an der ersten
Anlegestelle aussteigen sondern an der zweiten). Oscar
wartet zu unserem Glück auf uns. Die Dame möchte sofort ins
casa. Ist geschafft für heute.
Sonntag, 19. März
Meine linda cubana hat keinen Appetit. So gehe ich allein
zum Frühstück. Heute besuchen wir das Reparto Sueno um einen
Brief von Uwe abzuliefern. Wieder diese Hitze. Deswegen
nehmen wir uns ein Taxi. (Kostet innerhalb der Stadt 2 CUC).
Leo, der Bekannte von Uwe ist auf unseren Besuch
vorbereitet. Er hat als Privilegierter (arbeitet zeitweise
für die cubanische Verwaltung) sogar einen PC im Haus. Ich
gebe Leo unsere Anschrift. Wir werden uns während meines
Urlaubs wieder sehen. In der Nähe des Bus-Terminals nehmen
wir ein Taxi zurück ins Zentrum.
Danach endlich eine Internetverbindung bei Megacen am Plaza
Cespedes.
(Preis wie letztes Jahr. Eine Stunde 5 CUC).
Am späten Nachmittag haben
wir wieder Besuch von Junita. Ich lade sie ein, mit uns
Essen zu gehen.
Auf unserem Spaziergang durch das Zentrum treffen wir am
Abend eine Freundin von Yari mit einer zweiten muchacha, die
auf dem Weg zum Palza Cespedes sind. (Na, was suchen die
wohl dort an einem Sonntagabend? Vielleicht die
Bekanntschaft einiger Touristen, die ihre Pesos loswerden
wollen?)
Meine bonita und Schwester haben mal wieder alle Sorten
Parfüm und Creme aufgetragen, die ich mitgebracht habe.
Dementsprechend verbreiten sie einen Duft wie ein
Freudenhaus. Für mich ist das auch der Grund warum der
„freundliche“ Polizist in der Heredia ihre carnets* sehen
möchte. Dann gibt es eine Verwarnung. Die Adressen werden
notiert und die Empfehlung so schnell wie möglich bei der
Immigracion y Extranjeria* unsere Beziehung mit einer
entsprechenden Bescheinigung zu legalisieren. Was soll ich
dazu sagen? Meine Einwände, dass wir in der casa registriert
sind (auch die Schwester) zählen nicht.
Also, das konnte wahrscheinlich nicht gut gehen. Mit zwei
muchachas im Arm, die aufgedonnert sind wie putas am
Sonntagabend durch Santiago. Die Damen sind schockiert und
haben Angst. - Morgen müssen wir erst mal dieses papelito*
besorgen.
Aber auf diesen Schreck erst mal was essen im Restaurant
1900. Zweimal Spagetti, wieder camarones, Salat. Für mich
merluza a la plancha*. Hier gibt es sogar spanischen
Weißwein. Möchten wir probieren. Ich bestelle eine Flasche.
Die Rechnung insgesamt inkl. Kaffee und ron ca. 30 CUC. Das
Lokal ist zu empfehlen.
Sehr angenehmes Ambiente (Kolonialstil).
Junita fährt nach dem Essen mit einem guagua* nach Hause
Richtung Siboney. Yari möchte schnell ins casa wegen der
policia.
Ich gehe allein los und suche Oscar. Er wollte sich
informieren wegen eines günstigen Leihwagens. Der hombre ist
nicht zu finden. (Naja, er hat es ja auch nicht nötig -
schon 45 CUC bei mir verdient). Dafür treffe ich die beiden
Damen wieder und lade sie in unser casa ein. Visitantes*
sind bei Yari immer willkommen und sie freut sich auch über
die unerwartete Gesellschaft. Ich trinke mit Sonja die
Rumvorräte leer und irgendwie hat sie es mir angetan.
Wahrscheinlich schaue ich ihr viel zu tief in die Augen beim
Rum trinken.
Einige Zeit später verschwinden die Besucherinnen. Ich muss
mit, noch ein paar Getränke besorgen. Da bietet sich
natürlich wieder meine Cafeteria an. Noch einige bebidas*.
Sonja erzählt mir, dass sie in einem Männergefängnis
arbeitet und der Job sehr hart ist. Die ersten besitos*.
Dann fallen alle Hemmungen. Wir liegen uns in den Armen und
knutschen und begrabschen uns. (Oreste, du bist das
Allerletzte). Die Dame ist ja total ausgehungert. Wären wir
nicht in einem öffentlichen Lokal gewesen, ich weiß wohl,
was alles abgelaufen wäre. Die Freundin amüsiert sich und
erzählt, dass sie keine Arbeit hat und wie schwierig ihr
Leben auf Cuba ist. (Ich schiebe ihr unter dem Tisch 10 CUC
zu. (Schweigegeld?)
Sonja gibt mir ihre Telefonnummer und ich verspreche, heute
um 16 Uhr anzurufen.
(Es wäre interessant zu erfahren, ob nur der Rum hinter all
dem steckt….)
Um 3 Uhr bin ich wieder im casa. Jetzt ist was los. Meine
Herzdame möchte wissen, was ich getrieben habe. Sie führt
ein Verhör wie bei der policia. Die Hälfte weiß sie schon,
ohne dass ich etwas erzähle. (Kennt das Denken und Handeln
der cubanas wohl besser als ich). Sie krempelt meine Taschen
um und schaut in meine Geldbörse. Leider findet sie dieses
verdächtige papelito mit Telefonnummer und Namen von Sonja.
Dieses Teil wird erstmal in tausend Stücke zerkleinert.
Dabei schimpft sie wie ein Rohrspatz. Ich versuche eine
Erklärung: Sonja möchte einen novio* in alemania finden und
ich soll vermitteln. Das stimmt sie milde. (Eifersucht bei
den cubanas sehr ausgeprägt). Aber mein Anruf bei Sonja hat
sich damit erledigt.
Montag, 20. März
Heute bin ich es, der nicht zum Frühstück geht, weil
verschlafen und einige bebidas zu viel. Die Gedanken an
Sonja sind auch noch präsent.
Wir müssen aber wir dieses Dokument besorgen bei der
immigracion, das für zwei Jahre gültig ist und 50 CUC
kostet. Also los mit dem Taxi. Zuerst nach San Luis, wo die
Mutter von Yari in einer Schule in der Kantine arbeitet.
Meine linda cubana benötigt eine zahnärztliche Behandlung.
Das wird hier erledigt. - Beziehungen auf Cuba ist das halbe
Leben. Der Aufenthalt dauert zwei Stunden. Ich warte in der
brütenden Hitze und schwitze den ron vom Vortag aus. Junita
mit dem kleinen Luis sind auch da und werden mit uns fahren.
Dann auf dem Rückweg zur Immigracion. Nach einer halben
Stunde Wartezeit erfahren wir, dass dieses Dokument erst am
späten Nachmittag ausgestellt werden kann. (Es ist 1.30 Uhr
und ich vermute eine Schikane oder Unlust der Beamten).
Auf der Rückfahrt gibt der taxista seine Meinung kund und
meint dass dieses Dokument total überflüssig ist. Aber Yari
ist nach dem gestrigen Erlebnis nicht zu überzeugen. Am
Plaza Dolores Essen und Trinken für alle. Dann zurück ins
casa. Die Dame ist unruhig. Sie möchte nochmals ihr Glück
bei der Immigracion versuchen. Ich gebe ihr meinen Pass und
50 CUC. Dann verschwindet sie mit einem motociclista*.
Junita bleibt bei mir, um den ron Varadero zu probieren, den
ich gekauft habe. Luis hat seinen Spaß daran in dem
Apartment ein großes Chaos anzurichten, indem er alle
möglichen Gegenstände zum Spielen nutzt.
Apropos Chaos. Meine linda cubana hat sich zum Positiven
verändert. Es ist Ordnung in unserer Unterkunft, nachdem ich
ihr gesagt habe, dass ich so nicht wohnen kann.
Ca. eine Stunde später kommt Yari wieder und hat ein
papelito mit einem Termin für morgen.
Am Abend lassen wir uns von einem Schlepper in ein paladar
lotsen. Wir landen in einer dunklen Seitenstraße in der
ersten Etage. Aber hier wohnen keine armen Leute. Die
Ausstattung der Wohnung ist vom Feinsten. Leider auch der
Preis für das Essen: 30 CUC. Zu erwähnen ist noch eine
Baseball-Übertragung. Alle Familienmitglieder schauen
gebannt auf die Mattscheibe. Auch meine Liebste ist eine
Fanatikerin von diesem seltsamen Sport (dessen Regeln ich
nicht verstehe).
Yari geht nach dem Essen sofort ins casa wegen der noch
fehlenden Papiere. Ich besuche noch das Casa de la Trova.
Hier hat sich gegenüber dem letzten Jahr nichts verändert.
Der größte Teil der Besucher sind Touristen. Die Musik ist
wirklich prima. - Trova tradiconal alla Santiago.
Dienstag, 22. März
Yari fährt um 11 Uhr los. Wieder mit dem moto zur
Immigracion. Ich bezahle 140 CUC an Papa für die erste Woche
und sage ihm auch gleich, dass wir noch zwei Wochen länger
bleiben werden. Für die restliche Zeit wird dann die casa
nur noch 15 CUC pro Tag kosten.
Erst am Nachmittag um 14 Uhr kommt Yari zurück mit dem
Dokument in den Händen. Dieses Teil besteht aus einer DIN A5
Seite. Darauf steht certificado, die Gültigkeitsdauer zwei
Jahre, unsere Namen, Nummer meines Passes bzw. ihrer carnet.
Abgestempelt und beglaubigt. Sie ist glücklich aber total
geschafft. Ich gehe los und besorge auf der Hauptstrasse an
einem Stand einige bocadillos*. (Vier Stück 1 CUC).
Anschließend fahren wir mit dem Taxi zum Hotel San Juan. Ich
möchte gerne schwimmen gehen und hier gibt es auch für
Besucher, die nicht im Hotel wohnen, diese Möglichkeit. Der
Eintritt gestaltet sich schwierig, weil der erste portero*
meint, es wäre für Fremde schon geschlossen. Ein Bekannter
von Yari verschafft uns dann Eintritt. Gepflegtes und
erholsames Ambiente. Man merkt nicht, dass man sich in einer
Großstadt befindet, weil das Hotel in einem Park liegt.
Wir bleiben bis zum frühen Abend und fahren dann zurück zum
Plaza Cespedes.
Ich möchte gerne die Dachterrasse auf dem Casa Grande
besuchen.
Vor dem Abendessen muss ich mal wieder zum Geldautomaten mit
der Visa. Für die linda cubana ist es immer noch ein kleines
Wunder, dass ich mit diesem Stück Pappe ein Bündel CUC
abholen kann. Heute besorgt sie selbst die Piepen. (Meine
Geheimnummer hat sie schon längst in ihrem hübschen Köpfchen
gespeichert).
Yari äußert den Wunsch nach einer eigenen Visa-Karte. Das
rede ich ihr aber ganz schnell aus. (Solo para gente que
viven y trabajan en alemania*). Wieder erkläre ich ihr den
Unterschied des Lohn/Preis Verhältnisses zwischen Cuba und
Deutschland.
(Immer wenn es um alemania und dineros geht, wird sie
besonders hellhörig).
Yari möchte heute in das Lokal schräg gegenüber von Don
Antonio zum Essen. Obwohl ich sie warne, weil nur ein Tisch
besetzt ist. (Wenig Gäste, schlechte Küche).
Ich habe leider Recht. Das Essen ist miserabel.
Danach besuchen wir ein Gemeindehaus gegenüber vom
Bacardi-Museum. (1 CUC Eintritt). Fast jeder Platz besetzt.
Vier Musiker spielen trova. Die Luft vibriert in dem kleinen
Saal. Auf Nachfrage sagt man mir, dass wir im Casa de la
Cultura sind.
Gegen 23 Uhr schwingt der gesamte Salon im Rhythmus der
Musik. Leider ist kurz danach Schluss und ich spaziere,
total durchgeschwitzt, mit Yari Richtung Pio Rosado.
Mittwoch, 22. März
Erst wieder das gute Frühstück bei Pilar genossen. Dann gehe
ich los und besorge einen Wagen für unsere Reise nach
Guadalavaca. Auf Vermittlung eines taxistas lande ich zuerst
im Büro von Havanautos am Plaza Cespedes. Dort bietet man
mir einen Peugeot 206 für 55 CUC pro Tag an. Leider keine
Alternativen. Ich fahre mit einem Angestellten einen km
weiter zu einer Tankstelle, erledige die Formalitäten (für
eine Mietdauer von 3 Tage) und fahre zurück zur Pio Rosado.
(Das erste Mal verfahren, weil das Zentrum von Santiago aus
einem Gewirr von Einbahnstrassen besteht).
Dann geht es los. Meine Liebste ist glückselig und probiert
gleich den CD-Spieler im Wagen. Eigentlich kann nichts
schief gehen, denn ich habe mir kurz vor dem Abflug in
Deutschland noch eine Straßenkarte besorgt.
Ich komme mir während der Fahrt vor, als wenn ich ein
Zubringerdienst zwischen Santiago und Holguin bin. Immer
wieder steigen auf Veranlassung von Yari Leutchen ein und
aus, die am Straßenrand auf ein guagua* oder eine
Mitfahrgelegenheit warten.
Über die Straßenverhältnisse möchte ich mich nicht weiter
auslassen. Die kennt ja jeder Eingeweihte. Besonders auf der
halben Strecke zwischen Santiago und Holguin gibt es
Schlaglöcher, die bei entsprechender Geschwindigkeit, das
Auto ruinieren können. Ich habe das Gefühl, dass wir uns
verfahren haben. Da gab es vor ein paar km ein Straßenschild
(Rarität auf der autopista) Richtung Banes. - Leider habe
ich vor ein paar Tagen nur einen flüchtigen Blick auf die
Karte geworfen. Zu spät. Wir landen in Holguin. Von dort
Richtung Guadalavaca. Ich habe gehofft, dass ich unterwegs
eine Tankstelle finde. Nada. Die Tankanzeige ist schon lange
auf Reserve. Die Situation wird kritisch. Zwischen Holguin
und Guadalavaca gibt es eine große Kreuzung (Rafael Freyre).
Dort machen wir Pause. Reserve fast auf 0. Ich muss mir
etwas einfallen lassen. Erst mal einige cubanos fragen. Wo
ist die nächste Tankstelle? Aber wie immer: Fragst du zwei
cubanos bekommst du fünf verschiedene Antworten. Dann bitte
ich alle Passagiere auszusteigen, um Sprit zu sparen. Wir
fahren weiter Richtung Guadalavaca. Da es sehr oft bergab
geht, schalte ich den Motor aus. Endlich kommt ein Schild:
Gasolinera 4 km. Ich rolle wahrscheinlich mit dem letzten
trago*, auf die Tankstelle.
Guadalava erinnert mich an Santa Maria del Mar. Wir fahren
die Anhöhe herunter auf das Meer zu. Ein Wirrwarr von Zu-
und Abfahrten für die Hotelanlage. Wir parken vor einem
Gebäude. Überall Zutritt für uns verboten, weil das schöne
Bändchen am Handgelenk fehlt.
Naja, da gibt es auch noch einen Strand, der öffentlich ist.
Das ist natürlich eine playa wie aus dem Bilderbuch.
Glasklares Wasser, feiner weißer Sand und mit dem Wetter
habe ich dieses Jahr sowieso Glück. Sogar meine linda cubana
wagt sich in das Meer. Viel Polizei am Strand, deswegen
können wir den Badespaß zusammen genießen. Unsere Taschen
und Handtücher sind unter Aufsicht.
In einem Restaurant direkt an der playa essen wir Spagetti.
Ich muss mal kurz zum Wagen, weil wir unsere Badeschuhe
vergessen haben. Hola, da wartet schon die Polizei auf mich.
Der hombre will mir erzählen, ich wäre irgendwo in dem
Straßengewirr zwischen Strand und Hotel in die falsche
Richtung gefahren. (Das ist gut möglich - Einbahnstrassen).
Ich stelle mich dumm. (No hablo espanol). Bin Ausländer.
Papiere raus. Gracias y buenas dias. Keine multa*. Zurück
zum Strand.
Yari hat ebenfalls Gesellschaft von der policia. Na, da
möchte ich doch gerne dabei sein. Die funcionarios* haben
ihre carnet* und unser certificado in den Händen und geben
die Daten in ihr Funkgerät. Dann muss ich mich doch
einmischen. Ich sage, dass wir alle Dokumente haben und
frage verärgert, was noch fehlt. Meine Dame bekommt eine
multa* von 7 MN, weil die Plastikhülle für ihre carnet*
beschädigt ist. -
Gusanos*.
Wir müssen zurückfahren und ein casa suchen. (In Guadalavaca
gibt es keine casa particulares*). Und das wird ein Problem.
Wir versuchen es in Rafael Freyre und fragen auch unsere
Mitreisenden. Es tritt die Situation ein, die ich vermeiden
wollte:
Auf Cuba im Dunkeln in eine Stadt fahren, die ich nicht
kenne und ein Quartier suchen. Wir sind in Holguin und
fragen uns durch. Die Straßen wie erwartet kaum beleuchtet
und dann diese Sucherei. Wir landen schließlich irgendwo in
einer Seitenstraße in einem Mehrfamilienhaus, erste Etage.
Die ältere Dame bietet uns ein kleines Zimmer (höchstens 12
qm) und daneben ein winziges Bad für 25 CUC die Nacht an.
Ich sage ihr, dass das viel zu teuer ist. Ihre Antwort:
„Inklusive Frühstück und Garage“. Bastante. Wir haben keine
andere Wahl und mieten uns für zwei Tage ein. Ich fahre den
Wagen in die Garage zwei Strassen weiter. Wir lassen uns ein
paladar* empfehlen, ein paar Häuser weiter. Für Yari gibt es
ein Fischfilet. Ich nehme Hühnchen mit den üblichen Zutaten.
(28 CUC, auch zu teuer).
Auf der Hauptstrasse möchte ich noch einen Kaffee mit ron
trinken. Nicht möglich.
Ich kaufe eine ganze Flasche für 7 CUC. Dann zurück ins casa.
Meinen Kaffee bekomme ich auch noch von der Dame des Hauses.
Wir lernen die anderen Familienmitglieder kennen. Yari
bleibt in dem kleinen Wohnzimmer während ich mich als
Raucher mit meinem Kaffee und dem ron auf die Terrasse
verziehen muss.
Um Mitternacht suchen unsere Körper Schlaf und das was dazu
gehört.
Donnerstag, 23. März
Wir müssen leider feststellen, dass dieses Bad nicht nur uns
gehört. Eine Person nach der anderen besucht das Badezimmer
am Morgen. (Deswegen steht auf der Visitenkarte: ambiente
familiar). D.h. längere Wartezeit für uns vor der
Morgentoilette. Ich hasse solche Verhältnisse.
Nach dem Frühstück wieder nach Guadalavaca. Ich bekomme
leichte Magenschmerzen. Verursacht durch das Hähnchen von
gestern und danach den ron? An der playa angekommen, muss
ich öfter das Toilettenhäuschen aufsuchen. Ich habe einen
Durchfall der Extraklasse. Die Magenschmerzen werden
schlimmer. Dazu kommen Schweißausbrüche und der
fürchterliche Husten. Ich lege mich eine Stunde in den
Wagen. Jetzt macht die Dame Ärger, will mit mir dieses und
jenes kaufen. Sie hat kein Verständnis für meine Lage. Kurz
gesagt, es ist für mich ein Stresstag.
Schon um 17 Uhr wieder zurück nach Holguin. Ich nehme erst
mal Kohletabletten, damit diese Besuche der Toilette endlich
aufhören. Yari möchte in der Familie zu Abend essen, weil es
camarones gibt. Ich fahre mit dem bicitaxi* zum Plaza
Galixto Garcia ins Stadtzentrum (nachdem ich mich nach einer
Bank erkundigt habe). Morgen ist die Rechnung für die casa
fällig deswegen hole ich mit der Visa ein paar Piepen. Dann
versucht ein Sandwich runter zu würgen. Irgendetwas muss
doch in den Magen. Kurzer Besuch des Casa de la Trova. Hier
ist tote Hose. Zwei Bucanero. Schmeckt alles nicht. Diese
Stadt gibt nicht viel her. Was ich bisher gesehen habe ist
nicht besonders interessant. Deswegen wieder zurück zum casa.
Kohletabletten.
Nur noch Ruhe und schlafen.
Freitag, 24. März
Am Morgen bezahle ich 63 CUC. (13 CUC für ein Abendessen -
Banditen). Der hombre will für seine Garage auch noch Piepen
haben. Aber das ist nicht mein Bier.
Dann können wir endlich zurück fahren.
Um 12.30 Uhr sind wir im casa von Yari (Las Guasimas/Siboney).
Schwester und den kleinen primo ins Auto und dann geht es
wie versprochen hoch zum Gran Piedra.
Auf dem allerhöchsten Berg der Sierra Maestra ist es kalt
und der Nebel lässt nicht weit blicken. Dafür gibt es ein
Restaurant und die Damen schlagen wieder zu, als wenn sie
eine Woche nichts mehr zwischen die Zähne bekommen hätten.
Und das in einer Geschwindigkeit, die mich immer wieder
sprachlos macht. (Ich weiß nicht, wo diese schmalen Personen
all diese Nahrung lassen). Dann noch ein kurzer Besuch bei
meinem Hotel Bucanero vom letzten Jahr. Zufahrt und Anlage
sind vom letzten Hurrikan teilweise zerstört - Bauarbeiten -
sollen aber angeblich im Mai wieder öffnen. Schwimmen an der
Playa Yuragua und dann noch Siboney Restaurant Rueda. Zurück
nach Santiago. Es reicht für heute. Zum Glück habe ich mich
wieder etwas erholt.
Samstag, 25. März
Erst mal den Wagen nach dem Frühstück wieder zur Tankstelle
bringen. (Autofahren in Santiago ist Stress für mich). In
der Nähe liegt das Reparto Flores. Mit dem Taxi liefern wir
meinen letzten Brief aus. Dann zurück ins casa. Mal ausruhen
und Zeit für die große Liebe. Das Thema Verhütung hat sich
auch erledigt. Yari möchte das nicht und bei Ausbleiben der
Regel bekommt sie entsprechende Medikamente (Beziehungen),
die ein etwaiges Problem beseitigen.
Irgendwann am Nachmittag ist meine Kehle trocken wie
Schmirgelpapier und kein Tropfen zu trinken im Haus. Ich
laufe los zum Einkaufen. Alles geschlossen. Stromausfall.
Nichts geht. In meinem Stützpunkt (Cafe) wird gerade die
Kasse abgebaut, weil auch sie vom Strom abhängig ist. Dueno
Papa hilft. Er wirft seinen Lada an und wir fahren in den
anderen Teil der Stadt. Dort gibt es kein Problem mit dem
Strom. Bier, eine Flasche ron, Saft. Eine Flasche cervecita
trinke ich auf ex. Vale. Zwischendurch erledigt Papa noch
seine Geschäfte. Holt Leute ab und bringt sie zu ihrem Ziel.
Für seine privaten Taxidienste bekommt er überall einige
Münzen in de Hand gedrückt.
Für den Abend habe ich die Familie von Yari zum Essen
eingeladen. Wir werden uns um 20.30 Uhr am Plaza Dolores
treffen. Das kann ja lustig werden ohne Licht und Strom.
Und tatsächlich um die Zeit ist es stockdunkel. Immer noch
kein Strom. Alle Läden geschlossen. Die Gesellschaft
erscheint um 21 Uhr. Ireida (mama), Junita (hermana) und
Yoguleis (prima) habe sich in Schale geworfen. Der kleine
Bandit Julian ist auch dabei. Erstmal alle in unser casa.
Ich muss Oscar anrufen und zur Pio Rosado bestellen.
(Verabredet sind wir um 22 Uhr am Plaza Dolores). Mein amigo
kommt und wir fahren direkt nach San Pedro del Mar (Cabaret).
- Schließlich können wir dort auch essen. Am Eingang gibt es
Stress wegen Julian. Der wäre noch zu jung und bekommt
keinen Eintritt. Ich habe schon einen 10-CUC-Schein in der
Hand. Aber der hombre lässt sich nicht umstimmen. Dann kommt
der jefe. Großes Blaba. Eintritt ok, aber pro Nase 6 CUC.
(Letztes Jahr 1 Peso MN pro cubano). Das Spielchen kann ich
nicht mitmachen. Auch Oscar ist entsetzt. Wir verschwinden
und mein taxista weiß wie immer einen Ausweg. In der Nähe
ist ein gutes Restaurant. („El Chino“, calle 5, Reparto
Sueno). Wir essen Fisch, Fleisch mit allem was dazu gehört
für 70 CUC. Oscar dieser Schlingel, nutzt die Gelegenheit
und macht sich an Ireida ran. Ich bin ein wenig konsterniert
und frage ihn, was seine Frau dazu sagen würde. Er meint
nur, jeder cubano hat mehrere Frauen. Meine Schwiegermutter
in spe (38 Jahre alt) ist amüsiert und fühlt sich
geschmeichelt. (Diese selbstbewusste cubana wird schon den
Mund aufmachen, wenn ihr etwas nicht gefällt).
Dann nochmals Getränke einkaufen für casa. Dort will ich
eine kleine fiesta steigen lassen. Oscar wird in zwei
Stunden die Damen abholen. Als wir so richtig in Stimmung
sind und tanzen und trinken (salud, amor y dineros) kommt
Papa. Wir müssen unsere Lautstärke reduzieren wegen den
bekannten Problemen. (Registrierung). Um 1.30 Uhr kommt mein
taxista. Nochmals 25 CUC für ihn. Adios liebe Familie.
Sonntag, 26. März
Meine linda cubana hat sich zu ihrem Vorteil verändert.
Nicht nur, dass sie Ordnung hält. Alle paar Tage wäscht sie
unsere schmutzige Wäsche und hängt sie fein säuberlich auf
die Terrasse zum Trocknen. Sonderwünsche gibt es nicht mehr.
(Ich hatte öfter den Spruch losgelassen „desplumas me“*, der
sie doch sehr getroffen hat.
Meine Gesundheit ist fast wieder hergestellt. Deshalb heute
nochmals zur Playa Buey Cabon. Eine halbe Flasche ron habe
ich noch von letzte Nacht gerettet und die fährt natürlich
mit. (Taxista 17 CUC hin und zurück).
Wir haben wieder einen Supertag. Ich gehe schwimmen. Wieder
mitten im cubanischen Leben an der cantina Sese, wo reger
Betrieb ist. Sese hat einige Flaschen Hatuay organisiert.
Ein ambulante* kommt mit einem großen Plastiksack puros*,
die Banderolen mit dem Namen Cohiba tragen (aber wohl
Fälschungen sind).
Mit der Flasche ron lassen sich schnell neue „Freunde“
finden. Wer keine CUC hat, lässt sich den Peso-Rum hinterm
Tresen in eine Bierflasche abfüllen.
Wir fahren m 17 Uhr zurück, weil ich noch einen Termin mit
Herbert im Casa Grande habe. (Erfahrungsaustausch). Danach
kaufe ich noch einige Sandwich, da mi amor, die im casa auf
mich wartet, wieder einen großen Hunger hat. (Aber nicht nur
Hunger auf alles Essbare. Mittlerweile habe ich einen großen
Knutschfleck auf dem Oberarm und einige Bissmale auf der
Brust).
Montag, 27. März
Heute wollen wir die Familie in Las Guasimas besuchen. D. h.
erst mal einen Großeinkauf tätigen. Essen, Trinken etc.,
alles was halt dazu gehört und im Haus fehlt. (Ich ahne
mittlerweile, dass diese Familie zu einem Fass ohne Boden
werden könnte). Der taxista bekommt einen Festpreis von 16
CUC und wird uns um 17 Uhr auch wieder abholen. Großes Hallo
als wir ankommen. Die mama hat heute ihren freien Tag und
ist auch zu Hause. Natürlich frage ich sie nach ihrer großen
Liebe Oscar. „Das wird nichts“, meint sie.
Ich probiere die mitgebrachten Komponenten meiner
Mini-Musikanlage aus. Alles funktioniert einwandfrei.
Natürlich fehlt die entsprechende Lautstärke (es sind eben
nur 110 Volt). Bei der Ansicht der Stromkabel bekomme ich
einen leichten Schreck.
Aber ich sollte die Verhältnisse berücksichtigen. Wir sind
fast im campo und da geht es rustikal zu.
Mittlerweile wird die Familie immer größer. Ich blicke nicht
mehr durch. Alles tias, tios, primas, primos? Aber ohne ron
kommt die Sache nicht in Schwung. Yoguleis, die prima von
Yari, bekommt 15 CUC. Sie wird zwei Flaschen in Siboney
besorgen.
Und in der Zwischenzeit Photos, Photos. Kaugummi und
Süßigkeiten für die Kinder.
Immer wieder fasziniert mich die Freude über die kleinste
Kleinigkeit und wie herzlich die cubanos miteinander
umgehen. ( Das Gegenteil von der deutschen Kälte). Ursache
ist wohl eine Gemeinschaft die mit wenig zufrieden ist und
der der europäische Überfluss unbekannt ist. Ich habe mein
spanisch (kubanisch) schon verbessert, aber ich habe das
Gefühl, es fehlen immer noch eine Million Worte, um alle
Phrasen und Späße zu verstehen, die durch den Raum
schwirren.
Der ron ist da. Cubay. Jetzt kommt die Fete langsam ins
Rollen. Hola, das mit dem sangre de cuba* hat sich wohl
rumgesprochen. - Die Familie wird noch grösser. Ich mache
Photos von einigen chicas, die auch einen novio in
Deutschland suchen. Wenn ich frage wie er denn sein soll,
höre ich öfter die Worte rico und rubio. Alles klar, denke
ich, da kenne ich doch wenigstens einen…
Dann wird zum Tanz gebeten. Ich sage, dass ich einer der
besten Tänzer in alemania bin (mit ron). Das kann ich
natürlich auch beweisen. Bachata. Attacke. Ich gebe mal eine
Kostprobe. Das bringt die chicas zum Lachen und von den
cubanos bekomme ich aplauso.
Dann gibt es Essen. Ireida kümmert sich um mich. Ein großer
Teller mit Spagetti und Fleisch in einem Platikteller. Ich
kann leider nicht beobachten, ob jeder so gut bedient wird.
Einen Kaffee bekomme ich auch noch.
Ich hatte das Thema santeria* erwähnt. Deswegen gehen wir
nach dem Essen zu einer santera*, die in der Nachbarhaft
wohnt. Ich darf ihren Altar fotografieren. Anschließend
werde ich von oben bis unten mit Parfüm bespritzt und mit
einem Zweig Kräuter abgerieben. Damit sollen die bösen
Geister aus meinem Leib vertrieben werden.
Jetzt kommt die große Trommel zum Einsatz, die vom Onkel von
Yari mit beiden Händen bearbeitet wird. Ein monotoner Klang,
von Sprechgesang begleitet. Ich wünsche mir „Babalu aye“ und
immer mehr cubanos ruft die Conga zu der Hütte.
Manche begleiten die Musik mit Händeklatschen, die meisten
bewegen ihren Körper im Rhythmus des Instruments. Mein ron
ist längst Vergangenheit. Jetzt gibt es ron cubana natural,
den irgendjemand zu der Fiesta beisteuert. Ich tanze und
spüre einen Hauch von Afrika. Bilder aus der Verganganheit.
Sklaven in Schiffen, Peitschen die knallen, Arbeit in der
zafra*, Blut und Leid. Trommeln rufen die Orishas* zur
Hilfe. - Aber hier gibt es nur Lust und eine andächtige
Freude.
Ein anderer hombre übernimmt die Trommel. Noch ein cubano
kommt dazu mit einer selbst gebastelten Triangel, auf die er
mit einem Stück Eisen schlägt. Die Monotonie verstärkt sich.
Aus allen Ecken strömen noch mehr Zuhörer und ich bin mitten
drin. Meine novia zieht mich raus. Unser taxista wartet.
Abschied. Noch ein cervezita auf die Schnelle. Dann fahren
wir zurück nach Santiago. Ich muss erst wieder Verpflegung
am Stützpunkt besorgen. Yari lernt mit Eifer die ersten
deutschen Wörter aus meinem Reiseführer. Unbekannte
Buchstaben und Laute verwirren sie. Mit der Aussprache
klappt es noch nicht.
Dann ist da noch die Sache mit dem Fernsehen. In Las
Guasimas gibt es nur zwei Programme, im casa haben wir fünf.
Das ist ein Grund für sie stundenlang wie gebannt auf die
Mattscheibe zu schauen. Besonders Telenovelas und
Zeichentrickfilme haben es ihr angetan. (Ich kenne dieses
faible für Telenovelas). Manchmal läuft schon morgens um
sieben die Kiste. Wir haben deswegen einen Disput. Ich habe
kein Bock im Urlaub auf Fernsehen, möchte Lieber Musik hören
oder in Ruhe mit ihr quatschen. Deswegen schließe ich unter
Protest die Fernbedienung erst mal in meinen Koffer ein.
(Die Nummer des Safes kennt sie schon lange, obwohl nur
zwei- oder dreimal gesehen).
Dienstag, 28. März
Die Schwester Junita ist wieder im casa. Ich muss mein
Versprechen einhalten und für Mama einen Ventilator kaufen.
Na, das wird ja wieder Stress geben. Es folgt eine Odyssee
durch Kaufhäuser und Geschäfte. Immer hinter den Damen her,
die planlos durch die Straßen ziehen. Nach fast 2 Stunden
haben wir den richtigen Laden gefunden. 40 CUC raus und ich
kaufe das Teil.
Dann treffen wir zufällig Leo (Reparto Sueno). Ich lade ihn
in unser casa ein, nachdem ich einige Getränke besorgt habe.
Leo gibt mir viele Einblicke in den cubanischen Alltag. Er
erzählt mir, wie das System von Fiedel funktioniert. Z. B.,
wer nicht arbeiten geht, dem werden die Sonderrationen auf
die libreta* gestrichen und auch auf Sonderlieferungen
(Kühlschränke) hat er keinen Anspruch. Kontrollinstanz ist
in den Großstädten wohl eine Art portero*, den es in jeder
Straße gibt und der die entsprechenden Repressionen
veranlasst.
Nachdem Leo weg ist, spreche ich mit Yari darüber und sie
streitet diese Kontrollen ab. „Das ist nicht wahr“.
Vielleicht weiß sie nichts davon, weil sie nicht in der
Stadt wohnt (oder will es nicht wissen?). Ich spreche mit
Papa darüber und der sagt mir auch, dass es so was nicht
gibt. (Aber warum soll Fidel nicht das System von der Stasi
übernommen haben?)
Heute bleiben wir zu Hause und spielen Dame. Beim ersten
Spiel, das ich gewinne, habe ich sie noch unterschätzt. Das
zweite verliere ich glatt und beim dritten kann ich mich
soeben in ein Unentschieden retten. Sie ist mit Leib und
Seele dabei und versucht auch manchmal zu mauscheln, indem
sie mit den Steinen zurück springen will. Wir haben Spaß und
sie verwöhnt mich mit einigen Zärtlichkeiten. Deswegen kann
ich ihr die Bitte nach der Fernbedienung nicht abschlagen.
Ich besorge das Abendessen am Stützpunkt. Diesmal große
Portionen Fleisch mit Brot und Salat. Meine linda cubana
putzt ihren Teller leer und einen halben von mir dazu. (Sie
hat schon eine kleine Plauze bekommen). Dann schläft sie bei
einer Telenovela ein, während ich noch auf der Terrasse
sitze und schreibe.
Mittwoch, 29 März
Ich kann es nicht glauben, dass ich das Frühstück
verschlafen habe. Zu lange geschrieben (und dann noch ein
trago* zuviel?) Als ich um 11 Uhr aufwache, ist wieder
Familienbesuch da. Junita und Julian. Zu erwähnen ist noch,
dass ich im Halbschlaf das Knacken des Safeschlosses höre.
Yari möchte ein paar Piepen. Aber das ist ein Thema für
später.
Zuerst bitte ich die Familie, mich eine halbe Stunde allein
zu lassen. Die Zeit brauche ich, um frisch zu werden. Dann
verschwinde ich allein zum Essen im Stützpunkt. Ich möchte
heute etwas sehen von Santiago. Zuerst spaziere ich zum
Plaza de Marte.
Ich frage im Hotel Libertad wegen Besuch der Dachterrasse.
(Tolle Aussicht). Leider erst ab 18.00 Uhr geöffnet. Eine
Pause im Park. Ich habe noch eine halbe Flasche ron, die ich
aus dem Rucksack hole. Mit diesem Material lässt compania
nicht lange auf sich warten. Wenig später sitzen zwei
muchachas auf meiner Bank und versuchen Kommunikation. -
Aber nein, Oreste ist vergeben.
Ich möchte ans Meer, zum Hafen. Das ist ein Spaziergang quer
durch die halbe Stadt. Auf einer Treppe sitzt eine
mamirriqui* mit ihrer Tochter. Ich setze mich dazu. Chicle*
ist wichtig für die nina. Die habe ich natürlich im
Rucksack.
Dann ein kleiner Markt. Es gibt Kräuter, Obst und Gemüse.
Gegenüber ein Friseur, der seinen Arbeitsplatz auf die
Straße verlegt hat. Der Meister und seine Kunden möchten
fotografiert werden, als sie meine Kamera sehen. Claro, kein
Problem. Es kommen noch andere hombres, die sehen wollen,
was der Apparat da produziert hat
und nebenbei noch meinen ron leer trinken. Mehr Photos.
Wieder diese große Neugier. Adios, weiter. Dann lande ich
wieder auf der Heredia und bin schon fast
am Hafen. Die Fabrikgebäude entlang der Küstenstrasse sind
mehr oder weniger verrottet. Fast nur guaguas und bicitaxis*
(die es in der Oberstadt nicht gibt) unterwegs. Der Gestank
von Benzin, der schlechtesten Qualität liegt in der Luft.
(Ich rauche zurzeit Popular, da wird mir wohl bald die
Luftverschmutzung den Rest geben).
Es gibt auch einen Malecon in Santiago. Vielleicht
zweihundert Meter lang. Ich setze mich zu den Fischern, die
in dem trüben Wasser bisher nur einige wenige Fische
gefangen haben.
Auf der anderen Seite gibt es einige tiendas. Der ron fehlt.
Ich kaufe eine Falsche Varadero für 7,60 CUC. An der
nächsten Ecke quält sich ein Schuhputzer mit seinem Kunden,
der schwarze Halbschuhe trägt. Und meine Schuhe? Weiß. -
Diese Farbe gibt es nicht in seinem Sortiment. Für alle un
trago ultimo. Hasta la vista.
Ich gehe die Aguilera hoch Richtung casa. Vielleicht macht
sich die Dame sorgen.
Aber zuerst ein cervezita, das wäre jetzt toll. Wieder so
ein Lokal, das Fidel gehört (staatlich) in einem kleinen
Park. Meine CDs für die große Anlage. Das Personal trinkt
mit Vergnügen meinen ron. Ich lasse den Spruch los, dass ich
Provision haben möchte, weil meine Musik nach und nach mehr
Kunden anzieht.
Dann wird es aber Zeit für mich. Ich kaufe noch einige
bocadillos. Yari ist schon im casa auch ohne Schlüssel, den
ich mitgenommen hatte. (Deswegen war sie sauer heute früh).
Der dueno hat sie rein gelassen. Vom dem Safe erwähnt sie
nichts. Ich frage, wie viel sie raus genommen hat. 10 CUC.
Dann sage ich ihr, dass es mir nichts ausmacht, wenn sie ein
paar Piepen aus dem Safe nimmt. Sie soll nur Bescheid sagen.
(Damit ich weiß, wo die Scheine geblieben sind).
Am Abend gehen wir Essen im Restaurant 1900. Danach machen
wir den Besuch auf der Terrasse vom Hotel Libertad.
(Eintritt 2 CUC). Schöne Aussicht, aber zu kalt für meine
Dame. Der Abend endet im Patio de los Abuelos am Plaza de
Marte. (Sehr schönes Lokal mit guter cubanischer
Live-Musik). Yari schnappt sich einfach einen cubano, weil
sie Son tanzen möchte, ohne mich vorher zu fragen. -
Selbstbewußtein haben diese cubanas. Von dieser Perfektion
des Zusammenspiels von Musik und Bewegungen bin ich leider
auch weit entfernt.
Donnerstag, 30. März
Heute muss ich erst mal Papiertaschentücher besorgen, die
bei vielen Gelegenheiten nützlich sind. (Besonders fremde
Toiletten. - Ich breite das große Tuch des Schweigens über
die hygienischen Verhältnisse aus. Aber ich treibe mich auch
überall rum). Ich besuche einen dieser Läden, der Geduld
erfordert. Erstmal anstellen. Nach 15 Minuten bin ich drin.
Das Angebot ein lio*aus Haushaltswaren und Artikel zur
Körperpflege. Papiertaschentücher Fehlanzeige. Ich sehe ein
Paket, das aussieht wie eine Papierrolle für die Küche.
Zugreifen und wieder warten in der langen Schlange zum
Bezahlen. - Nochmals 10 Minuten. Die Hitze in den
Räumlichkeiten bringt mich fast um. 1 CUC. - Fast jeder
Artikel kostet 1 CUC. Nichts wie raus. Yari wartet draußen.
Beim Öffnen des Paketes muss ich feststellen, dass ich vier
Rollen Toilettenpapier gekauft habe. (Hätte mir auch mal
genau durchlesen können, was da auf der Verpackung steht).
Egal. Ich stelle mir einfach vor, es sind
Papiertaschentücher auf einer Rolle.
Wir beschließen, wieder
unseren liebsten Strand Buey Cabon zu besuchen. Raus aus der
Hitze der Stadt. Nur wenige Leutchen am Meer mitten in der
Woche. Sese und Rebecca sind auch nicht da. Dafür eine
Freundin, die die cantina schmeißt. Mit Getränken ist das
heute etwas schwierig. Es gibt nur ron Caribe. Ein hombre
fragt uns, ob wir Langusten essen möchten für 8 CUC. Wir
bestellen für 2 Uhr.
Um diese Zeit werden wir auch abgeholt. Irgendwo auf dem
Hügel ist eine Hütte, zu der wir geführt werden. Auf der
kleinen Terrasse gibt es vier Langusten für jeden,
gedünsteten yukka, tostones, salada und congri*. Meine Dame
kann mal wieder nicht genug bekommen von den Meerestieren.
Hier gibt es auch endlich cerveza und refrecos.
Auch einige Italiener am Nebentisch nutzen dieses günstige
Angebot. (Haben sogar eine casa particular am Strand). Nur
ron haben sie nicht. Deswegen helfe ich öfter mit meiner
Flasche aus. (Und jedes Mal lassen sie die
deutsch-italienische Freundschaft hochleben). Als wir
bezahlen geben wir gleich eine neue Bestellung für Sonntag
auf.
Am späten Nachmittag fahren wir zurück. Zuerst zum
Stützpunkt. Auf der anderen Seite der Straße in einem
edificio, dass mehr oder weniger eine Ruine ist, rufen die
Trommeln. Ein Treffpunkt der Santeria. Das interessiert
meine linda cubana mehr als das Palaver und die Getränke mit
dem taxista, der nach unserem Ausflug zum Strand Feierabend
hat. (Eine solcher Fahrten am Tag und das Geschäft ist für
ihn gelaufen).
Am Abend nochmals zum Essen. Ich sage Yari, dass sie mal an
ihre bella figura denken soll. Sie lacht nur. Naja, was soll
ich da machen. Lass sie mal essen. (Vielleicht auf Vorrat?)
Ich habe ja nur 3 Wochen.
Freitag, 31. März
Die Schwester von Yari leistet uns wieder Gesellschaft. Wir
machen einen Spaziergang zur Familie von Oscar. Es steht
wieder ein Familienbesuch an und für mich etwas Ruhe am
Strand Yuragua deswegen benötigen wir ein Taxi. Mein amigo
hat leider andere Kundschaft und ist nicht zu Hause. Also
zuerst wieder ein Großeinkauf. Dann Richtung Las Guasimas.
Nichts ist es mit dem alleinigen Besuch meiner alten Playa
und dem Besuch der amigos vom letzten Jahr. Mamasita
begleitet mich mit Julian. (Es könnte ja sein, dass sich
dort muchachas rumtreiben und den deutschen hombre
abschleppen wollen...). Wir trinken einige cervezitas
zusammen. Das Thema dreht sich um die hübsche Tochter.
Einige amigos treffe ich wieder, die auch gleich nach meinen
CDs fragen. Kein Problem, die sind natürlich im Rucksack.
Die zusammen gebastelte Anlage aus Russland unterhält den
halben Strand. Um 17 Uhr fahren wir wieder zurück. Ein
kleiner Umweg über Siboney. Ron für die Familie fehlt.
Wieder andere hombres im casa. Ja was ist hier eigentlich
los? Ich lerne den neuen Freund von mama kennen. Dann noch
ein Riesenteller mit Spagetti für mich während die Flasche
wieder ihre Kreise zieht.
Zurück nach Santiago. Meine Dame schläft ein und wird erst
am Abend wieder wach und hat schon wieder Hunger. Am
Stützpunkt kaufe ich Getränke und in der calle pollo frito
mit tostones. Zurück. Sie liegt noch im Bett und starrt
gebannt auf den Fernseher. Wieder eine Telenovela. Aber das
Essen ist noch interessanter. Welch ein schönes Leben sie
doch hat mit ihrem yuma*.
Noch erwähnenswert, dass alle Reste von ihr aufbewahrt
werden. Im Kühlschrank sind Apfelsinenstücke, tostones,
halbvolle Dosen mit Getränken, Toastscheiben.
Jede noch so kleine Münze wird in eine kleine Plastiktüte
gesteckt zur Wiederverwendung (z.B. als Fahrgeld).
Samstag, 1. April
Wieder eine Meinungsverschiedenheit mit Yari. Um 7 Uhr läuft
schon der Fernseher. Und als ich um 9 zum Frühstück will,
möchte sie erst mal ihr Schönheitsprogramm durchziehen und
ich soll warten. Ein besonderes Ärgernis ist es auch für
mich, wenn sie mal wieder so schnell wie eine Maschine
quatscht und ich kaum ein Wort verstehe. (Wie oft habe ich
ihr das gesagt und sie gebeten, langsamer zu sprechen?) Ein
Besuch des Hotels Melia Santiago möchte sie auch nicht
mitmachen, weil sie meint, dass es für sie keinen Eintritt
gibt. (Nicht mal sie glaubt das Märchen von der
Rassengleichheit auf Cuba, obwohl in diesem Zusammenhang
wohl übertrieben).
Ich ziehe allein los.
Plaza de Marte, dann auf die avenida Garzon Richtung reparto
Sueno. Ich verlaufe mich „etwas“ und lande am terminal für
die Reisebusse. Kurzer Blick in das estadio Antonio Maceo.
Vielleicht Platz für zehntausend Zuschauer. Aber kein
Fußball. Nur für Baseball. Nebenan in der Halle wird
Basketball gespielt. Erstaunlich ist die Sprungkraft der
dunkelhäutigen Schülerinnen. Endlich komme ich am Melia
Santiago an. Ich werfe einen Blick in das größte und beste
Hotel der Stadt. Natürlich alles vom Feinsten. Aber mir
gefallen die historischen Hotels im Kolonialstil besser.
Schon allein wegen dem immer wieder faszinierenden Ambiente.
Noch ein Blick in das Las Americas auf der anderen Seite.
Dann einige Erfrischungen im Restaurant Palmares und zurück
mit Taxi.
Heute Abend essen wir wie verabredet bei Pilar um 20.30 Uhr.
Der Fisch ist ziemlich trocken. Yari ist mit ihren Gambas
zufrieden. Auch hier kostet es 10 CUC pro Nase.
Sonntag, 2. April
Nach dem Frühstück bezahle ich meine Rechnung bei Pilar.
Dann wieder dasselbe Programm: Buey Cabon. Diesmal wird für
unser Essen vor der cantina ein Tisch aufgebaut. Zu den
Langusten kommt noch pollo asado damit auch alle satt
werden.
(Rebecca, Sese und die beiden Kinder leisten uns
Gesellschaft).
Mit einer Flasche aus meinem Rucksack gibt es noch ein
besonderes postre*.
Ein hombre möchte seine schwarze Korallenkette gegen meine
Uhr tauschen (die ich für ein paar Euro bei Lidl gekauft
habe). Leider ist die schon versprochen für die Schwester
von Yari. Diese versucht heute wieder ihre Deutschkenntnisse
zu verbessern und diskutiert mit Rebecca die deutsche
Aussprache.
Bei Rebecca gebe ich eine Rumbestellung für Dienstag in
Auftrag. (Mulata, wenigstens sieben Jahre. Je älter desto
besser). Aber ich werde nicht jeden Preis zahlen. Deswegen
habe ich erwähnt, dass ich letztes Jahr für eine Flasche
Mathusalem, 12 Jahre, 10 CUC bezahlt habe. Mal sehen wie
diese Dame versucht mich auszubeuten.
Zurück mit taxista wieder in den Stützpunkt. Yari möchte
wieder sofort ins casa. Als ich eine Stunde später
nachkomme, schaut sie wieder Fernsehen und liegt im Bett.
Konversation nicht möglich. Ich sage, dass ich nicht
zusammen leben kann mit ihr, wenn sie den halben Tag im Bett
liegt und nur Interesse für das Fernsehen hat. Außerdem
sieht die casa mal wieder aus wie eine Rumpelkammer, weil
sie ihre Kleidung überall verteilt hat. Auch das kritisiere
ich und verziehe mich mit einem Bier auf die Terrasse. Yari
schimpft und beginnt zu packen. Sie will nach Hause fahren.
Das ist wohl der Augenblick wo ich keine Kompromisse
schließen darf (und will). Einige Minuten später sitzt sie
auch auf der Terrasse und hat es sich wohl anders überlegt.
Wieder die Diskussion über TV, Aufräumen. Außerdem sage ich
ihr, dass sie eine andere Person ist, bei Anwesenheit der
Schwester. - Dann möchte sie zeigen, dass sie der jefe im
Haus ist und verhält sich dementsprechend. Ich weiß, dass
sie in einer Situation ist, mit der sie (noch) nicht umgehen
kann. - Zusammenleben mit einem yuma*, der von dieser
Zweisamkeit andere Vorstellungen hat. Deswegen nur sanfte
Kritik und keine bösen Worte. Geduld ist gefragt.
Hola,
meine Dame beginnt jetzt das gesamte casa zu wischen und
aufzuräumen. Und dann fängt sie auch noch an, die schmutzige
Wäsche zu waschen. Ich sage ihr, dass das nicht nötig ist,
weil ich bald fliege. - Nur noch drei Tage. Als ich ins Bad
komme fließen die Tränen. Mi amor, so habe ich mir das nicht
gedacht. Ich nehme meine linda cubana in den Arm und mit
meinen besitos endet auch ihr Tränenfluss. Sie öffnet ihre
großen Augen und zeigt mir ihre weißen Zähne. Endlich wieder
ein sonrisa*. Sie möchte mit mir zu Versöhnung ins Bett. -
So sind sie, diese cubanas. Lo siento*. Ich möchte noch zu
Hause anrufen und wieder versuchen ins Internet zu kommen.
Montag, 3. April
Das Verhältnis zu meiner Dame ist immer noch gestört. Nach
dem Frühstück erscheint wieder die Schwester. Ich
verabschiede mich, da ich eine längere Einkaufstour machen
möchte. (Rum, Kaffee, Zigaretten etc. für alemania).
Außerdem möchte ich mich über die Preise für ron El Caney
und Mulata informieren.
Um 16 Uhr bin ich wieder
wie verabredet im casa. Wir müssen mal einen langen
Spaziergang machen und über unsere Probleme reden. Ich
möchte zum malecon. - Das ist weit und ich weiß, dass sie
nicht gerne zu Fuß geht. Aber das muss jetzt sein. Unsere
Beziehung steht auf der Kippe. Frische Luft und alles muss
auf den Tisch.
Meine Verständigungsprobleme, wenn sie, wie gewöhnlich, zu
schnell redet. Ihre Klagen, dass ich zu viel cerveza und ron
trinke. Außerdem findet sie es seit einigen Tagen sehr
störend, wenn ich in ihrer Anwesenheit rauche. Ich beklage
mich wieder über Ihr Verhalten, wenn die Schwester im casa
ist.
Nachdem wir eine Stunde unterwegs sind, machen wir eine
Pause. Ein el rapido in der Nähe vom malecon. Filets, Bier
und ihr obligatorischer jugo natural. Dann liegen wir uns
wieder in den Armen. Die Gefühle füreinander sind größer als
alle Probleme.
Wir treffen einen von den italianos der auf dem Rückweg nach
Buey Cabon ist. Er setzt sich zu uns. Auch er reist nicht
allein. Holt eine kleine Flasche Havana Club aus seiner
Einkaufstasche. Wir verabschieden uns und gehen zum malecon,
genießen den Sonnenuntergang. Zurück ins casa. Zur
endgültigen Versöhnung die große Liebe, danach zum
Stützpunkt. Dort gibt es heute ihr absolutes
Lieblingsgericht: Gambas.
Ein Schrecken in der Abendstunde, als meine Visa-Karte keine
Piepen mehr hergibt.
Auch der zweite Automat spuckt die Karte ohne Scheine wieder
aus. Habe ich mein Limit schon gesprengt? Unmöglich. Ich
möchte morgen die letzten zwei Wochen für die casa bezahlen.
Dienstag 4. April
Heute gilt es das Problem mit der Kreditkarte zu lösen. Noch
mal klapper ich die beiden Geldautomaten ab. Negativ. Yari
ist total geschockt von diesen Problemen, während ich noch
Späße treibe. (Quel aventura, sin dineros en cuba).
Ich versuche es am Schalter in der Bank. Und siehe da, hier
gibt es auch nach längerem Warten die benötigten Piepen. Das
Problem mit den Automaten ist wohl bekannt.
Einige cerveza. Durst, Durst, verursacht durch die Lauferei
und die Hitze.
Buey Cabon ist wieder unser Ziel, als wir eine Stunde später
mit dem Taxi los düsen.
Ich merke immer wieder, dass es für mich kein richtiger
Urlaub ist, in der Stadt zu wohnen. Viel angenehmer wäre
eine Residenz am Strand und ab und zu mal ein Besuch in
Santiago.
Wir werden schon erwartet von Sese und Rebecca. Leider ist
meine Rumbestellung noch nicht eingetroffen. Der Lieferant
ist überfällig. Dafür hat Sese eine Kiste mit dem guten
Starkbier Hatuay besorgt.
Wir bleiben bis zum frühen Abend. Nach dem Abschied und
Adressenaustausch fahren wir wieder zurück in die Pio Rosado.
Es kommt tristeza auf, als wir meinen Koffer packen und Yari
darauf besteht, dass ich das schwarze Hemd mit den Blumen
bei der Abreise trage.
Am frühen Abend ist die Schwester wieder zu Besuch. Eine
Stunde später verschwindet sie mit der großen Tasche, die
schon fertig gepackt hat ist.
Das kommt mir etwas seltsam vor, weil wir doch noch fast
einen Tag Zeit haben. Ich frage sie danach. Keine Antwort
Eine Stunde später bemerke ich, dass mein Duschgel und mein
Haarshampoo nicht mehr da sind. Irgendwann ist aber der Spaß
zu Ende. Nicht genug, dass ich ihr noch Handtücher,
Badeschuhe etc. gegeben habe. Sie hat tatsächlich fast alles
eingesteckt, was noch brauchbar ist. (Maniküre-Etui und mein
Parfum sind ebenfalls verschwunden). Ich schimpfe mit meiner
cubana und nenne sie eine bandida. Frage sie, womit ich mich
nächsten Tag duschen soll. Wieder ein Streit. Ich sage ihr
verärgert, dass sie die transcard* endgültig vergessen kann
(auf die sie morgen noch gehofft hat). Sie antwortet mit
einem Wortschwall in der bekannten Geschwindigkeit. -
Anscheinend hat sie keine Schuldgefühle. Ich habe nie
gedacht, dass es mit meiner cubana in drei Wochen solche
Höhen und Tiefen gibt. Wieder setze mich wieder auf die
Terrasse und überlege bei einem Bier ob es mit dieser Dame
noch eine Zukunft gibt.
Mittwoch, 5. April -
letzter Tag
Junita erscheint mit meinem Haarshampoo. Leider kein
Duschgel. Yari hat sie wohl irgendwie verständig, weil ich
gestern doch sehr verärgert war.
Dann kommt wieder das Thema Transcard auf den Tisch. Aber
dafür habe ich weder Zeit noch Lust. Das oficina Transcard
ist wohl weiter entfernt (reparto Vista Alegre), weil ich es
auf keinen Stadtplan finde. Außerdem ist Warten auf Cuba die
erste Bürgerpflicht, was auch für die Ausstellung dieser
Kreditkarte gelten würde.
Zuerst muss ich noch einkaufen (ron) und nach Deutschland
telefonieren. Zum Abschied noch einmal vernünftig essen und
einen taxista besorgen für die Fahrt nach Holguin. All das,
versuche ich ihr zu erklären. Yari ist total enttäuscht.
Macht mir wieder eine Szene. (Malo hombre..). Gemeinsames
Essen möchte sie nicht. Ich ziehe allein los. Die Schwester
ist schon längst wieder verschwunden.
Ich kaufe zwei Flasche ron
Santiago. Diesmal habe auf der Post ich eine gute Verbindung
nach alemania erwischt. Anschließend gehe ich das letzte Mal
in den Stützpunkt zum Essen. Ich beobachte das Treiben in
der Cafeteria und verabschiede mich schon innerlich von
Cuba. Jetzt habe ich einen großen Schluck ron nötig.
Einen taxista besorge ich am Plaza Cespedes. Er wird um
15.40 Uhr in der Pio Rosado sein, um mich für 50 CUC zum
Flughafen fahren. Dann verabschiede ich mich von Pilar und
ihrem Mann. Noch 10 CUC für ihre Hilfe. Papa bekommt von mir
210 CUC. für die letzten zwei Wochen.
Meine linda cubana hat sich von ihrer Enttäuschung erholt.
Ich sage ihr, sie soll meine letzten Sachen aus dem Bad
mitnehmen. (Zahnbürste, Zahnpasta etc.), die sie gebrauchen
kann und gebe ihr 20 CUC für Taxi. Die Piepen steckt sie
ohne Kommentar in ihre große Geldbörse. Dann möchte sie aber
doch mitfahren als mein taxista kommt. Es ist Manolito, der
mich mit seinem Moskwitsch, Baujahr 1980, nach Holguin
bringen wird. Yari fährt mit bis zum nächsten Haltepunkt für
die guaguas*. Ich steige mit aus. Nur ein besito. Sie ruft
mir noch nach „ich schreibe ein Telegramm“, dann schaue ich
aus dem Fenster zum letzten Mal auf ihre bella figura.
In ihrem kurzen rosa Röckchen, das ich in Deutschland
gekauft habe, steht sie jetzt allein auf der Straße. Keine
tristeza. Ich hatte mir eine große Abschiedsszene ausgemalt.
Nada. - Wie ein Mann und eine Frau, die zufällig eine Nacht
miteinander verbracht haben gehen wir auseinander.
Kurz hinter Santiago hat
meine „russische Nobelkarosse“ die ersten Probleme. Manolito
besorgt einen Eimer Wasser, um den qualmenden Motor ein
wenig zu kühlen. (Kein Wunder, dass ein russischer Motor in
der cubanischen Hitze schwitzt).
Ich habe böse Vorahnungen für diese Reise. Ein großer
Schluck aus meiner Dose Bucanero und immer positiv denken.
Kurz vor Holguin wird der Russe wieder störrisch. (Mir wird
in diesem Urlaub mal wieder das ganze Programm geboten).
Manolito muss seinen gesamten Vorrat an Werkzeug
mobilisieren. Darunter seltsam gebogene Drähte und
Flaschenöffner. Diesmal ist es der Vergaser. Einige
Reisebusse rauschen vorbei. Campesinos gesellen sich zu uns
und geben gute Ratschläge. Es sind nur noch zwölft km bis
zum Flughafen. Mein Biervorrat ist aufgebraucht und ich hole
die Flasche ron aus dem Koffer. Wer solch ein Vehikel fährt,
der muss auch ein Automechaniker sein. Deshalb vertraue ich
meinem taxista (noch), der am basteln ist. Eineinhalb
Stunden vor Abflug ist der Schaden vorläufig behoben. Wir
fahren über die Schnellstraße zum aeropuerto. Manolito darf
dort mit Fahrgast nicht reinfahren, weil er als Auswärtiger
keine Lizenz dafür hat. (Das soll einer verstehen). Ca.
fünfhundert Meter vorher setzt er mich ab und ich gehe das
letzte Stück mit Koffer zu Fuß. Vor der Abflughalle treffen
wir uns wieder, nachdem er sich abseits des Flughafens einen
Parkplatz gesucht hat. Noch 2 CUC propina*, außer den 50 CUC,
die er schon bekommen hat. Ich frage ihn noch, ob die
Rückfahrt ein Problem wird. Er ist überzeugt, alles geht
gut. Adios und mucha suerte, Manolito. Saludos para
Santiago.
Ich muss mich sputen.
Der Beamte am Check-in fragt mich, was ich so lange
getrieben habe. Lo siento*, Manolito und der Russe sind die
Schuldigen. Als einer der letzten Passagiere komme ich 45
Minuten vor Abflug durch die Passkontrolle.
Zum Glück finde ich noch einen Platz neben Herbert, der die
letzte Woche in Guadalavaca verbracht hat. (Nachdem mir
meine Platzkarte einen Sitz zwischen zwei cubanischen Damen
und ihren schreienden Kleinkindern zugewiesen hatte, bin ich
geflüchtet). Einige Minuten Verspätung beim Start, weil ein
Passagier Alkoholprobleme hatte und nicht mitfliegen durfte.
Abflug Richtung Habana und dann Düsseldorf. Viel Zeit, die
Gedanken zu ordnen und darüber nachzudenken, ob es eine
gemeinsame Zukunft mit meiner linda cubana gibt.
P.S.
*Übersetzungen habe ich mir hier erspart
entspr. Bilder wieder auf
http://www.vetter-dortmund.de
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